Survival-Horror, der an den Filmklassiker von 1979 anknüpft.

Die meisten Videospiele zu den erfolgreichen "Alien"-Filmen setzten eher auf Action statt Grusel. Alien: Isolation besinnt sich dagegen auf die Anfänge der Horror-Reihe.

Vor 35 Jahren legte Ridley Scott mit seinem Film "Alien" den Grundstein für die wohl erfolgreichste SF-Horror-Reihe: Seitdem entstanden mehrere Filme, Comics und über 30 Spiele. Zu diesem Erfolg trugen neben dem Monsterdesign des kürzlich verstorbenen Künstlers H. R. Giger vor allem die beklemmende Atmosphäre von Scotts Film und die von Sigourney Weaver verkörperte Hauptfigur Ellen Ripley bei, die den perfekten Gegenpart zum bedrohlichen Außerirdischen bildete.

Spätere Filme wie James Camerons "Aliens", Paul W. S. Andersons "Alien vs. Predator" und Spiele wie "Aliens: Colonial Marines" setzten eher auf Action als auf subtilen Horror - insbesondere die späteren Veröffentlichungen konnten weder die Fans noch die Kritiker vollständig überzeugen. Das für Oktober 2014 angekündigte Spiel Alien: Isolation knüpft gleich in mehrfacher Hinsicht an die Anfänge der Reihe an: In der Rolle von Ellen Ripleys Tochter Amanda bewegt sich der Spieler in diesem Survival-Horror-Titel in der Egoperspektive durch eine Raumstation, deren Design von SF-Filmen der 1970er Jahre inspiriert ist. Wie in Scotts Film ist es nur ein einzelner Xenomorph, der hier über die Besatzung herfällt - und dafür umso bedrohlicher wirkt.

Survival-Horror, der an den Filmklassiker von 1979 anknüpft.

Nachdem die Besatzung des Raumschiffs Nostromo im ersten "Alien"-Film von der außerirdischen Lebensform ausgelöscht wurde, verbrachte die einzige Überlebende Ellen Ripley 60 Jahre im Kälteschlaf, bevor James Cameron sie in seiner Fortsetzung wieder auftauen ließ. "Alien: Isolation" ist in der Zeit dazwischen angesiedelt: Nachdem Amanda Ripley Hinweise darauf erhalten hat, dass ihre Mutter noch am Leben sein könnte, macht sie sich auf den Weg zur Raumstation Sevastopol. Hier befindet sich der Flugschreiber der Nostromo. Bald nach ihrer Ankunft stellt Amanda jedoch fest, dass ein großer Teil der Sevastopol-Besatzung getötet wurde. Ähnlich wie im Film von 1979 ahnen zunächst weder Amanda noch die Überlebenden, mit was für einem Gegner sie es nun zu tun bekommen.

Noch ist Alien: Isolation nicht fertig - das Spiel wurde der Presse bisher nur in einer Vorab-Version gezeigt, bei der jedoch bereits gut zu erkennen ist, worin seine Stärken liegen. Ein großer Teil der Spannung entsteht daraus, dass das Monster sich frei durch die Level bewegt und nicht getötet werden kann. Bei den Menschen, denen Amanda im Laufe des Spiels begegnet, ist häufig nicht klar, ob sie ihr helfen oder ob sie sie in eine Falle locken wollen, um sich selbst zu retten. Auch Luftschleusen oder Roboter können zu einer Gefahr werden. Vereinzelt findet die Heldin auf der Station Waffen oder stellt selbst welche her; es besteht jedoch die Gefahr, das Alien beim Abfeuern auf sich aufmerksam zu machen.

Abgesehen von wenigen geskripteten Sequenzen verlässt sich der Xenomorph auf seine Sinne, wenn er auf der Sevastopol nach neuen Opfern sucht. So ist es - anders als in den meisten Stealth-Spielen - nicht möglich, seine Strategie an festen Bewegungspfaden des Gegners auszurichten. Zudem ist das Alien lernfähig. Durch diese Unberechenbarkeit soll sich nicht nur die Spannung erhöhen, sondern gleichzeitig ein hoher Wiederspielwert ergeben. Statt durch Schockeffekte, die sich in Spielen meist schnell abnutzen, entsteht der Horror bei Alien: Isolation aus der Überlegenheit des Gegners.

Der bereits aus den Filmen und älteren Spielen bekannte Bewegungsmelder gibt auch diesmal wieder Auskunft darüber, wo sich das Alien befindet: Besteht gerade Gefahr, fängt das Gerät an zu piepen. Wenn es dann wieder Ruhe gibt, kann das daran liegen, dass Ripley wieder in Sicherheit ist - vielleicht ist das Monster aber auch nur kurz stehengeblieben.

Gegen einen unbesiegbaren Gegner anzutreten, bedeutet natürlich, dass das Spiel schnell vorbei sein kann. Häufig hat Ripley keine Chance mehr, wenn der Xenomorph sie einmal entdeckt hat. Um die Spieler nicht zu sehr frustrieren und die Alien-Begegnungen gleichzeitig zu Höhepunkten werden zu lassen, sorgt Alien: Isolation dafür, dass es nicht allzu viele davon gibt. Zudem ergeben sich im Laufe der Handlung neue Möglichkeiten, den Gegner abzulenken und sich vor ihm zu verstecken.

Ob Alien: Isolation den hohen Erwartungen gerecht werden kann, wird sich im Oktober zeigen. Fraglich ist vor allem, ob ein Spiel, in dem es im Wesentlichen darum geht, sich auf einer Raumstation vor einem Monster zu verstecken, über viele Stunden hinweg spannend und abwechslungsreich bleiben kann. Sicher ist bis jetzt nur, dass es noch kein anderes Spiel der Reihe und keine der Film-Fortsetzungen geschafft hat, die Stimmung von Ridley Scotts Original so gut wiederzugeben.© IDG