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28.09.2012, 10:20 Uhr

Brot und Butter - Pariser Autosalon gibt sich bodenständig

Paris (dpa/tmn) - Luxuslimousinen und Supersportwagen? Danach muss man auf dem Pariser Autosalon schon etwas suchen. Weil sie vor der Absatzkrise zittern, wagen die Hersteller keine Experimente und zeigen in erster Linie Massenware.

Vielfalt sieht anders aus. Wer auf dem Pariser Automobilsalon (Publikumstage: 29. September bis 14. Oktober) auf den Stand von Opel kommt, sieht dort nur ein einziges Auto: den neuen Kleinwagen Adam. Und bei der Konkurrenz ist es kaum anders. VW konzentriert sich auf den neuen Golf, Skoda zeigt nichts als den Rapid, und bei Renault dreht sich alles um die Neuauflage des Clio. Wo die Hersteller früher Traumwagen und futuristische Studien gezeigt haben, stehen diesmal vorrangig die wichtigen Brot-und-Butter-Modelle.

Die Neuheiten in dieser Liga haben zwar mehr Charme und versprechen mehr Fahrspaß, markieren aber doch eine Rückkehr zum Alltäglichen. "Denn die Märkte liegen am Boden oder sehen die Krise heraufziehen", sagt Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Nicht ferne Visionen, sondern greifbare Innovationen seien gefragt, um das Geschäft mit neuen Modellen anzuschieben und den Autobauern über die Konjunkturschwäche zu helfen.

Auf dieses Rezept setzen in Paris fast alle Hersteller: Neben VW Golf, Seat Leon, Opel Adam, Renault Clio und Skoda Rapid gibt es deshalb noch viele weitere Premieren in den Volumensegmenten: Toyota zeigt den neuen Auris und bietet den japanischen Golf-Gegner erstmals auch als Kombi an. Hyundai und Kia schicken den i30 und den Cee'd als etwas sportlicher gezeichnete Dreitürer ins Rennen. Dacia erneuert seine billigen Bestseller Sandero und Logan und bei Ford dreht sich alles um den aufgefrischten Fiesta und den Mondeo, der allerdings erst Ende nächsten Jahres in den Handel kommt.

Sogar Premiumhersteller wie BMW und Porsche setzen auf Vernunftsautos. Das Münchner Unternehmen zeigt die seriennahe Studie des Active Tourer, die binnen Jahresfrist nicht nur zum ersten Van der Marke reifen soll, sondern auch als erster BMW mit Frontantrieb und Dreizylindermotor fahren wird, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. Und nachdem Porsche mit dem viertürigen Coupé Panamera bereits mit vielen markentypischen Tugenden gebrochen hat, präsentieren die Schwaben ihr Flaggschiff in Paris nun auch noch als Kombi.

Porsches Modellkonzept mit großem Kofferraum heißt Sport Turismo. Diese Karosserievariante des Panamera und auch der Plug-in-Hybridantrieb mit 306 kW/416 PS Systemleistung unter dem elegant geformten Blech sind nach Informationen aus Unternehmenskreisen für die nächsten Jahre fest eingeplant.

Die SUVs schrumpfen ebenfalls zunehmend zu Vernunftsautos: Am Messestand von Chevrolet gibt der kompakte und eng mit dem Opel Mokka verwandte Trax seinen Einstand. Ford zeigt zum ersten Mal in Europa den EcoSport auf Basis des Fiesta. Peugeot bockt den 208 zum kleinen Crossover 2008 auf. Und auch Audi entdeckt seine Liebe zum kleinen SUV: Die Studie Crosslane ist noch einmal 15 Zentimeter kürzer als der Audi Q3 und gibt einen Ausblick darauf, wie sich die Bayern einen Q2 vorstellen könnten, sagt Pressesprecher Josef Schlossmacher.

Der Schadstoffausstoß ist zwar weiter ein wichtiges, aber nicht mehr das bestimmende Thema. Auf dem Pariser Salon gibt es nur wenige visionäre Öko-Autos zu sehen. Dort überwiegt klar der Anteil der Spritsparmodelle mit einer gewissen Bodenhaftung, wie Marktforscher Nick Margetts von Jato Dynamics beobachtet hat. Denn diese Autos werden schon bald bei den Händlern stehen.

Zu den grün gefärbten Alltagswagen auf der Messe zählen die Mercedes B-Klasse mit Erdgas- und Elektroantrieb, das in wenigen Wochen serienreife Batterieauto Renault Zoe und der VW Golf Blue Motion, für den die Wolfsburger einen Normverbrauch von 3,2 Litern Diesel (CO2-Ausstoß: 85 g/km) ausweisen. Ab nächstem Sommer wird es den besonders sparsamen Golf zu kaufen geben, verspricht VW.

Ganz ohne leistungsstarke Studien und teure Traumwagen geht es auf einer wichtigen Automesse wie dem Pariser Salon natürlich nicht. Die kommen von den üblichen Verdächtigen: So hat Jaguar zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder einen zweisitzigen Sportwagen aufgelegt und bringt für Preise ab 73 400 Euro den F-Type an den Start. Wer es schneller mag und das nötige Geld auf der hohen Kante hat, den lockt McLaren mit der Aussicht auf den neuen Supersportwagen P1.

20 Jahre nach dem Debüt des legendären McLaren F1 könnte der P1 seinen Vorgänger bald in den Schatten stellen: Mit angeblich knapp 721/980 PS und einem Hybridsystem aus der Formel-1 soll er 380 km/h erreichen, heißt es auf dem Messestand. Und so exorbitant wie diese Fahrleistungen ist auch der Preis, über den gemunkelt wird: 1,5 Millionen Euro. Marktforscher Margetts hält das nicht für ganz unwahrscheinlich: "Für so ein Auto können sie jeden Preis aufrufen, denn in diesen Regionen kennt man keine Krise."

Alle News vom: 28. September 2012 Zur Übersicht: Auto

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