Überraschungsparty für Biker - Ausblick auf die Intermot 2012
Die Motorradbauer machen es spannend. Noch hüllen sich die meisten Hersteller über Premieren auf der Motorradmesse Intermot in Köln (Publikumstage: 3. bis 7. Oktober) in Schweigen. Sie setzen auf den Überraschungseffekt. Mit Blick auf die Neuheiten für das Modelljahr 2013 gibt es deshalb viele offene Fragen und Gerüchte - aber aller Geheimhaltung zum Trotz auch schon Fakten.
BMW wird auf der Intermot neben dem Edelrenner HP4 auf Basis der S 1000 RR und den verbesserten Modellen F 700 GS und F 800 GS eine Nachfolgerin für die Reiseenduro R 1200 GS vorstellen. Wie sie die meistgekaufte Maschine der Nation weiterentwickelt haben, verraten die Bayern noch nicht. Doch seit erste Erlkönige gesichtet wurden, gibt es kaum noch Zweifel, dass BMW eine neue Richtung einschlägt und der GS-Erbin einen Boxermotor mit Wasserkühlung einpflanzt.
Boxermotoren, die ihre Zylinder weit in den Fahrtwind recken, kommen eigentlich gut ohne Zusatzkühlung aus - solange es nicht zu langsam voran geht. "Durch einen Wasserkühler plus Lüfter ließen sich die Betriebstemperaturen auf ein konstanteres, insgesamt niedrigeres und somit verträglicheres Niveau bringen, wodurch sich auch mehr Motorleistung herauskitzeln ließe", erklärt ADAC-Motorradexperte Ruprecht Müller. Hitzeschäden wären dann kein Thema mehr. "Ein Nachteil ist das zusätzliche Gewicht eines Kühlsystems, mit dem die Fahrzeugentwickler fertig werden müssen", sagt Müller.
Wer sich für neue Reiseenduros interessiert, wird auf der Intermot nicht nur bei BMW fündig. Im Interview mit der Zeitschrift "Motorrad" stellte Suzuki-Boss Sadayuki Inobe in dieser Sparte ein neues Modell in Aussicht, nannte aber keine Details. Es liegt aber nahe, dass es sich um ein größeres und stärker motorisiertes Schwestermodell der DL 650 V-Storm handelt, mit dem die Geschichte der 2008 eingestellten DL 1000 V-Storm fortgeschrieben werden könnte.
Der österreichische Hersteller KTM setzt BMW als GS-Gegnerin die 1190 Adventure mit knapp 1,2 Liter großem V2-Motor und um die 110 kW/150 PS Leitung vor die Nase. Der Antrieb ist vom Supersportler RC8 R abgeleitet. Wie KTM-Sprecher Thomas Kuttruf sagte, sind mindestens zwei Varianten "mit deutlichen Unterschieden bei Design, Ausstattung und Ausrichtung" zu erwarten. Voraussichtlich wird eine Version gelände-, die andere straßenorientiert sein. Erlkönig-Fotografen haben auch eine neue Super Duke mit dem RC8-R-Motor gesichtet. Das radikale Naked Bike ist womöglich auch in Köln zu sehen.
Mit Enduro-Neuheiten werden die Hersteller den aktuellen Vorlieben der Kundschaft gerecht: Neben sportlichen Modellen dominieren solche offroadtauglichen Allrounder den Markt. Nach Informationen des Industrie-Verbands Motorrad (IVM) wurden zwischen Anfang Januar und Ende Juli 2012 hierzulande 17 442 Enduros verkauft (Marktanteil: 26,1 Prozent) und damit 7,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Einen größeren Zuwachs bei den Verkaufszahlen gab es mit einem Plus von 9 Prozent auf 8587 Stück nur bei den Choppern, die jedoch mit 12,9 Prozent Marktanteil unterm Strich deutlich weniger gefragt sind.
Chopper-Fans und Freunden ähnlicher Bauformen bietet Harley-Davidson im Modelljahr 2013 einiges: Ab Oktober bringt das US-Unternehmen zum 110-jährigen Bestehen neun Modelle in einer limitierten "110th Anniversary"-Edition mit erweiterter Ausstattung auf den Markt. Die Harley-Veredelungsabteilung CVO (Custom Vehicle Operations) legt mit der CVO Breakout und der CVO Road King neue Spezialbikes auf. Außerdem bekommt die Dyna Street Bob ein Facelift, durch das die ohnehin schlichte Maschine noch puristischer wird.
Aus seinem neuen Tourer Trophy macht der britische Hersteller Triumph schon lange kein Geheimnis mehr. Das üppig verkleidete und mit serienmäßigen Seitenkoffern ausgestattete Reisebike wird vom 1215 Kubikzentimeter großen Dreizylindermotor (99 kW/134 PS) aus der Tiger Explorer angetrieben. Marktstart soll im Oktober sein. Außerdem deutet sich ein Generationswechsel bei der Triumph Street Triple an.
Kawasaki lässt die kleine Ninja wachsen und rüstet die sportliche Einsteigermaschine mit Anti-Rutschkupplung, ABS-Bremsen und größerem Motor auf. Der Reihenzweizylinder in der Ninja 300 schöpft aus 296 Kubikzentimetern Hubraum 29 kW/39 PS. Das sind 4 kW/6 PS mehr als im 250er-Modell. Das maximale Drehmoment steigt um 5 auf 27 Newtonmeter. Und Kawasaki nennt noch eine weitere Messepremiere beim Namen: Z800 wird die Neue heißen, die mit mehr Hubraum, modifiziertem Chassis und geänderter Ergonomie das Naked Bike Z750 ersetzen wird.
Eine komplette Messehalle (5.2) wird dem Thema Elektromobilität gewidmet sein. Während Motorräder mit Akkuantrieb noch rar sind, kommt der E-Roller-Markt immer mehr in Fahrt. "Da wird es viel Neues geben", verspricht IVM-Chef Reiner Brendicke und begründet diesen Zweiradtrend so: "Die auf 50 bis 100 Kilometer beschränkte Reichweite passt besonders gut zu Motorrollern als typische Stadtfahrzeuge."
Infos zur Intermot
Die Motorradmesse Intermot findet vom 3. bis 7. Oktober auf dem Messegelände in Köln statt. Geöffnet ist täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr (Freitag, 5. Oktober: bis 20.00 Uhr). Tageskarten kosten 14 Euro, mit der im Fachhandel gratis erhältlichen "Biker-Card" 10 Euro und für Jugendliche bis 17 Jahre 2,50 Euro. Die Tickets gelten in Verbindung mit dem Personalausweis als Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr in den Verkehrsverbünden Rhein-Sieg (VRS) und Rhein-Ruhr (VRR). Auf dem Messegelände können Fahrzeuge kostenlos getestet werden, Helm und Schutzkleidung werden gestellt.
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