Das Erste, was sich beim neuen Call-of-Duty-Spiels Advanced Warfare verändert hat, ist die Entwicklungszeit. Zeichneten früher die beiden Studios Infinity Ward und Treyarch für die Reihe verantwortlich, teilen sie sich diese Aufgabe heute mit einem dritten Studio namens Sledgehammer Games.

Der Vorteil für die Spieler: eine längere Entwicklungszeit der Spiele und eine daraus resultierende größere Liebe zum Detail. Dieses Vorgehen macht sich bei Advanced Warfare bereits bezahlt.

Die Story von Advanced Warfare in der Kurzfassung

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Call of Duty - Advanced Warfare

Exoskelett und Story sollen für frischen Wind sorgen. © IDG

Das Motto des neuen Call-of-Duty-Ablegers lautet: "Power changes everything", zu deutsch: Macht verändert alles. Die Handlung spielt etwa 45 Jahre in der Zukunft. Hier hat der Kriegsdienstleister "Atlas" eine Monopolstellung und unterstützt weltweit Regierungen in ihrem Kampf gegen den Terrorismus. Eine hohe Persönlichkeit bei Atlas ist Jonathan Irons, dem Kevin Spacey sein Gesicht leiht.

Irons ermöglicht es Private Mitchell, dem Freund seines Sohnes, als Söldner für Atlas zu arbeiten. Mitchell war lange Zeit Elitesoldat, bevor er in einer Schlacht schwer verletzt und kampfuntauglich wurde. Bei Atlas kann er dank eines modernen Exoskeletts, das ihm außergewöhnliche Kräfte verleiht, wieder tätig werden. Dieses Skelett hat Atlas eine Menge Geld sowie eine Monopolstellung eingebracht und Irons einen Platz im Weltsicherheitsrat beschert.

Die unvorstellbare Macht des Exoskeletts

In der Zukunft steuern Konzerne den Krieg.

Bei dem Exoskelett von Atlas handelt es sich um ein Maschinenskelett, das am Körper des Trägers angebracht wird. Ein solches Skelett ist längst keine reine Fiktion mehr. Bereits heutzutage helfen solche motorisierten Skelette Menschen dabei, wieder gehen zu können oder in Militäreinsätzen lange Märsche durchzuhalten. Die Fähigkeiten des Exoskeletts in Advanced Warfare gehen jedoch weit über die realen Möglichkeiten der heutigen Modelle hinaus.

Durch das Exoskelett entwickelt Private Mitchell übermenschliche Kräfte. Er ist in der Lage, meterhoch zu springen und selbst stabile Türen einzuschlagen. Wenn er ein Schild braucht, reißt er mit einem lockeren Griff eine Autotür ab und trägt diese vor sich her. Mittels integrierter Sensoren ist es ihm ein Leichtes, Wärmequellen und somit versteckte Gegner aufzuspüren. Im Unsichtbarkeitsmodus tarnt er sich vor seinen Feinden und selbst Spiderman kann noch etwas lernen, wenn Private Mitchell wie eine Spinne an Häuserwänden entlang klettert und in der Luft schwebt.

Zu Beginn des Spiels sind Mitchells Fähigkeiten noch nicht ausgereift. Der Spieler hat die Aufgabe, Upgrades zu sammeln und sich gezielt für bestimmte Missionen zu entscheiden. Auf diese Weise lassen sich die Fähigkeiten individuell schulen. Soll der Schwerpunkt auf dem Rennen liegen, soll die Nachladezeit verkürzt werden oder steht eine möglichst hochwertige Ausrüstung im Zentrum der Aufmerksamkeit? Als Spieler entscheidet jeder selbst, welche Fähigkeiten des Supersoldaten am stärksten ausgeprägt sein sollen. Doch keine Angst: Call of Duty bleibt sich treu und verwandelt sich nicht plötzlich in einen Rollenspiel-Shooter.

Spannungsgeladene Action in verschiedenen Missionen

Die Rüstung der Soldaten ist modern und ermöglicht zahlreiche Aktionen.

In einer besonders beeindruckenden Mission haben es die Terroristen auf die Golden Gate Bridge und die darunter versammelten Marineeinheiten abgesehen. Zu Beginn der Mission lenkt der Spieler einen Jeep und soll einen weißen Lieferwagen stoppen. Die wilde Jagd findet auf dem Highway statt und es gibt einen regelrechten Kugelhagel. Das Vorankommen ist relativ stark gelenkt, doch der Spieler hat immer wieder die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen und hierdurch den Spielverlauf zu beeinflussen.

So steht es jedem frei, den Fahrzeugen ringsum auszuweichen oder sie gezielt zu rammen. Allerdings sollte das eigene Fahrzeug nicht zu stark beschädigt werden, da sonst die Mission scheitert. Des Weiteren steht es jedem offen, im Gegenverkehr zu fahren oder Baustellen zu durchbrechen, das Ergebnis ist letztlich jedoch immer dasselbe: Der eigene Wagen überschlägt sich, die Verfolgungsjagd geht zu Fuß weiter und es entsteht ein ausgewachsener Schusswechsel.

In den Kampfszenen zeigt sich Call of Duty von seiner klassischen, altbewährten Seite. Dennoch besitzen die Auseinandersetzungen spannende Elemente und die Inszenierung ist sehr beeindruckend. So gibt es hervorragende Texturen, die Beleuchtung und die damit verbundenen Effekte sind sehr lebensecht und man wird ins Spielgeschehen hineingezogen. Neben der modernen Technik glänzt Advanced Warfare durch ein verbessertes Gameplay, das sich insbesondere an den Möglichkeiten zeigt, die man mit dem Exoskelett hat. Ausweichmoves erlauben es, innerhalb von Sekundenbruchteilen in eine bestimmte Richtung zu hechten und somit einem Beschuss zu entgehen, und Supersprünge machen es möglich, auf LKW zu hüpfen und neue Spielperspektiven zu nutzen. Lediglich der Overdrive-Modus ist ein typisches Call-of-Duty-Klischee, bei dem Mitchells Aktionen extrem beschleunigt werden, wodurch das Gefühl entsteht, die Zeit würde langsamer verlaufen.

Das umfangreiche Waffenarsenal in Advanced Warfare

Beeindruckende Robo-Rüstungen finden im Kampfeinsatz Verwendung.

Die insgesamt recht stark gelenkte Handlung des Spiels führt schließlich dazu, dass die Golden Gate Bridge einstürzt. Das ist von der Handlung her wenig überraschend, grafisch aber einfach überragend. Zumal mit dem Einsturz der Brücke die Mission nicht beendet ist, sondern der Kampf direkt auf US-Flugzeugträgern weitergeführt wird. Umgeben von Drohnen und feindlichen Kämpfern besteht die Aufgabe nun darin, Hacking-Geräte an vorgegebenen Punkten zu platzieren, um die Flugzeugträger unter Kontrolle zu bringen und steuern zu können. Hierbei stehen dem Spieler verschiedene Optionen offen. Er kann beispielsweise wählen, in welcher Reihenfolge er die Geräte anbringt und welche Wege er hierfür nutzt.

Das Schlachtfeld erinnert an eine Mehrspielerkarte und sowohl HUD als auch Storytelling werden von der Tatsache, dass sich der Kampf in der Zukunft abspielt, stark beeinflusst. So werden mittels Augmented-Reality-Informationen vom Magazinstatus über den Granatentyp bis hin zu Signalen befreundeter Kämpfer direkt ins Spielgeschehen eingeblendet und können vom Spieler verarbeitet und genutzt werden. Es gibt zudem eine Vielzahl an Granaten. Mit einem Typ können beispielsweise Drohnen im Flug stillgelegt werden. Andere Varianten fliegen extrem hoch und schlagen dann mit voller Wucht an der gewünschten Stelle ein. An futuristischen Waffen mangelt es Advanced Warfare also wirklich nicht.

Stille Momente bei Advanced Warfare

Die Zerstörung der Golden Gate Bridge ist ein besonders spektakulärer Moment in Advanced Warfare.

Doch nicht nur actiongeladene Kampfszenen wie die an der Golden Gate Bridge machen den Reiz von Advanced Warfare aus. Es gibt zusätzlich viele Szenen, die die Handlung vorantreiben. In der sich über acht Jahre erstreckenden Story wird ein sehr verstörendes Zukunftsbild gezeichnet, bei dem vor allem die USA durch Atomsprengkörper stark zerstört werden und sich Flüchtlingslager und Ghettos bilden. Die Privatarmeen dienen dazu, den Terroristen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Stirn zu bieten.

Der Spieler lenkt die Eliteeinheiten in Advanced Warfare durch eine verwüstete Stadt. Hierbei befindet sich Private Mitchell auf einem Schwebebike. Der Einsatz läuft sehr diskret und still ab und bietet somit eine gute Alternative zu den teilweise chaotischen Actionszenen. In einer Schule müssen die Räume durchsucht werden und der Anblick zahlloser Leichen und Trümmer lässt selbst erfahrene Call-of-Duty-Spieler nicht kalt. Die äußere Handlung ist sehr zurückgenommen und es geht darum, gezielt einen leisen und unauffälligen Einsatz zu führen.

Dieses Vorgehen ist ausgesprochen spannend, wird aber leider viel zu bald wieder von einem großen Spektakel mit Schießerei, Krach und Action abgelöst. Eine Tür wird eingetreten und die dahinter befindliche Terrorzelle bekämpft. Das ist keine außergewöhnliche Idee, doch wieder beeindruckt die faszinierende Inszenierung mittels Exoskelett.

Call of Duty bleibt sich selbst treu

Düstere Aussichten für die USA, Armut und Kriminalität sind allgegenwärtig.

Wer sich die Bewegungen, das Waffenarsenal, den Spielaufbau und die Inszenierung anschaut, kommt nicht umhin, festzustellen, dass es sich bei Advanced Warfare um ein typisches Call of Duty handelt. Die Handlung ist niemals völlig neu, aber immer sehr unterhaltsam. Neue Elemente führen dazu, dass frischer Wind in die Spielereihe gebracht wird, ohne dass diese sich selbst hierdurch untreu würde. Shooter-Elemente, Verschwörungstheorien und reichlich Militärjargon prägen das Spielerlebnis. Das Spiel hat durch das Exoskelett und die in der Zukunft angesiedelte Story die Möglichkeit, genauso neu und aufregend zu werden, wie dereinst Call of Duty 4: Modern Warfare.

Die Erwartungen sind groß, allerdings ist noch wenig über den Mehrspielermodus bekannt. Es wird allerdings eine Koop-Spielart geben und das, was im Solo-Modus geschieht, wird Einfluss auf den Mehrspielermodus nehmen. Außerdem werden sich die Kämpfe im Onlinebereich stark verändern. Schließlich können die Gegner auch hier ihr Exoskelett nutzen und somit extrem hoch springen, sich unsichtbar machen und an den Wänden entlang sprinten. In diesem Bereich ist die Erwartungshaltung der Fans also entsprechend groß.

Die Zukunft von Call of Duty

Die Spieler fahren auf solchen Bikes durch die Szenearien von Call of Duty: Advanced Warfare.

Mit Advanced Warfare ist es den Entwicklern gelungen, ein solides und zukunftsfähiges neues Spiel zu entwickeln. Wegen des engen zeitlichen Rahmens und der hohen Erwartungshaltung werden jedoch keine Experimente beim Gameplay gemacht. Die Entwickler setzen auf bewährte Elemente, die sie um neue Komponenten erweitern. Inwieweit sich dieses Konzept durchsetzt, wird sich zeigen. Tatsache ist jedoch, dass Advanced Warfare das Potential hat, die Spielereihe in die Zukunft zu bringen und auch weiterhin relevant zu halten. Fest steht außerdem, dass sich die Fans der Serie auf actiongeladene Szenen, eine überzeugende Handlung, ein großartiges Gameplay und viele vergnügliche Spielstunden freuen dürfen.© IDG