Bullige Schürzen und vier Endrohre
Bereits durch seine feurige Speziallackierung namens "Rosso Corsa" ist unser Testwagen ebenso wenig zu übersehen wie ein richtiger Ferrari im Kleinstadtverkehr. Alternativ sind ein Gelb namens "Giallo Modena", ein tiefes Blau mit der Bezeichnung "Abu Dhabi Blue" und ein "Grigio Titanio" genanntes Grau bestellbar, aber Rot passt nun mal am besten zu einem Sportboliden. Das sehen die Käufer des Abarth 695 Tributo Ferrari ganz genauso, denn von der auf 1.695 Autos limitierten Auflage wurden 1.199 in Rot ausgeliefert. Die bulligen Schürzen an Front und Heck stammen vom Abarth 500 und wurden nicht geändert. Dafür sind die wabenvergitterten Lufteinlässe vorn in Grau gefasst, die Außenspiegelkappen bestehen aus Karbon und das Diffusor-Schürzenunterteil ist dunkel gehalten. Eine Plakette am hinteren Kotflügel gibt den Wagen als "695" zu erkennen. Noch bemerkenswerter sind die Endrohre der Abgasanlage, von denen je zwei von rechts und links grüßen. Das ist ungewöhnlich für einen Kleinstwagen.
Karbon, Leder und zupackende Sitze
Der Innenraum ist vollgepackt mit allem, was das Regal für sportliches Zubehör hergibt. Eine Besonderheit sind die Sport-Schalensitze "Abarth by Sabelt", die Fahrer und Beifahrer nahezu einsaugen und mehr als ausreichenden Halt geben. Allerdings sitzt man hoch, sodass das Sportwagengefühl zumindest in diesem Punkt merklich leidet. Wohin der Blick auch fällt, meist trifft er auf Karbon. Das Kohlefaser-Material wurde an Armaturentafel, Mittelkonsole und den Rückenteilen der Sitze großzügig eingesetzt. Ein Hingucker ist auch das Blendschutzdach über dem großen Zentralinstrument, das mit rot vernähtem Leder bezogen ist. Schaltwipppen hinter dem Lenkrad und eine Ladedruckanzeige verraten, dass der Ausritt mit dem Kurzen wohl mächtig viel Spaß macht.
1,4-Liter-Turbo mit 180 PS
Als starkes Herz wurde dem Sondermodell ein 1,4-Liter-Vierzylinder eingepflanzt. Der Turbo-Otto stammt aus dem 135 PS starken Abarth 500, powert aber im Tributo Ferrari mit den erwähnten 180 PS. Dank der "Record-Monza"-Sportabgasanlage hört man schon nach dem Starten, dass mangelndes Selbstbewusstsein wohl kein Kritikpunkt sein wird. Brummig und dezent brabbelnd wartet die Maschine im Leerlauf auf ihren Einsatz. Los gehts, indem man auf einer Platte anstelle des Schalthebels einen Knopf drückt und damit das Vorwärtsprogramm des automatisierten Fünfgang-Schaltgetriebes aktiviert. Mit kernig-bassigem Sound aus Richtung Auspuff dreht die Maschine hoch und zieht den Kurzen vehement nach vorn. "Ankommen!" heißt die Devise und das in möglichst kurzer Zeit. Vollgas-Sprints vermitteln ein herrliches Gefühl, weil der Abarth heftig abzischt. Dabei kann man mit den Fingern der rechten Hand die Gänge zack-zack am Lenkradpaddle hochschalten, aus Richtung Auspuff wird dieses Tun mit einem kräftigen Knall quittiert. Im Automatikmodus erledigt das Getriebe leider etwas träge und mit einer Gedenksekunde seine Arbeit.
Zwischengas beim Runterschalten
Beim Runterschalten wird automatisch Zwischengas gegeben, begleitet von einem freudigen Aufheulen des Motors. Kurven nimmt der Kleine dank tiefer gelegtem Koni-Sportfahrwerk rasend schnell. Der Unterbau ist richtig hart abgestimmt, Querrillen schlagen gekonnt durch, der Komfort bleibt dabei allerdings fühlbar auf der Strecke. Am Lenkrad mit dickem Kranz lässt sich der rasante Italiener zielsicher dirigieren, dennoch dürfte die Steuerung gern weniger leichtgängig sein. Kein Kompromisse gibt es bei den Stoppern: Die Brembo-Anlage krallt sich im Notfall regelrecht in den Asphalt. In puncto Preis und Verfügbarkeit steht der Tributo Ferrari seinem großen Vorbild in nichts nach: Alle Exemplare wurden laut Abarth-Sprecher Florian Büngener trotz des mehr als saftigen Komplett-Preises von 42.007 Euro verkauft, davon 140 nach Deutschland. Ein Händler aus München hat sich jedoch die allerletzten 25 Fahrzeuge gesichert - davon waren zum Redaktionsschluss noch 17 verfügbar.
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