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08.01.2013, 12:05 Uhr

Begrenzter Spareffekt - Kosten und Nutzen von Hybridautos

Stuttgart (dpa/tmn) - Hybridantriebe können den Spritverbrauch senken. Eine spürbare Entlastung fürs Portemonnaie bringen Autos mit elektrisch unterstütztem Verbrennungsmotor meist aber nicht. Denn die Rechnung darf nicht ohne die Anschaffungskosten gemacht werden.

Hybridfahrzeuge gelten als Saubermänner. Ihr Vorteil: Sie verbrauchen weniger Kraftstoff und verringern damit auch den Ausstoß des Treibhausgases CO2. Ihr Nachteil: Sie sind in der Anschaffung meist erheblich teurer. Wer sich angesichts der hohen Preise an den Zapfsäulen überlegt, beim nächsten Autokauf zu einem Hybridmodell zu wechseln, muss diese Vor- und Nachteile sorgsam abwägen. Ob ein Hybridauto in finanzieller Hinsicht überhaupt Vorteile bietet, hängt nicht zuletzt vom Einsatzprofil und Fahrverhalten des Nutzers ab.

Hans-Jürgen Mäurer, Entwicklungschef der Prüforganisation Dekra, taxiert die Mehrkosten bei der Anschaffung gegenüber einem entsprechenden konventionellen Modell des gleichen Herstellers auf rund 30 Prozent und mehr. So bietet zum Beispiel Toyota den Kleinwagen Yaris mit Benzinmotor für knapp 12 000 Euro an, als Hybrid kostet er rund 17 000 Euro. Beim Peugeot 3008 schlägt die Hybridvariante mit Dieselverbrenner mit gut 34 000 Euro zu Buche, ein herkömmliches Modell bekommt ein Käufer für gut 22 000 Euro. Im Großen und Ganzen sei der Aufpreis wegen der anspruchsvolleren Technik und der meist etwas umfangreicheren Grundausstattung aber gerechtfertigt, sagt Mäurer.

Um die Frage nach dem Spritsparpotenzial eines Hybridantriebs zu beantworten, muss man sich zunächst einmal dessen Wirkungsprinzip vor Augen führen. Einfach gesagt, kombiniert ein Hybridauto einen Verbrennungsmotor - zumeist einen Benziner - mit einem Elektromotor, wie Andrea Gärtner vom ADAC erläutert. Dabei wird die überschüssige Leistung des Benzinmotors in elektrische Energie umgewandelt und in einer Batterie gespeichert. Bei Bedarf speist die wiederum den Elektromotor.

Außerdem kann laut Gärtner beim Bremsen und Bergabfahren Energie zurückgewonnen, in der Batterie gespeichert und für den Antrieb genutzt werden. Bei abnehmendem Ladezustand der Batterie arbeitet der Elektromotor als Generator und lädt sie während der Fahrt wieder auf. Anders als bei einem "reinen" Elektroauto muss die Batterie also nicht extern aufgeladen werden.

"Hybrid-Autos können vor allem im Großstadtverkehr durch die Rückgewinnung der Bremsenergie ihre Stärke ausspielen", erklärt der Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. "Wer dagegen häufig auf der Autobahn fährt und konstant Tempo 120 hält, dem bringt ein Hybridauto nichts." In diesem Fall sei diese Antriebsart sogar schlechter, da ein Hybrid wegen der Batterie und des Elektromotors schwerer sei.

Ist ein Fahrer oft auf Landstraßen in den Mittelgebirgen oder den Alpen unterwegs und muss dabei viele Höhenunterschiede überwinden, bremsen und wieder beschleunigen, kann er nach den Worten Dudenhöffers dagegen von einem Hybridantrieb profitieren. Da der Spritspareffekt eines Hybridautos stark von diesem Einsatzprofil abhänge, könne auch nicht pauschal gesagt werden, ab welcher Laufleistung im Jahr sich ein Hybrid wirtschaftlich lohne.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Dekra-Experte Mäurer. "Hybridantriebe haben ihren großen Vorteil im Stop-and-go-Verkehr und können dort erheblich Kraftstoff einsparen." Unter günstigen Bedingungen könne der Verbrauch um 20 bis 40 Prozent sinken - aber nur bei recht zurückhaltender Fahrweise.

Vor dem Finanzamt bietet ein Hybrid dagegen kaum Sparpotenzial. "Es gibt keine explizit ausgewiesenen steuerlichen Vorteil für Hybridfahrzeuge", sagt Mäurer. "Allerdings ist der vom CO2-Ausstoß abhängige Steueranteil geringer als bei Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb. Dabei handelt es sich jedoch nur um wenige Euro im Jahr."

Unterm Strich bleibt laut dem Dekra-Experten die Erkenntnis, dass die Anschaffung eines Hybridautos "ganz hart kalkuliert leider nur in wenigen Fällen wirtschaftlich sinnvoll ist". Auf der anderen Seite sei es natürlich ein gutes Gefühl, so Mäurer, an der Tankstelle deutlich seltener Gast zu sein. "Wenn man sich auf die reinen Betriebskosten konzentriert, schneidet der Hybrid etwas besser ab."

Hybridantrieb: Kinderkrankheiten sind ausgestanden

Hybridautos sind nach Expertenmeinung in technischer Hinsicht ausgereift. "Die Elektromotoren sind praktisch wartungsfrei und nicht anfällig. Und auch die Batterien sind mittlerweile ausgereift", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen. So habe Marktführer Toyota weltweit inzwischen über vier Millionen Hybridautos verkauft. "Die Technik ist ausgetestet, Kinderkrankheiten gibt es nicht mehr."

Die Annahme, dass mehr Technik im Auto eine größere Anfälligkeit für Reparaturen und höhere Ausgaben für die Wartung bedeute, gilt Dudenhöffer zufolge bei Hybridantrieben nicht. Ein spezifisch höheres Risiko wegen der kombinierten Technik aus Elektro- und Verbrennungsmotor sieht der Experte nicht.

Alle News vom: 8. Januar 2013 Zur Übersicht: Auto

6 Meinungen zu "Hybrid spart nur begrenzt Geld"

  • ng2010
    Donnerstag, 10.01.2013, 10:15 Uhr
    Ja, es ist wohl an der Zeit, die Stimmungsmache gegen die Hybridautos zu beenden. Leider haben die Herren mit Benzin im Blut (insbesondere bei Daimler und BMW) nicht wahrhaben wollen, welches Potential der Hybridantrieb hat. Und selbst die skeptische Überschrift Ihres Beitrags leidet noch unter dem "Not Invented Here (NIH) syndrome" der so tollen deutschen Autobauer. Ruhigblut1 hat völlig recht, wenn er kritisiert, dass der Beitrag unfaire Vergleiche enthält (sowohl bezüglich Verbrauch, Ausstattung und Steuern). Interessierte verweise ich an den Spritmonitor (http://www.spritmonitor.de); dort können die realen Verbrauchswerte der Teilnehmer verglichen werden.
  • Hellmi
    Dienstag, 08.01.2013, 16:46 Uhr
    Der Fahrer wurde ganz vergessen bei der Wirtschaftlichkeit des Hybrideinsatzes. Gibt er viel Gas und muß viel bremsen, so ist ein Hybrid sinnvoller, als bei Jemandem, der die Grünphasen ausnutzt und wenig bremst. Es soll auch Fahrer geben, die bei auf rot schaltender Ampel den Motor ausmachen können, um ihn bei grün wieder starten zu können. Bei beiden steckt die Intelligenz im Fahrer und nicht im Auto, wiegt nichts und kann nicht kaputtgehen. Leider sind viele der "Spritsparsysteme" nicht umweltfreundlich, da ihre Herstellung mehr Energie benötigt als ihr Einspareffekt ausmacht. Sie nutzt mit Sicherheit etwas bei Fahrern, die zu blöd sind, ihren Verstand zu gebrauchen; dem Verkäufer nutzen sie auf jeden Fall.
  • Ruhigblut1
    Dienstag, 08.01.2013, 16:33 Uhr
    "Hans-Jürgen Mäurer, Entwicklungschef der Prüforganisation Dekra, taxiert die Mehrkosten bei der Anschaffung gegenüber einem entsprechenden konventionellen Modell des gleichen Herstellers auf rund 30 Prozent und mehr. So bietet zum Beispiel Toyota den Kleinwagen Yaris mit Benzinmotor für knapp 12 000 Euro an, als Hybrid kostet er rund 17 000 Euro." Für manche "Fachleute" wäre anscheinend noch Unkraut jäten für 1 EUR/Stunde zu anspruchsvoll. Wie kann man denn einen derart unsinnigen Vergleich anstellen und das Einstiegsmodell des Yaris mit nicht mal 1 Liter Hubraum und 68 PS vergleichen mit dem Yaris Hybrid, der wesentlich Leistungsstärker (Systemleistung 100 PS) und besser ausgestattet ist (u.a. 5 Türen, Klimaautomatik, automatisches Getrieb etc.)? "Hybrid-Autos können vor allem im Großstadtverkehr durch die Rückgewinnung der Bremsenergie ihre Stärke ausspielen", erklärt der Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. "Wer dagegen häufig auf der Autobahn fährt und konstant Tempo 120 hält, dem bringt ein Hybridauto nichts." Dummer Unfug! Ein konsequent gemachtes Hybridauto spart ja nicht nur durch das Rekuperieren von Strom, sondern auch dadurch, dass der Motor nach dem Atkinson-Prinzip konstruiert und somit wesentlich sparsamer ist, als ein herkömmliches Fahrzeug. Dies wird dadurch möglich, dass der Hybrid die Drehmomentschwäche des Atkinson-Benziners durch den Elektromotor mehr als ausgleicht. Im Gegenteil: Durch die elektrische Unterstützung an Steigungen spart der Hybrid auch auf der Autobahn. Oder kennen Sie einen Benziner ohne Hybridtechnik, der bei 120 km/h nur wenig mehr als 4l/100km verbraucht (Toyota Prius, realer Wert, kein Bordcomputer)? Angesichts dieser Vorurteile, die von "Fachleuten" verbreitet werden, wundert es einen nicht, dass Hybride in Deutschland kaum verkauft werden.
  • dienase
    Dienstag, 08.01.2013, 16:05 Uhr
    Dieser Beitrag wurde ausgeblendet, weil der User weniger Rechtschreibfehler als die Redaktion gemacht haben tut.
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