Komfort Top, Sicherheit Flop
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Nur das französische Baguette knautschte damals kontrolliert und blieb praktisch unbeschädigt. Das sollte heißen: Die sichersten Autos kommen vom französischen Hersteller Renault. Damals konnte die Marke stolz sein auf eine beeindruckende Zahl von Modellen, die im EuroNCAP-Crashtest fünf Sterne erhielten. Und nun durchfährt uns gleich beim ersten Blick in die Preisliste des neuen Twingo ein Schreck: ESP ist bis auf die Topversion TCe 100 Gordini in allen Varianten aufpreispflichtig. Kein gutes Omen für unseren Test des "Twingo 2 Phase 2", wie das facegeliftete Modell bei Renault heißt.
Bestseller seit 1993
Der erste Twingo kam 1993 auf den Markt. Er erwarb sich mit seinem Kulleraugen-Design und dem praktischen Rolldach rasch Sympathien. 2007 folgte die zweite Generation und enttäuschte: Das Auto hatte seinen Charme weitgehend verloren, es gab nun eher das typische Kleinwagen-Einheitsdesign und kein Rolldach mehr. Nun startet am 13. Januar 2012 das Faceliftmodell der zweiten Generation - mit völlig neuem Design, das wieder an die erste Generation anknüpfen soll. "A lot more cheeky" soll das Modell geworden sein, also "viel frecher", wie Renaults Chefdesigner Laurens van den Acker sagt. Auffällig sind vor allem die riesigen Nebelscheinwerfer, die wohl an die rundlichen Scheinwerfer des Twingo 1 erinnern sollen. Außerdem gibt es ein Faltschiebedach, das nun allerdings elektrisch bedient wird.
Zu Anfang drei Motoren
Unter die Haube kommt nur Bekanntes. 90 Prozent der Verkäufe in Deutschland macht der 75-PS-Basisbenziner aus, ein Vierzylinder mit 1,2 Liter Hubraum. Daneben gibt es einen 102 PS starken Turbobenziner mit dem gleichen Hubraum sowie einen 1,5-Liter-Diesel mit 86 PS. Im März kommt noch ein Gordini RS hinzu, der ebenfalls wieder den vom Vorgänger bekannten 1,6-Liter-Benziner mit 133 PS erhält. Alle Motoren werden mit einer Fünfgang-Schaltung kombiniert, nur den Basisbenziner gibt es optional auch mit automatisierter Quickshift-Schaltung.
Sparsamer Diesel
Wir bekamen nicht das Volumenmodell, sondern den Diesel und den Gordini zum Testen. Der 1,5-Liter-Diesel mit 86 PS bietet ein üppiges Drehmoment von 200 Newtonmeter, die das Auto ab 1.750 U/min schwungvoll nach vorne bringen. Neben dem guten Durchzug aus dem Drehzahlkeller heraus gehört der niedrige Spritverbrauch von 3,4 Liter je 100 Kilometer zu den Hauptvorzügen des Selbstzünders. Damit liegt das Auto auch im Konkurrenzvergleich gut: Ein Fiat 500 1.3 JTD mit 75 PS benötigt 3,9 Liter, der Ford Ka 1.3 TDCi mit der gleichen Leistung sogar 4,1 Liter. Die Selbstzünderversion ist jedoch erst ab 15.500 Euro zu haben. Bisher gab es den günstigsten Diesel-Twingo schon ab knapp 12.000 Euro. Dies war jedoch eine 75-PS-Version des Diesels mit Basisausstattung, die beim neuen Twingo zunächst nicht angeboten wird. Den 86-PS-Diesel aber gibt es nur in der hochwertigen Version Dynamique.
Gordini-Sportler
Ebenfalls viel Kraft besitzt der TCe 100 mit dem 102 PS starken Turbobenziner. Hier stehen zwar nur 155 Newtonmeter parat, aber auch hiermit ist man gut motorisiert. Der Tempo-100-Sprint dauert nur 9,8 Sekunden statt 11,2 Sekunden wie beim Selbstzünder. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei beiden Autos mit 185 km/h dieselbe. Der Verbrauch liegt bei 5,7 Liter. Hier liegt der Twingo nicht ganz so gut im Vergleich: Der Fiat 500 mit 100 PS verbraucht mit 5,6 Liter minimal weniger, der Opel Agila 1.2 mit 94 PS verbrennt 5,1 Liter. Der Preis des Twingo TCe in der einzig verfügbaren Gordini-Ausstattung liegt bei 14.200 Euro.
Eher komfortables Fahrwerk
Was das Fahrwerk angeht, so ist der Twingo wie bisher schon eher auf der komfortablen Seite zu Hause. Das ist in diesem Fall nichts Ehrenrühriges, denn gefährlich weich fährt sich das Auto in Kurven deshalb nicht. Stabilisatoren vorne und hinten sorgen beim Twingo für eine aufrechte Haltung in der Biege. Der Innenraum wurde aufgehübscht, ist aber immer noch leicht als Twingo-Interieur erkennbar. Wie bisher schon ist der Tacho digital ausgeführt und steckt unter einer Haube in der Mitte des Armaturenbretts. Das ist etwas ungewohnt, aber nichts Schlimmes: Da der Twingo ein kleines Auto ist, braucht man als Fahrer den Blick nicht weit nach rechts schweifen zu lassen. Ansonsten regiert im Twingo das klassenübliche Plastik. Die Sitze haben eine etwas kurze Beinauflage und man sitzt recht hoch.
Beeindruckender Sitzkomfort hinten
Anders als der im März 2012 startende, neue Fiat Panda ist der Twingo nach wie vor nur ein Viersitzer. Im Fond findet sich serienmäßig eine ungeteilte, fest montierte Rückbank, doch schon ab der zweitgünstigsten Version werden zwei Einzelsitze im Fond eingebaut, die sich um 22 Zentimeter längs verschieben lassen. Wir erprobten den Sitzkomfort hinten und konnten feststellen: Die Beinfreiheit in der hintersten Sitzposition ist hervorragend. Vor unseren Knien bleiben etwa sechs Zentimeter frei, wenn wir uns hinter den auf unsere Maße eingestellten Fahrersitz begeben - in typischen Kleinwagen wie dem VW Polo, also eine Klasse höher, ist es meist nur ein Zentimeter. Die Kopffreiheit ist ausreichend, und das sogar, wenn das Auto über ein Glasschiebedach verfügt, was die Kopffreiheit meist um ein paar Zentimeter verschlechtert. Hier haben wir aufrecht Platz, auch wenn wir mit etwas Recken und Strecken mit dem Kopf bis an die Decke reichen.
Viel Kofferraum
Das Kofferraumvolumen hängt von der Sitzposition ab. Werden beide Rücksitze ganz nach vorn gerückt, bleiben 285 Liter, sonst nur 165 Liter. Die Rücksitze lassen sich nach vorne wickeln, das heißt, die Sitze werden nach dem Umklappen der Lehnen in die Senkrechte bewegt. Danach bietet der Twingo 951 Liter Volumen. Zum Vergleich: Ein Fiat 500 hat nur 185 bis 610 Liter Platz, der neue Panda je nach Position der Rücksitze 225 bis 260 Liter und maximal 870 Liter. Der neue VW Up allerdings liegt mit 251 bis 951 Liter ähnlich gut wie der Twingo, hier ist jedoch der Beinraum im Fond wesentlich knapper. Wie den Up gibt es den Twingo zumindest derzeit ausschließlich als Dreitürer.
Viel Komfort, wenig Sicherheit
Der Einstiegspreis für den Twingo liegt nach wie vor bei 9.990 Euro - mit 75-PS-Benziner und Expression-Ausstattung. Die ebenso starke Version des VW Up bekommt man für 10.585 Euro. Hier sind ESP sowie Front- und kombinierte Seiten-Kopfairbags Serie, dafür gibt es kaum Komfortelemente an Bord. Umgekehrt ist es bei Renaults Grundversion Expression: viel Komfort, aber wenig Sicherheit. Der Twingo besitzt in der Basisvariante Front- und Seitenairbags, aber Kopfairbags kosten Aufpreis. Dafür sind Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber vorne, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und sogar ein Tempomat Serie. Das ESP für 300 Euro sollte man aus Sicherheitsgründen unbedingt dazubestellen, und zwar selbst wenn man sich als vorsichtigen Stadt-Fahrer einschätzt. Denn auch in der City kann es passieren, dass sich bei Nässe eine Kurve unerwartet zuzieht, und man ins Schleudern kommt.
Super Einführungs-Deal
Wer vom 1. bis 31. Januar 2012 bestellt, bekommt die Twingo-Grundversion sogar für 8.990 Euro und zusätzlich noch CD-Radio und Klimaanlage eingebaut, die normalerweise 1.290 Euro Aufpreis kosten. So summiert sich der Frühbucherrabatt auf knapp 2.300 Euro - das ist üppig.
3 Meinungen zu "Der Besteller Twingo im Test"
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airliner
Mittwoch, 21.12.2011, 15:32 Uhr Du verstehst mich etwas falsch, habe ich den Verdacht. Mir geht es darum, dass sich zu viele auf ihre Helferlein verlassen und damit teilweise wohlwissend die Grenzen der Fahrphysik überschreiten (Thema Geschwindigkeit in Kurven und solche Späße) in dem Glauben, dass das ESP alles fein wegregelt. Das ABS ist hingegen eine sehr gute Sache, da es in der Regel nur dann zum Einsatz kommt, wenn ich als Fahrer die Situation nich provoziert habe (Bsp.: Wild auf der Straße, da kann ich noch so vorsichtig sein). -
Ophidian000
Mittwoch, 21.12.2011, 13:55 Uhr @ airliner Warum heutzutage jedes Auto ESP haben sollte. Ganz einfach. Ein Fahrsicherheitstraining ist gut. Habe es selber Mitgemacht, nur wann kommt man in einer Situation wo man das Anwenden muss. Vieleicht kommt es mal vor das man es Anwenden muss. Aber das ist so selten das man trotz Fahrsicherheitstraining falsch Reagiert. Außer das Training ist gerade mal eine Woche her. Die kleinen Elektronischen helferlein sollen den Fahrer Unterstützen. Oder Verzichtest du auch auf das ABS weil ein guter Autofahrer auch mit Stotterbremse einem Hinderniss Ausweichen kann. -
airliner
Mittwoch, 21.12.2011, 13:06 Uhr Warum muss heutzutage jedes Fahrzeug ESP haben? Vielleicht sollte man lieber in ein Fahrsicherheitstraining investieren, anstatt sich auf die elektronischen Helferlein zu verlassen und das als Freischein zur Straßenjagd anzusehen? Habe selbst viele viele Kilometer mit Autos ohne ESP gefahren und es war gut. Nur so sieht man die realen Grenzen der Fahrphysik und nicht erst, wenn man schon drei mal gegen einen Baum geflogen wäre. Und bei zwei Trolleys im Kofferraum von "viel Platz" zu sprechen ist doch wohl ein Witz oder? Sicher, es ist ein Kleinwagen und kein Kombi, trotzdem habe ich im Micra mehr reinbekommen. im Twingo bekommt man ja nicht einmal einen Kasten Bier unter, geschweige denn eine normale Einkaufskiste, wenn hinten einer drin sitzt.
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