Apples Smartwatch tritt gegen die Android-Konkurrenz an.

Vor einigen Wochen hat Apple seine eigene Smartwatch vorgestellt. Zwar kommt sie erst 2015 auf den Markt, aber wir haben das Gerät trotzdem schon einmal gegen die Android-Konkurrenz antreten lassen.

Macht Apple alles anders?

Nein, denn auch Apple kann das Rad nicht neu erfinden. Auch die Smartwatch aus Cupertino bleibt ein Chronometer, der mit einigen Funktionen aus dem Internetzeitalter aufgewertet wurde. Außerdem steigt das Unternehmen sehr spät in diesen Markt ein: Beinahe zwei Jahre sind vergangen, seit Samsung & Co. erste Modelle veröffentlicht haben. Bislang blieb den intelligenten Uhren der Durchbruch aufgrund eklatanter Probleme (kurze Akkulaufzeit, diskussionswürdiges Design, …) jedoch verwehrt. Möglicherweise ist die Apple Watch genau das Produkt, welches die bestehenden Schwierigkeiten aushebeln kann - und zumindest äußerlich sieht es ganz danach aus, als könnte dieser Fall tatsächlich eintreten.

Uhr bleibt Uhr

Anders als bei vielen anderen Herstellern hat man bei Apple nämlich daran gedacht, dass die meisten Anwender einfach kein "kleines Smartphone" am Handgelenk tragen möchten, sondern nach wie vor eine echte Uhr. Abgerundete Kanten und ein austauschbares Armband lassen den Eindruck einer Uhr mit Zusatzfunktionen entstehen, was Sony und anderen Herstellern bislang kaum gelingen wollte. Weiterhin wird Apple gleich drei unterschiedliche Varianten auf den Markt bringen, was für den Konzern ebenfalls untypisch ist, denn ein hohes Maß an Personalisierung zählte noch nie zu den Stärken des Apfels.

• Apple Watch

Die Standardausgabe in Metall, wahlweise in Silber oder Schwarz erhältlich. Langfristig dürfte Apple von diesem Modell die meisten Einheiten verkaufen.

• Apple Watch Sport

Funktionell ist diese Ausgabe mit der normalen Uhr vergleichbar, allerdings stehen andere Farben zur Auswahl und das Aluminiumgehäuse drückt das Gewicht nach unten. Offensichtlich sollen sich gerade Sportler von dieser Variante angesprochen fühlen.

• Apple Watch Edition

Gold verziert hier das Gehäuse und die Armbänder, welche außerdem in zahlreichen anderen Ausführungen erhältlich sein werden. Wie teuer diese Luxus-Ausgabe der Smartwatch werden wird, hat Apple noch nicht verraten.

Das klingt doch sehr vielfältig!

Ja, theoretisch schon. Praktisch kann die Apple Watch aber fast nichts, was die anderen Hersteller mit ihren Uhren nicht auch bieten - bis auf kleine Details und den typischen Einschalten-und-läuft-Apple-Bonus. Puls- oder Bewegungsmesser sind beispielsweise schön, aber Samsungs Galaxy Gear beherrscht diese Features schon seit mehr als einem Jahr. Der recht kleine Akku der Apple Watch kann ohne Kabel aufgeladen werden, aber die Motorola 360 kann das ebenfalls und sie ist bereits erhältlich. Es fehlen also möglicherweise echte Alleinstellungsmerkmale, um den Käufern die erste Apple Watch wirklich schmackhaft zu machen - wie etwa Apple Pay.

Mit dem Dienst, der über NFC realisiert wird, können Käufer der Uhr zukünftig ohne Geldbeutel oder EC- beziehungsweise Kreditkarte bezahlen. Vorerst wird das aber nur in den USA funktionieren. Wann Apple Pay nach Deutschland kommt, steht noch nicht fest. Ein letztes Ass hat das Unternehmen aber doch noch im Ärmel: die exzellente Bedienung.

Kein Raum für dicke Finger

Wie Apple bereits bei der Vorstellung der Apple Watch eindrucksvoll präsentiert hat, ist der Finger kein geeignetes Eingabemedium für eine Smartwatch. Bei den meisten Menschen ist der Zeigefinger einfach so groß, dass er praktisch die Hälfte des Displays einnimmt. Also holt Apple den bei allen Uhren ohnehin vorhandenen Drehknopf an der Seite - Apple nennt dies die Krone - auch an die Smartwatch. Damit lassen sich Nachrichten nach oben und unten scrollen, das Zoomen in Details auf Karten beispielsweise ist auch möglich, außerdem lassen sich dadurch diverse Einstellungen vornehmen und Apps auswählen - ohne dass der Finger die Sicht auf den Bildschirm blockiert.

Es könnte also tatsächlich sein, dass Apple wieder einmal sehr viele Geräte verkaufen wird, weil es als erstes Unternehmen das Bedienungsproblem löst. Beim Test stellt sich jedenfalls schnell heraus, dass die Apple Watch der Konkurrenz in diesem Bereich haushoch überlegen ist. Die Stärke des Unternehmens, auch komplexe Geräte so zu entwerfen, dass sie sehr einfach bedient werden können, dürfte Apple also trotz des verspäteten Markteintritts eine perfekte Möglichkeit geben, die Konkurrenz vielleicht schon direkt nach der Veröffentlichung zu überholen.

High-Tech zum Premiumpreis

Günstig wird die Apple-Uhr nicht, mindestens 350 US-Dollar wird sie bei der Veröffentlichung Anfang 2015 kosten. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um das kleinste Modell. Wer bislang noch keine Hardware von Apple besitzt, muss sich außerdem bewusst darüber sein, dass die Uhr auf sich allein gestellt gar nicht funktioniert: Sie muss zwingend mit einem Smartphone per Bluetooth gekoppelt werden. Dafür ist allerdings ein iPhone notwendig, und dabei muss es sich mindestens um ein iPhone 5 handeln - was die Kosten noch einmal deutlich erhöht. Wer die (wahrscheinlich) besten Apps und eine hervorragende Bedienung sucht - und Smartwatches gegenüber generell positiv eingestellt ist -, hat wahrscheinlich trotzdem keine Alternative. Interessant könnte jedoch die Gear S von Samsung sein. Die kommt ohne Smartphone-Kopplung aus, womit das südkoreanische Unternehmen dem Konkurrenten Apple dieses Mal einen Schritt voraus ist.© IDG