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26.09.2012, 10:10 Uhr

Wertanlage auf drei Rädern

Drei Räder -​ für so manchen Motorradliebhaber ist das genau eines zu viel. Bei anderen Bikern sorgt das zusätzliche Rad erst für den besonderen Adrenalinkick. So sind Motorräder mit Beiwagen und den drei asymmetrisch zueinander angeordneten Rädern heute echte Liebhaberstücke, für die -​ je nach Marke, Alter, Zustand und gefahrenen Kilometern -​ erkleckliche Summen auf den Tisch gelegt werden.

Hochphase in der Nachkriegszeit

Die ganz große Zeit der Motorräder mit Beiwagen war vor allem die Nachkriegszeit: In den 50er-​Jahren erlebten die mit angeschraubtem Seitenwagen ausgestatteten Bikes ihre Blütezeit als Autoersatz. In Fachkreisen werden die dreirädrigen Vehikel übrigens Gespann genannt -​ die Bezeichnung stammt ursprünglich von Pferdefuhrwerken ab. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Motorräder häufig bereits ab Werk gespanntauglich produziert.

Häufige Gäste bei Old- und Youngtimertreffen

Heute sind Motorräder mit Seitenwagen pure Luxusfahrzeuge. Sie sind vor allem etwas für Liebhaber und ein häufiger Gast auf Youngtimer-​Treffen in der ganzen Republik. Auf Straßen oder gar Rennstrecken sind sie immer seltener anzutreffen. Hierzulande sind rund 50.000 Motorradgespanne zugelassen. Die Bandbreite reicht dabei vom Oldtimer mit nur wenigen Pferdestärken bis hin zum Hightech-​Fahrzeug. Gerade die Seltenheit dieser Fahrzeuge macht auch ihren Wert aus -​ denn was selten ist und damit nicht alltäglich, ist häufig auch besonders wertvoll.

Sonderanfertigungen kleiner Betriebe

Heute produzierte Motorradgespanne sind dabei häufig spezielle Umbauten und Sonderanfertigungen, moderne Motorräder werden dazu von spezialisierten, kleinen Betrieben mit teils erheblichem Aufwand umgebaut. Zu den bekanntesten deutschen Gespannschmieden zählt das Unternehmen Walter Motorrad-Gespanntechnik aus dem hessischen Harle. Insgesamt 18 verschiedene Beiwagen-​Modelle -​ alle im eigenen Betrieb gefertigt -​ bietet das Unternehmen an, geeignet sind sie für über 60 verschiedene Motorrad-​Modelle.

Russische Maschinen im Retro-Look

Ural- ​Motorräder werden seit Ende des Zweiten Weltkrieges im Motorradwerk in der russischen Kleinstadt Irbit hergestellt. Die ersten Modelle des einstigen sowjetischen Staatsbetriebs orientierten sich an den Wehrmachtsgespannen von BMW mit dem Modellnamen R 75 (gebaut von 1941 bis 1944). Heute haben die Ural-​Motorräder, die weiter im Retro-​Look angeboten werden, aber über serienmäßige Elektrostarter und andere moderne Ausstattungsdetails verfügen, eine weltweite Fangemeinde.

Echte Wertanlage

Wer Geld für Motorräder mit Beiwagen ausgibt, frönt damit nicht nur einem exklusiven Hobby, sondern tätigt nebenbei auch eine durchaus kluge Investition. Denn die Fahrzeuge sind eine echte Wertanlage. Einer in Biker-​Foren im Internet immer wieder genannten Faustformel zufolge entspricht der Wert eines gebrauchten Motorradgespanns dem Zeitwert des Motorrades zuzüglich der Hälfte des Neupreises von Beiwagen-​ und Umbaukosten. Eine Guzzi Mille GT mit Beiwagen aus der hessischen Gespannschmiede Walter, im Jahr 1992 für 25.000 D-​Mark gekauft, wäre demnach heute immer noch gut 6000 Euro wert.

Liebhaber-Marktwirtschaft

Rund die Hälfte des Neupreises nach satten 20 Jahren -​ ein Auto gleichen Baujahres könnte da nicht mithalten. Voraussetzung ist natürlich immer, dass man auch jemanden findet, der die geforderte Summe zahlt. Denn der Markt für Gespanne ist ein echter Liebhabermarkt, und dort regiert Marktwirtschaft pur. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis -​ wo kein Käufer, da kein Wert. So bleibt jeder von noch so fachkundigen Experten ermittelte Preis erst mal theoretischer Natur. So lange, bis er auch realisiert wird.

© Axel Springer AG

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