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22.08.2012, 11:50 Uhr

Mercedes GL500: Luxus-Offroader für amerikanische Momente

Berlin (dpa-infocom) – Groß, schwer, durstig: Der Mercedes GL500 stammt zwar von einem deutschen Hersteller, ist aber trotzdem ein durch und durch amerikanischer Wagen. Die Parkplatzsuche in der Innenstadt ist damit kein Vergnügen, der Großeinkauf schon.

Downsizing und Leichtbau? Für andere Mercedes-Baureihen mögen das die wichtigsten Entwicklungsziele sein. Nicht aber für den GL. Denn der große Bruder der M-Klasse ist vor allem für Länder wie Amerika gemacht, wo "big" noch immer "beautiful" ist. Groß, schwer und stark setzt der Geländegänger auf Übermaß und Überfluss. Obwohl er komplett auf die USA zugeschnitten ist, wird er auch bei uns angeboten. Im November kommt die zweite Generation des Giganten in den Handel.

Groß wie ein Van, teuer wie eine S-Klasse

Mit 5,12 Meter Länge und 2,5 Tonnen Gewicht bietet der GL fast so viel Platz wie eine Großraumlimousine. Und weil Mercedes weder an Lack und Leder noch an Assistenzsystemen und elektrischen Helfern spart, wird man an Bord umsorgt wie in einer Luxuslimousine. Das hat seinen Preis: Mit mindestens 72 471 Euro ist der GL nur rund 13 000 Euro teurer als die M-Klasse, bis auf wenige Tausender kommt er sogar an die S-Klasse heran. Und die wichtigsten Extras sind noch nicht einmal dabei. Weil Finessen wie Wankausgleich, Offroad-Paket, Nachtsichtsystem oder Online-Navigation extra kosten, sind die Preise selbst beim Basismodell schnell sechsstellig.

Die einzige ökologisch halbwegs vernünftige Motorvariante für die EU-Version ist der V6-Diesel im GL 350 Bluetec. Immerhin braucht er nur 7,4 Liter (CO2-Ausstoß: 192 g/km) und kommt mit einer Tankfüllung rund 1300 Kilometer weit. Aber weil dieser Selbstzünder mit seinen 190 kW/258 PS an dem Koloss aus Glas uns Stahl schwer zu schleppen hat, ist der V8-Benziner die angemessenere Motor-Alternative. 

Fahrkomfort wie eine Luxuslimousine

Der 4,7 Liter große Doppelturbo aus dem 94 605 Euro teuren GL 500 ist keine schlechte Wahl. Mit 320 kW/435 PS und 700 Newtonmetern ist er so antrittsstark, dass selbst das große Gewicht des GL den Vortrieb kaum bremst. Immerhin wuchtet er den Wagen in 5,4 Sekunden auf Tempo 100 und schafft sogar 250 km/h. Dass er dabei 11,3 Liter (CO2-Ausstoß: 262 g/km) verbraucht, verbucht Mercedes als Fortschritt: Das Auto ist nun um bis zu 20 Prozent sparsamer. Denn der GL hat beim Generationswechsel 90 Kilo abgespeckt und ist mit einer elektrischen Servolenkung ausgerüstet. Zudem fährt die optimierte Siebengang-Automatik immer mit Start-Stopp. Wer wohl jetzt noch die erstmals angebotene AMG-Version mit 410 kW/557 PS braucht, die sich Mercedes mit 130 305 Euro bezahlen lässt?

Zwar hat schon der GL 500 tatsächlich den Antritt eines Sportwagens. Aber er fährt so komfortabel wie eine Luxuslimousine. Dank Luftfederung und perfekter Dämmung erahnt man Straßenbeschaffenheit und Akustik draußen eher, als dass man sie wirklich wahrnehmen könnte. So kann man über den Highway cruisen – oder eben die Autobahn. 

In Kurven überraschend handlich

Aber der GL macht nicht nur auf langen Geraden eine gute Figur. Für sein Format schneidet er sogar halbwegs sportlich und überraschend aufrecht durch die Kurven. Im Stadtverkehr und in engen Parkhäusern hilft eine neue 360-Grad-Kamera. Und mit dem optionalen Offroad-Paket geht es jenseits der Straße voran. Trotzdem sieht der GL innen weniger nach Abenteuer-Camp als nach Grand Hotel aus.

Allerdings ist da nicht alles Gold, was glänzt. Weil in der serienmäßigen dritten Reihe noch jemand sitzen muss, geht es auf der Rückbank nicht ganz so opulent zu, wie man es bei über drei Metern Radstand erwarten darf. Dafür ist der Stauraum groß: Schon die 680 Liter bei normaler Bestuhlung sind nicht schlecht. Und als Zweisitzer sticht der GL mit 2300 Litern sogar den Kombi der E-Klasse aus.

Fazit: Für die Lust am Überfluss

Natürlich gibt es gute Gründe für den Mercedes GL - wenn man in den Bergen hinter Los Angeles oder der Wüste vor Las Vegas wohnt, jede Woche eine halbe Football-Mannschaft zum Training fährt und nur einmal im Monat zum Einkaufen fährt. In unseren Breiten dagegen ist der GL so unvernünftig und überflüssig wie ein Supersportwagen - dafür aber genauso faszinierend und zudem viel bequemer.

Datenblatt: Mercedes GL 500
Motor und Antrieb: V8-Benziner mit Doppelturbo
Hubraum: 4663 ccm
Max. Leistung: 320 kW/435 PS bei 5250 U/min
Max. Drehmoment: 700 Nm bei 1800-3500 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: 7-Gang-Automatik

Maße und Gewichte
Länge: 5120 mm
Breite: 1934 mm
Höhe: 1850 mm
Radstand: 3075 mm
Leergewicht: 2445 kg
Zuladung: 805 kg
Kofferraumvolumen: 680-2300 Liter

Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,4 s
Durchschnittsverbrauch: 11,3 Liter/100 km
Reichweite: 880 km
CO2-Emission: 262 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: EU5
Energieeffizienzklasse: E

Kosten
Basispreis der Modellreihe: 72 471 Euro
Grundpreis des GL 500: 94 605 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 398 Euro/Jahr
Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: Sieben Airbags, Allradantrieb, Müdigkeits- und Kollisionswarner
Komfort: Klimaautomatik, schlüsselloses Start-System, Tempomat, elektrische Sitzverstellung, elektrische Heckklappe.
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle News vom: 22. August 2012 Zur Übersicht: Auto

3 Meinungen zu "Luxus-Offroader fürs US-Feeling"

  • ExtremUser
    Mittwoch, 22.08.2012, 17:08 Uhr
    ist doch gut, das es die Karosse von einem deutschen Hersteller gibt und nicht von einem asiatischen , oder?
  • DrHouseHospital
    Mittwoch, 22.08.2012, 15:08 Uhr
    Ich habe früher das G-Modell gefahren, toller Wagen, daher liebe ich diese Offroader. In der heutigen Zeit und im Bezug zu den Verbrauchskosten, jedoch nicht gerade zeitgemäß. Es ist eben ein Nischenfahrzeug für eine auserlesene Kundschaft. Wer Spaß daran hat - warum nicht?!
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