Verkehrspsychologe sieht keine Nutzen im Blitzen
In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen sowie Holland wurde 24 Stunden lang geblitzt. Was halten Sie von dem Blitzmarathon?
K.-F. Voss: "Die Aktion ist ein ehrenwerter Versuch, das Thema Verkehrssicherheit zu beleuchten. Ich finde es gut, dass dadurch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wird, dass es an vielen Stellen Geschwindigkeitsüberschreitungen gibt. Ich zweifle jedoch daran, dass diese Kontrollen die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen."
Wie begründen Sie Ihre Zweifel?
K.-F. Voss: "Es sind mir keine Zahlen eines Innenministeriums bekannt, die belegen, dass solche Großaktionen im Besonderen oder Geschwindigkeitskontrollen im Allgemeinen wirksam sind."
Was ergeben Ihre wissenschaftlichen Forschungen?
K.-F. Voss: "Ich selber habe Daten erhoben zwischen 1995 und 2005, die meine Zweifel nicht ausgeräumt haben. Ich habe die Daten der Unfälle mit Getöteten und mit Schwerverletzten zwischen den Ländern Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern verglichen. Nur Bayern hatte in dieser Zeit systematisch Abstandskontrollen durchgeführt und hatte keine niedrigere Unfallrate als die anderen Länder. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass solche Maßnahmen der Fremdkontrolle für sich alleine nicht wirksam sind."
Was könnte die Polizei machen aus den Daten, die sie während des Blitzmarathons erhebt?
K.-F. Voss: "Sie könnte die Anzahl der Tempoverstöße in Bezug auf die Anzahl der vorbeifahrenden Fahrzeuge ermitteln, eine Trefferrate daraus ableiten und so herausfinden, an welchen Stellen Tempolimits eingehalten werden oder nicht. Diese Daten müssten dann in Beziehung zu der Straßen- und Verkehrslage gesetzt werden, um zu verstehen, wie die Wirkung von Kontrollen erfolgt und verbessert werden kann. Das wird aber meines Wissens nicht getan. Die Polizei zieht keine Verkehrsdaten heran, um die Unfallrate zu ermitteln. Das kann ich nicht verstehen. Die Innenministerien arbeiten offenbar vorwissenschaftlich."
Wie erklären Sie sich den Hang zur Raserei?
K.-F. Voss: "Die Gründe liegen auch in der Person des betreffenden Rasers. Es geht um Gefühle. Die Raser tun vermeintlich alles dafür, um schneller zu sein. Diese Fahrer bauen Stress ab, wenn sie das Gefühl haben, besonders schnell voranzukommen. Das Erlebnis der Gefahr spielt in so einer Situation eine geringere Rolle. Der Fahrer blendet aus, dass das Vorankommen durch einen Unfall enorm verzögert werden kann und der Zeitgewinn äußerst gering ist."
Steht also die Straßenverkehrsordnung, deren Grundregel "ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht" ist, im unversöhnlichen Widerspruch zum Verhalten des Menschen?
K.-F. Voss: "Es geht nicht allen Leuten darum, sich 40 Jahre lang sicher im Straßenverkehr zu bewegen, sondern an einem bestimmten Tag ein bestimmtes Ziel besonders schnell zu erreichen. So ein Verhalten widerspricht dem Sinn der Straßenverkehrsordnung. Der Übergang von der Fremd- zur Selbstkontrolle würde die Sicherheit im Straßenverkehr erheblich erhöhen. Die Akzeptanz dieser Ordnung ist eine Kulturleistung. In meiner verkehrspsychologischen Praxis orientiere ich meine Klienten auf ihre Zukunft. Gerade junge Menschen können sich ihre Zukunft verbauen, wenn sie sich nicht an die Straßenverkehrsordnung halten."
397 Meinungen zu "Zweifel am "Blitz-Marathon""
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tartufo
Sonntag, 28.10.2012, 09:12 Uhr @gujupa Zitat: === Außerdem stehen die Blitzer immer dort, wo am meisten abgezockt werden kann und nicht da wo es nötig wäre zu blitzen. === Mit andereren Worten gesagt: Wer weiß, daß eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit erlaubt ist und diese wissentlich überschreitet, macht alles richtig. Ich wusste nicht, daß es solche dummen Menschen gibt.... -
Paxino
Freitag, 26.10.2012, 11:35 Uhr Zitat: "Wenn ich ständig auf mein Tacho achten muß damit ich nicht doch 5-6 km/h schneller bin, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, das man Fußgänger, Strassenschilder übersieht" Leute wie Du dürften gar nicht autofahren -
Fafner
Freitag, 26.10.2012, 11:14 Uhr Was ist der Unterschied zwischen einer Autoschlange und einer echten Schlange? Bei der Autoschlange ist das Arschloch immer vorne! -
Sam1998
Freitag, 26.10.2012, 09:56 Uhr Klar hat das keinen Nutzen ist einfach nur Statistik-Scheisse... Dort wo Fz-führer wirklich rasen wird sich eh nicht konsequent aufgestellt, da kaum dauerhaft Personal vorhanden ist, noch die notwendige Ausrüstung.. An der Polizei wird leider gespart was das Zeug hält und einen "Blitzertag" zu veranstalten hat den Nutzen, dass am Ende des Jahres die "Zahlen" stimmen.. -
GangstaRapper
Freitag, 26.10.2012, 09:01 Uhr Ich, als aktiver Teilnehmer am Blitz-Marathon bedanke mich hier bei allen Fahrer von A-Klassen und ähnlichen Drecksgurken. Durch euer aggressives Schleichen konnte ich nicht mit 200 über die Landstrasse bummeln und damit nicht in eine angekündigte Radarfalle geraten. An dieser Stelle ein herzliches Danke Schön! Seid weiter frustiert über euer Leben, manchmal helft ihr auch anderen Menschen damit .
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