40 Jahre Mercedes S-Klasse
Luxuriöse Limousinen gibt es bei Mercedes seit eh und je - aber erst mit der Baureihe W 116 haben die Schwaben die S-Klasse auf den Markt gebracht. Für Sonderklasse stand das "S", und mit ihr sicherte sich das Unternehmen endgültig seinen Stammplatz im Fuhrpark der Reichen und Mächtigen. Denn wahrscheinlich gibt es nur wenige Regierungen, nur wenige größere Firmen und kein Königshaus, das nicht auf die prunkvolle Limousine setzt, die in diesem September ihren 40. Geburtstag feiert.
Die Geschichte beginnt auf dem Pariser Automobilsalon im September 1972: Dort stahl die S-Klasse bei ihrer Weltpremiere selbst Autos wie dem Jaguar XJ die Schau. Mindestens 23 800 Mark teuer und anfangs nur mit Sechs- oder Achtzylinder-Motoren von 118 kW/160 PS bis 165 kW/225 PS lieferbar, kommt die Prunklimousine bei der Prominenz gut an.
Sie fährt mit Kanzler Helmut Schmidt abends durch die "Tagesschau", Playboy Gunter Sachs rollt mit ihr nach Sylt und St. Tropez. Lob kommt auch von Autoexperten: Sie heben neben dem komfortablen Fahrverhalten die für ihre Zeit innovative Sicherheitstechnik hervor. Zum ersten Mal ist der Tank nicht mehr im Heck, sondern crashgeschützt über der Hinterachse montiert.
Der luxuriöse Innenraum bekommt ein stark gepolstertes Armaturenbrett, versenkte Schalter und einen butterweichen Pralltopf auf dem staatstragend großen Lenkrad. Und bei der Karosserie perfektioniert Mercedes die Idee von der Knautschzone. Darauf sind die Schwaben so stolz, dass sie zur Internationalen Automobilausstellung 1973 sogar eine im Crashtest zerstörte Limousine auf den Messestand wuchten.
Auch die Presse ist begeistert. Das Fachblatt "auto motor und sport" preist die S-Klasse als "eines der perfektesten Autos der Welt" und spricht von hoher Fahr- und Unfallsicherheit, perfektionierter Karosserietechnik, überragendem Komfort, hohen Kraftreserven, mühelosem Fahren und mustergültiger Verarbeitung.
Aber der eigentlich Star in der Sternenflotte kommt erst knapp drei Jahre später: Im Mai 1975 präsentiert Mercedes den 450 SEL 6.9. Hinter dem üppigen Chrom-Ornat seines Kühlergrills steckt ein Motor, der alle Rekorde bricht. Seine 6,9 Liter machen den Achtzylinder zu dem bis heute hubraumstärksten Mercedes-Motor in der Nachkriegsgeschichte. Er katapultiert den Luxusliner mit 210 kW/286 PS und 549 Newtonmetern in 7,4 Sekunden auf Tempo 100, und danach auf eine Maximalgeschwindigkeit von 225 km/h. Deshalb gilt der 450 SEL 6.9 als schnellste Limousine ihrer Zeit. Selbst Porsche-Fahrer beißen vor Wut ins Lenkrad, wenn sich im Rückspiegel eine dieser S-Klassen breitmacht.
Dieses Auto hat von seiner Faszination bis heute nichts verloren. Die Polstersessel mit ihren braunen Bezügen erinnern zwar an längst vergangene Moden. Und dass man Ausstattungsdetails wie Zentralverriegelung, Klimaanlage, Scheinwerferwaschanlage oder ein hydropneumatisches Fahrwerk einmal als Innovationen gefeiert hat, mag man im Jahr 2012 kaum noch glauben.
Doch lässt man den Motor an und tritt aufs Gas, kommt Verständnis auf für die insgesamt 7380 Kunden, die anfangs 69 930 D-Mark und zum Ende der Laufzeit 81 247 D-Mark für einen 450 SEL 6.9 auf den Tisch blätterten und damit rund doppelt so viel wie für einen 350 SE. Die Reifen quietschen, man sinkt tief in die weichen Sessel, der Bug richtet sich auf: So kräftigen Vortrieb in einem so komfortablen Ambiente - diese Kombination bietet damals kein anderes Auto.
Das letzte Exemplar der ersten S-Klasse der Baureihe W 116 mit der Laufnummer 473 035 verlässt die Fabrik in Sindelfingen bereits im Herbst 1980. Aber selbst diese Laufzeit von acht Jahren hat manche verwundert. Denn Ölkrise, Fahrverbote und Rezession auf der einen und schnelllebige Moden, quietschbunte Farben und rasch wechselnde Formen auf der anderen Seite sind in den siebziger Jahren nicht eben der perfekte Nährboden für eine Limousine, die bleibende Werte verkörpern soll.
Ist die erste S-Klasse zu ihrer Zeit ein teures Vergnügen, ist der Luxus heute schon zum relativ kleinen Preis zu haben. Gute und sofort einsatzbereite Fahrzeuge gebe es schon für 10 000 Euro, sagt Andreas Ignaz. Er ist Kfz-Meister und Geschäftsführer in einem Mercedes-Autohaus im hessischen Bischoffen und fährt selbst einen W 116. An Fahrzeugen unter 5000 Euro müsse dagegen viel gemacht werden. Ab 15 000 Euro sei ein perfekt restauriertes Exemplar zu haben.
Der 450 SEL 6.9 allerdings nimmt auch als Oldtimer eine Sonderstellung ein und wird auf dem Markt gern für das Fünf- bis Zehnfache eines Sechszylinders gehandelt. Vor allem bei den Sechszylindern gehe der Käufer aber kein nennenswertes Risiko ein, sagt Ignaz: "Denn die sind bei guter Pflege für die Ewigkeit gemacht."
30 Meinungen zu "Auto für Reiche und Mächtige"
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ExtremUser
Dienstag, 06.11.2012, 08:50 Uhr Hatte leider nie einen 116er. Konnte mir nur damals einen 190er leisten, den ich nach vielen Jahren mit 276.000 Km (ohne Mängel!) verkauft habe. Der Wagen fährt immer noch beim Käufer! Und ja, es stimmt. Die erste C-Klasse hatte Rostprobleme. Warum? Mercedes hatte u.a. damals als erster die Lacke auf Wasserbasis eingesetzt...aber das ist ein anderes Thema. -
schieber1
Donnerstag, 06.09.2012, 12:32 Uhr @MiguelKhan Oder gut aussehen, dann würde sie auch mehr verdienen. Meiner Meinung nach. -
schieber1
Donnerstag, 06.09.2012, 12:27 Uhr Ja, die gute alte S-Klasse, es waren super Autos und es sind super Autos. Einfach traumhaft der Komfort, die Ruhe und diese unbändige Kraft. Eben ein Traumauto das man gefahren haben muß. -
Heinrich1965
Mittwoch, 05.09.2012, 15:52 Uhr Für zeitweise in den späten 80er Jahren von einem netten Nachbarn einen 280S Automatik in Buchhalterausstattung, Baujahr 1973. Einmailig der saftige Klang der Türen, die einfache und unproblematische Bedienung (keine elektrischen Fensterheber, keine lästigen Klingel- u. Piepstöne, simple Automatik, keine Klimaanlage, die krank macht, etc.). Gewisse Werte lassen sich eben nicht in Zahlen ausdrücken, eben die letzte S-Klasse mit Chrom. Durch die übersichtliche Karosserie ließ er sich auch einfach einparken. Exakt wie ein schweizer Uhrwerk! Heinrich Schweiger aus Wien -
BuffaloBill
Mittwoch, 05.09.2012, 11:41 Uhr Ich habe diesen Wagen (Auf dem Bild ist "nur" ein SE, kein SEL) in den 80er Jahren gefahren. Nicht mein eigener (Spritverbrauch bis zu 26 L/100km), war einem Freund. Tolles Auto, Gas gegeben und man fühlte sich wie im Kampfjet. Traumauto. Jetzt besitze ich einen 350er SLK, auch Traumauto, mehr PS als der 6,9er. Ach, zum Thema Rost: Die wenigsten Probleme mit Rost hatte ich mit den Sternenautos, die grössten Rostschüsseln hatten einen BLITZ im Zeichen. Gruss BB -
Harry1972
Mittwoch, 05.09.2012, 11:31 Uhr Ich habe vor über 20 Jahren, als gerade mal 18 jähriger einen W116 gehabt und wurde von Mitschülern und sogar Lehrern verspottet, doch war mir das egal. Als Fahranfänger wollte ich eben ein Auto haben, welches mir im schlimmsten Fall die besten Überlebenschancen bieten kann und zwei schwere Unfälle, an denen ich nicht schuld war, haben mir recht gegeben. Zwar war mein 116er nur mit 2,8 Litern ein bisschen zu knapp motorisiert, doch an Ausstattung und Fahrgefühl unübertroffen. Selbst mein späterer 126er, deutlich luxuriöser ausgestattet, konnte da nicht wirklich mithalten. Bald wird es wieder zeit für einen Wagen, weil ich wieder aufs Land gezogen bin und es kommt für mich nur ein W116 in Frage. Spritpreise sind mir egal. Da halte ich es wie der User Heimotu... "Das Leben ist geil!" und auch mir wird heute noch ganz warm ums Herz, wenn ich an meinen alten 116er denke. Mercedes Benz - Dein guter Stern auf allen Straßen. *seufz* :) -
rambo49
Mittwoch, 05.09.2012, 11:26 Uhr @MiguelKhahn ""Eine Frisöse in Annaberg für 3,80€/h......" Tja, hätte sie halt in der Schule besser aufpassen sollen." ------------------------------------------------------------------------------------------ Sie frisieren / schneiden sich Ihre/n Kopf / Rübe / Birne wohl nur ausschließlich selbst?
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