Erst im kommenden Frühjahr wird Apple seine Smartwatch in den Handel bringen. Die Reaktionen auf die Vorstellung im September waren gemischt - hier sind aber fünf gute Gründe, warum man sich auf die Apple Watch freuen - und schon ein wenig sparen kann

Lang erwartet, endlich präsentiert: Die Apple Watch erhitzt die Gemüter. Spötter stellen ironisch heraus, dass sie lange auf ein Produkt gewartet haben, das einzig und allein dazu diene, das iPhone nicht mehr aus dem Rucksack nehmen zu müssen. Ernsthaftere Kritiker bemängeln die mangelnde Akkulaufzeit von (vermutlich) nur einem Tag, oder die hohen Preise ab 350 Euro. Dass die Apple Watch auch nicht eigenständig funktioniert, sondern überwiegend nur zusammen mit einem iPhone (ab dem 2012er-Modell iPhone 5) ist ein weiterer häufig genannter Kritikpunkt. Wir sehen aber fünf gute Gründe für die Apple Watch. Lassen Sie sich überzeugen - und legen Sie schon mal etwas Geld zur Seite.

Grund 1: Das Design

Die bisher von Apples Konkurrenten erhältlichen Smartwatches haben alle etwas gemeinsam: Sie sind nicht schön. Die meisten Gestalter haben verzweifelt versucht, ein Smartphone an das Handgelenk zu konstruieren, so sehen Galaxy Gear und Konsorten auch aus. Apple geht einen völlig anderen Weg: Die Apple Watch ist auf den ersten Blick eine Uhr. Und zwar eine recht elegante, für fast jeden Geschmack hat Apple etwas dabei. Ob nun schlicht, sportlich oder luxuriös, die drei Varianten lassen in Kombination mit vielen verfügbaren Armbändern und schier unendlichen Konfigurationsmöglichkeiten für das Zifferblatt kaum Wünsche offen. Apple hat vor allem nicht vergessen, einen wesentlichen Kundenkreis mit anzusprechen: Damenuhren sind in der Regel etwas kleiner als die für Herren, so gibt es auch die Apple Watches in zwei unterschiedlichen Größen. Studien zufolge sollen rund 35 Prozent der Käufer von Luxusuhren weiblich sein, beim iPhone dürfte Apple auf ähnliche Raten kommen. Ganz im Gegensatz zur Konkurrenz: Eine schöne Frau entstellt angeblich nichts, bei den Android-Smartwatches von Samsung und anderen gilt das sehr wohl. Natürlich sind 350 Euro und mehr ganz schön viel Geld für eine Armbanduhr, wer aber jemals mit einer hochwertigen Uhr liebäugelte, wird sogar einen Preis knapp über 1000 Euro für die Ausführung in 18-karätigem Gold für ein Schnäppchen halten.

Grund 2: Die Bedienung

Die Apple Watch ist sogar auf den zweiten Blick eine Uhr, rechts vom Bildschirm steht ein Rädchen hervor. Selbst Uhrenexperten waren verblüfft über Apples Lösung, wie man ein digitales Gerät mit derart kleinem Bildschirm bedienen kann. Die "Digital Crown", wie Apple die Uhrenkrone des Digitalzeitalters nennt, ist nicht nur für die Freunde mechanischer Uhren attraktiv. Außerhalb Cupertinos hat zwar noch niemand eine Apple Watch in den Händen halten und bedienen dürfen, was der Hersteller aber bisher in Produktvideos und auf der Keynote im September gezeigt hat, beeindruckt. Die kontextsensitive Digitalkrone steht in allen denkbaren Situationen als intelligentes Bedienelement bereit, App-Entwickler können bei der Gestaltung sich allein darauf konzentrieren. Auch die neuartige Anordnung der App-Symbole auf dem Bildschirm der Apple Watch erzählt von Apples Gestaltungsphilosophie. Wenn ein Bildschirm so klein ist, dass die übliche Matrixanordnung nicht die Lösung sein kann, nimmt man eben eine andere. In der dichten Kugelpackung bekommt Apple viel mehr Symbole unter, ohne dabei an Übersichtlichkeit zu verlieren. Zudem kann die Uhr nun auch einfaches Tippen vom Drücken auf ein Symbol unterscheiden, es eröffnen sich noch mehr Bedienungsoptionen. Derartiges findet man bei der Konkurrenz nicht.

Grund 3: Alles in einem

Zugegeben, wer eine schicke Armbanduhr haben will, braucht keine Apple Watch. Wer ein Fitnessarmband nutzen will, um sich zu mehr Bewegung zu motivieren, braucht keine Apple Watch. Wer gar eine halbwegs professionelle Sportuhr für sein Training nutzen will, braucht keine Apple Watch. Doch erfüllt die Apple Watch all diese Wünsche in einem Gerät und noch viel mehr. Hersteller von Fitnessarmbändern und Sportuhren werden sich verstärkt in Nischen zurück ziehen, Tomtoms Sportuhr etwa bietet mit dem schwarz-weiß-Display eine deutlich längere Akkulaufzeit und lässt sich auch beim Schwimmtraining verwenden. (Die Apple Watch theoretisch auch, das würden wir uns aber erstmal nicht trauen...). Fitnessarmbänder werden über kurz oder lang nur noch von jenen getragen, denen eine Armbanduhr am Handgelenk zu schwer wird. Mit der starken Entwicklergemeinde im Rücken wird die Apple Watch zum Verkaufsstart noch weit mehr beherrschen, als das was Apple bisher gezeigt hat. Und genau an diesem Punkt ist die Verbindung zum iPhone eher von Nutzen als von Schaden: Wie coole Apps gehen und wie sie sich für Apples Geräte optimieren lassen, wissen hunderttausende von begabten Entwicklern. Da die Apple Watch vorwiegend der Anzeige von Inhalten und der Interaktion dient, kann man das Processing auf das hochleistungsfähige iPhone auslagern. Nicht zuletzt bietet die Apple-Watch-Nutzern untereinander vorbehaltene direkte Kommunikation Digital Touch ungeahntes Potential. Gut möglich, dass Apple hier etwas erfunden hat, das für viele Menschen der entscheidende Kaufgrund sein wird. Ein Walkie-Talkie auf neuem Niveau, eine interaktive Briefchen-App, eine herzliche Mitteilung – wer überhaupt über eine Smartwatch nachdenkt, könnte bei diesen Features hängen bleiben und sich für Apples Lösung entscheiden.

Grund 4: Noch schneller informiert und kommuniziert

Wie Sie sehen, spricht also nicht nur für die Apple Watch, dass man sein iPhone nicht mehr aus der Jackentasche oder dem Rucksack ziehen muss, um es zu benutzen. Ganz unwichtig erscheint uns dieser Grund aber auch nicht. Denn wer je in einer vollen Bahn oder einer anderen dicht gedrängten Menge stand, wenn ein womöglich wichtiger Anruf einging, weiß, dass der Anrufer auflegt, bevor man überhaupt an sein Telefon gelangt ist. Oder die Situation, wenn man während eines Bundesliga- oder Championsleaguespiel des Lieblingsvereins anderweitig beschäftigt ist: Die Sport-App meldet sich mit einem Push-Signal, jetzt kommt man aber völlig unmöglich an das Telefon, zumindest nicht ohne unangenehm aufzufallen. Kurzer Blick auf das Handgelenk - Check. Viele Smartphonenutzer verzichten bewusst auf eine Armbanduhr, seitdem die Uhrzeit auf dem iPhone-Sperrbildschirm Standard ist – aber fummeln Sie einmal Ihr iPhone aus der Tasche, während Sie Ihr Date, Ihr Chef oder Ihre Bahnbekanntschaft langweilt und sie einfach nur wissen möchten, wie lang das noch dauert. Einen kurzen Blick auf das Handgelenk wird kaum jemand bemerken. Derart lassen sich auch schneller von Ihnen als wichtig eingestufte Mails oder Chats kurz beantworten: Wenn Ihr Date sie etwa nicht langweilt, der Chef aber dennoch schnell eine kurze Antwort von Ihnen benötigt. Für so manchen sind derartige Szenerien zwar schrecklich, andere finden aber genau darin einen Kaufgrund für eine Smartwatch, insbesondere für die von Apple.

Grund 5: Gesundheit und Finanzen

Mit dem Healthkit von iOS 8 und Apple Pay bietet sich Apple als Dienstleister für das Gesundheitssystem und das Bankwesen an. In beiden Segmenten steht Apple erst am Anfang und fraglich ist ebenso, wann und wie Apple in Europa als solcher ankommen wird. Zurecht heben Skeptiker ihre Stimme, wenn ein Anbieter aus den USA von ihnen hochsensible Daten haben möchte, mit denen man unglaubliches anstellen kann, gelangen sie in die falschen Hände. Bei allem Zweifel sollte man aber die möglichen Vorteile nicht vergessen. Chronisch Kranken kann ein eleganter und praktischer Helfer am Handgelenk für die Therapie in unkomplizierter Weise wertvolle Daten erheben, speichern und auswerten, zusätzlich medizinische Hilfsmittel werden sicherlich bald die Apple Watch unterstützen – Apple arbeitet intensiv mit dem Gesundheitswesen zusammen. Attraktiv erscheint auch Apple Pay: Stellen Sie sich vor, Ihren Wocheneinkauf einfach mit einem Schwenk des Handgelenks und einem Fingertipper zu bezahlen. Zugegeben: Bis in Deutschland Apple Pay flächendeckend zur Verfügung steht, haben Sie womöglich schon das Nachfolgemodell am Handgelenk. Letztlich ist es eine Frage des Vertrauens, wem man seine Gesundheits- und Finanzdaten anvertraut. Für Misstrauen Apple gegenüber sehen wir aber keinen Grund.

Fazit: Kaufen oder nicht, das ist hier die Frage

Nicht jeder Apple-Nutzer hat Bedarf an einer Apple Watch. Wer aber das Prinzip Smartphone für schick, zukunftsträchtig oder hilfreich hält, kommt an der Apple Watch nicht vorbei. Die Akku-Laufzeit von einem Tag sollte in der Regel auch kein Problem sein, nachts kommt die Uhr eben an die Energieversorgung. Die raffinierte Ladung per Induktion wäre beinahe noch ein Grund.© Macwelt