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20.11.2012, 10:17 Uhr

Alptraum Geisterfahrer

in Kooperation mitAuto-News

Am Morgen des 18. November 2012 kam es zu einem schweren Geisterfahrer-Unfall. Auf der A5 kamen bei Offenburg laut Polizeibericht insgesamt sechs Menschen ums Leben. Unfallverursacher war ein 20-jähriger Mann aus dem Raum Offenburg. Er krachte frontal in einen mit fünf Personen besetzten Minivan. Die Zahl der getöteten Menschen durch Geisterfahrer steigt damit alleine in Oktober und November 2012 auf 18 Personen. Immer mehr wird die Frage laut, wie man das Problem in den Griff bekommen kann.

Bis zu 2.800 Falschfahrer jährlich

Laut dem Bundesverkehrsministerium gibt es jedes Jahr rund 1.700 Meldungen über Geisterfahrer, der Automobilclub ADAC spricht von bis zu 2.800 Falschfahrern. Zum Glück bleibt es in den meisten Fällen beim Schock für die Beteiligten, wenn ihnen auf der Autobahn ein Fahrzeug entgegenkommt. Allerdings geht es nicht immer glimpflich aus. Laut ADAC werden drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen von Falschfahrern verursacht.

Pilotprojekt mit Warntafeln

Auf Teilen der Bundesautobahnen drei, acht und 94 läuft derzeit ein Pilotprojekt zur Vermeidung von Falschfahrten. Neongelbe Tafeln sollen vor dem Befahren der Autobahn entgegen der Fahrtrichtung warnen. In Österreich gibt es solche Schilder schon seit mehreren Jahren. Das Verkehrsministerium teilte auf Nachfrage mit, dass Ende 2012 erste Ergebnisse dieses Projekts vorliegen sollen.

Krallenlösung einstimmig abgelehnt

Vereinzelt werden auch immer wieder Stimmen laut, die den Einsatz von fest in die Fahrbahn eingelassenen Krallen fordern. Diese sind nur in eine Richtung problemlos überfahrbar. Bei einem Überrollen entgegen der Fahrtrichtung werden die Reifen beschädigt. Allerdings sind sich ADAC, Bundesverkehrsministerium und Polizeigewerkschaft einig, dass dieses Vorhaben nicht umgesetzt werden kann. Zum einen wäre eine Montage an den über 2.000 Autobahnauf- und -ausfahrten in Deutschland viel zu teuer, zum anderen hält es vorsätzliche Falschfahrer, die zum Beispiel in Suizidabsicht handeln, nicht von ihrem Vorhaben ab. Zudem könnte das beschädigte Fahrzeug die Fahrbahn blockieren und so ebenfalls zu einem Sicherheitsrisiko werden.

Warnung durch das Auto

Ein weiterer Vorschlag, wie zumindest versehentliche Falschfahrten vermieden werden könnten, bezieht sich auf die Technik in modernen Autos und wird unter anderem vom Auto Club Europa (ACE) gefordert. Ein Radar, wie es zum Beispiel bei Assistenzsystemen zum Einsatz kommt, könnte ein Befahren der Autobahn entgegen der Fahrtrichtung erkennen und über einen Warnton Alarm schlagen. In Japan setzt Toyota bereits seit 2011 ein ähnliches System ein. BMW stellte 2007 ein Falschfahrer-Warnsystem vor, in die Serienfertigung kam es aber bisher nicht.

Genaue Studien fehlen noch

Genaue Studien, auch darüber wie es zu Falschfahrten kommt, gibt es nicht, unter anderem weil daraus resultierende Unfälle nicht explizit in der Unfallstatistik erwähnt werden. Dies muss sich ändern, fordert der ADAC. Laut Bundesverkehrsministerium gibt es zwar einen Punkt bei den Autobahnunfällen, "Zusammenstoß mit einem Fahrzeug, das entgegenkommt", allerdings zählen hierzu auch Unfälle auf Park- und Rastanlagen sowie in Baustellen ohne Leitplanke. Derzeit führt die Bundesanstalt für Straßenwesen eine Untersuchung zu Falschfahrten auf Autobahnen durch. In dieser soll der Frage nachgegangen werden, wie es zu Falschfahrmeldungen kommt und wie viele Geisterfahrten tatsächlich stattfinden. Außerdem sollen die Ursachen und Begleitumstände beleuchtet werden. Die Ergebnisse stehen allerdings noch aus.

Richtiges Verhalten bei Warnmeldung

Wenn vor einem Falschfahrer auf der Strecke gewarnt wird, ist richtiges Verhalten lebenswichtig. Zunächst sollte auf die rechte Spur gewechselt werden, gleichzeitig gilt es, die Geschwindigkeit zu verringern und den Abstand zum Vorderfahrzeug erhöhen. Zusätzlich sollte der Seitenstreifen beobachtet werden, um gegebenenfalls auf diesen ausweichen zu können.

Alle News vom: 20. November 2012 Zur Übersicht: Auto
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