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15.01.2013, 14:19 Uhr

ADAC: gelber Engel mit Lackschaden

(cfl) - Kaum hat die ARD ihren neuesten Markencheck ausgestrahlt, gibt es heftige Gegenwehr vom geprüften ADAC. In dem Bericht äußert sich der Sender kritisch zu der großen Macht des Clubs sowie über seine Rolle als Arbeitgeber, die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

In einer Fußgängerzonen-Umfrage wollte die ARD wissen, was die Leute mit dem Kürzel ADAC verbinden: Viele sprechen vom Pannenhelfer, dem Lebensretter oder dem Einsatz für die Autofahrer. Doch bei diesen positiven Kommentaren bleibt der ARD-Regionalsender WDR nicht.

Die Autoren des Markenchecks hinterfragen zwei zentrale Positionen des Autofahrerverbands, der gegen ein Tempolimit auf Autobahnen ist und auch eine Null-Promille-Grenze für Alkohol ablehnt. Eine nach WDR-Angaben repräsentative Umfrage kommt zu anderen Ergebnissen: Demnach sind 53 Prozent der Deutschen für ein Tempolimit (47 Prozent der ADAC-Mitglieder) und 80 Prozent für eine Null-Promille-Grenze (78 Prozent der ADAC-Mitglieder).

Die Behauptung des ADAC, dass er die Interessen seiner Millionen Mitglieder vertritt, sieht auch Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer kritisch: "Der ADAC verfolgt eben seine eigenen Interessen", berichtet er dem WDR. Bei den 18 Millionen Mitgliedern hole man sich Schützenhilfe, "denn die können sich ja gar nicht wehren".

Pannenhilfe und Testergebnisse überzeugen Markenchecker

Das Vertreten der Mitglieder-Interessen ist nicht das einzige Kriterium, das die WDR-Markenchecker für ihre Beurteilung heranziehen. Um die Qualität des Pannendienstes zu überprüfen, begleiten die Autoren für einen ersten Eindruck den gelben Engel Susa Bobke auf ihren Fahrten. Laut ADAC machen die Pannenhelfer in 84 Prozent der Fälle die Autos wieder flott. Im Vergleich zur Konkurrenz ist der ADAC laut WDR spitze. Bei der Qualität des Pannendienstes vergeben die Beurteiler ein sehr gutes "verlässlich".

Wie seriös ist der ADAC als Tester? Kindersitze, Reifen, Badeseen oder Raststätten - der ADAC hat eine breite Palette an Themen, die er durchleuchtet. Dabei sahen die Markenchecker keinen beeinflussenden Zusammenhang zwischen Anzeigenkunden für die Zeitschrift ADAC-Motorwelt und den Testkandidaten, dass also Werbekunden die Prüfergebnisse beeinträchtigten. Außerdem bescheinigte der WDR den Kontrolleuren gute Fachkenntnisse sowie ein großes Ansehen. Urteil: Der ADAC sei als Tester "überzeugend".

WDR: ADAC als Arbeitgeber zweifelhaft

Anders sieht der WDR den ADAC als Arbeitgeber. Die öffentlich-rechtlichen Autoren stellen dem Autoclub bei diesem Kriterium ein schlechtes Zeugnis aus. Die Markenchecker präsentieren unter anderem einen Fall von sexueller Belästigung in Nürnberg. Eine Mitarbeiterin sei von ihrem Chef verbal angegangen worden und habe unbehelligt Fotos von den Hinterteilen seiner Mitarbeiterinnen gemacht. Das sei in Nordbayern kein Einzelfall gewesen, insgesamt 25 Beschwerden gegen den Arbeitgeber habe ein unabhängiger Schlichter entgegengenommen. Doch sei der Abschlussbericht der Ombudsstelle einfach totgeschwiegen worden. Eine echte Aufklärung sei so nicht möglich.

Dagegen wehrt sich der ADAC ausdrücklich. In einer Pressemitteilung stellt der Vorsitzende der ADAC-Geschäftsführung, Karl Obermair, fest: "Der ADAC verurteilt selbstverständlich jede sexuelle Belästigung von Mitarbeitern, ebenso wie die Behinderung der Betriebsratsarbeit oder die Verbreitung eines von Angst bestimmten Klimas unter den Arbeitnehmern."

Um sich in ein besseres Licht als beim ARD-Markencheck zu rücken, verweist der Interessenvertreter auf den Platz 2 als "Top Arbeitgeber Deutschlands", das ihm von der Düsseldorfer Corporate Research Foundation verliehen worden sei. Außerdem gebe es eine durchschnittliche Verweildauer der Mitarbeiter im Unternehmen von 15,7 Jahren.

Es stehen Vorwürfe gegen Rechtfertigung. Das Ansehen der gelben Engel hat aber auf jeden Fall einen Lackschaden abbekommen.

Alle News vom: 15. Januar 2013 Zur Übersicht: Auto

295 Meinungen zu "Gelber Engel mit Lackschaden"

  • supermalruhe
    Montag, 13.05.2013, 11:37 Uhr
    Ich finde die Strategie des ADAC - der übrigens einen Großteil seiner Gelder von der deutschen autoindustrie bekommt - pervers. Da wird Leuten die in anderen Clubs sind, versucht einzureden das sie viel besser seien. Schwachsinn. der ADAC schleppt mich auch nur bis zur nächsten Werkstatt! Und ansonsten bin ich Grundsätzlich für 0,0 Promille und für Tempolimits, denn diese Sinnlose Raserei schadet nicht nur der Umwelt sondern ist auch für die meisten schweren, tödlichen Unfälle verantwortlich. Ich habe noch nie erlebt das in Belgien oder den niederlanden durch die Geschwindigkeitsbegrenzug große Staus gegeben hätte. Da lässt es sich so schön genüßlich dahin gleiten ohne das einer mit seinem Schwanz- oder Gehirnersatz einen gleich drängelt!
  • Kommentator2011
    Sonntag, 12.05.2013, 11:44 Uhr
    Zu dem Thema fällt mir nur eins ein: Wer verdient denn wie sein Geld? Beim ADAC habe ich in über 20 Jahren noch niemals eine Zwangsgebühr bezahlen müssen für etwas, was ich weder will noch brauche oder nutze. Das ist ein entscheidender Unterschied zu ARD, WDR & Co. So schlimm kann der ADAC also nicht sein, wenn Jahr für Jahr Millionen von Mitgliedern freiwillig Geld dafür bezahlen - und dafür auch einen aus ihrer Sicht sehr sinnvollen Gegenwert bekommen. Es wäre interessant, wie viel Geld die öffentlich-rechtlichen Sender auf freiwilliger Basis für das bekämen, was sie so Tag für Tag produzieren. Gerade der WDR hat uns ja kürzlich in Gestalt seines Chefredakteurs Jörg Schönenborn eine Sternstunde des öffentlich-rechtlichen Journalismus beschert, als der Mann sich daran versucht hat, Wladimir Putin zu interviewen. Seitdem lacht die Welt doch nur noch über ihn. Nur zur Erinnerung: Schönenborn war derjenige, der in seiner unerträglichen öffentlich-rechtlichen Arroganz die Zwangsgebühren als "Demokratieabgabe" bezeichnet hat. Dass er nun ausgerechnet von Putin (der ja laut SPD-Schröder bekanntlich ein "lupenreiner Demokrat" ist) vor laufender Kamera abgekanzelt wurde wie ein dummer Schuljunge, der völlig unvorbereitet zum Unterricht gekommen ist, passt da ganz gut ins Bild. Wenn nun aus dieser Ecke "massive Kritik" am ADAC geübt wird, kann ich eigentlich nur darüber lachen.
  • Odyyseus
    Sonntag, 12.05.2013, 10:35 Uhr
    Ich bin seit 1965 Clubmitglied, habe aber noch keine Umfrage unter den Mitgliedern erlebt, was deren Meinung ist. Der Club sagt zwar er verttritt seine Mitglieder, aber eine demokratische Vertretung sieht eigentlich anders aus. Bisher habe ich die Leistungen einmal benötigt! Im Nachhinein ein teurer Spaß. Die Vereinsmitteilung ist vom Inhalt mit einem Wochendreklameblättchen zu vergleichen (50% Werbung). Interessant wäre eine Statistik, wieviel Prozent der Mitglieder die Pannenhilfe (incl. Rücktransport) beanspruchen.
  • schmusig2
    Sonntag, 12.05.2013, 09:07 Uhr
    Also ich bin mit dem Club zufrieden. Wir sind seit dem letzten Jahr insgesamt 4 mal mit mehreren geschäftlich genutzten Fahrzeugen liegen geblieben und vom ADAC anstandslos abgeschleppt worden, von Kündigungsandrohung oder anderen Repressalien keine Rede. Ausserdem hole ich mit dem 3%-igen Tankrabatt bei ADACmobil plus den kompletten Jahresbeitrag wieder herein, habe also die (umfangreichen) Leistungen des Paketes zum Nulltarif. Was will man mehr?
  • ingo45
    Samstag, 11.05.2013, 17:20 Uhr
    Meinungsumfragen vom WDR sind ganz sicher nicht öffentlich rechtlich sondern höchstens Parteiengesteuert und schwarze Schafe gibt es überall (vielleicht waren es ja auch Blümleanhänger) auf jedenfall ist der ADAC vertrauenswürdiger als alle öffentlich Rechtlichen zusammen
  • prohund
    Donnerstag, 17.01.2013, 15:30 Uhr
    Ich frage mich aus welcher Politikerecke dieser "Lackschaden" stammt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Öffentlich Rechtlichen intelligent genug sind, um richtige Recherche zu betreiben, hat bei anderen Projekten auch noch nicht funktioniert... Naja, diesen Quatsch schau ich mir eh nie an.
  • OnkyPlonky
    Mittwoch, 16.01.2013, 12:40 Uhr
    mein gott ist das hier ein ard-mimosengequatsche. endlich mal jemand der sich für "freie fahrt für freie bürger einsetzt" und den autofahrer unterstützt. er wird ja sonst nur gemolken...

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