Hannover (dpa) - Auf der weltgrößten IT-Messe CeBIT (Publikumstage: 16.03 bis 20.03.) in Hannover hat der Versuch begonnen, den Standard-Wirrwarr im vernetzten Zuhause zu überwinden. Die Initiativen EEBus und Open Internet Consortium kündigten eine Kooperation an.

Sie wollen verhindern, dass parallel nach Lösungen gesucht und somit wertvolle Zeit bei der Suche nach Standards verloren geht. Unter den Mitgliedern von EEBus sind Hausgerätehersteller wie Bosch Siemens, Liebherr oder Miele sowie Energieunternehmen wie Eon und EnBW, beim Open Internet Consortium (OIC) sind es etwa Samsung, General Electric und Computer-Hersteller wie Acer, Dell und Lenovo. In beiden Gruppen Mitglied ist der weltgrößte Chiphersteller Intel. EEBus sei vor allem in Europa stark, OIC in den USA und Asien. Damit ergänzten sie sich.

Wie am Vortag war auch die Sicherheit im Internet am Dienstag wieder ein zentrales Thema. Laut Experten geraten externe Dienstleister von Großunternehmen zunehmend in den Fokus von Cyberkriminellen. Ein mögliches Einfallstor seien etwa Reisebüros, die für Konzerne arbeiteten und online mit dem System ihrer Auftraggeber verbunden seien, sagte Dirk Kollberg von der russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky Lab. Cyber-Gangster gingen gezielter und geduldiger vor.

Als Neuheit hat IBM in seiner neuen Partnerschaft mit Twitter auf der CeBIT erste konkrete Daten-Dienste aus der Cloud vorgestellt. Mit der Auswertung und Analyse der Tweets aus dem Kurznachrichtendienst sollen Unternehmen neue Einsichten geboten werden, die in konkrete Geschäftsprozesse oder Aktionen einfließen könnten. Über Twitter würden täglich eine halbe Milliarde Tweets abgesetzt, betonte Alistair Rennie, Manager bei IBM Analytics Solutions. Darüber könnten mit Hilfe intelligenter Analysewerkzeuge in bisher einzigartiger Weise Trends über längere Zeit beobachtet werden.

Die Tweets aus dem Kurznachrichtendienst will IBM in der Cloud mit Analyse-Tools auf Basis seines Supercomputers Watson in Echtzeit auswerten. Zahlreiche Kunden aus der Telekom-Branche, dem Einzelhandel oder dem Gesundheitswesen könnten nun nach für sie interessanten Dingen suchen. Das sei zuvor nicht möglich gewesen und werde die Spielregeln des Geschäfts fundamental verändern. Das Cloud-Computing habe die Dynamik der IT-Transformation fundamental verändert, sagte Bob Picciano von IBM Analytics.

Eine andere Größe der Branche, der chinesische Online-Riese Alibaba, kündigte auf der CeBIT große Pläne für das internationale Geschäft mit Cloud-Diensten an. Als erster Schritt sei ein Rechenzentrum in Kalifornien eröffnet worden, sagte Alibaba-Manager Ethan Yu der Deutschen Presse-Agentur. "Wir werden uns jeden Markt anschauen, in dem es eine Kunden-Nachfrage gibt", sagte er und schloss auch einen Markteintritt in Europa nicht aus. Bei Cloud-Diensten werden Daten und Software direkt aus dem Netz bereitgestellt. "Alle Daten werden automatisch verschlüsselt", versicherte der Alibaba-Manager.

Das internationale Cloud-Geschäft solle in einem Rechtsraum außerhalb Chinas angesiedelt und nach dortigem Recht verwaltet werden. Derzeit gebe es Verhandlungen darüber. China ist diesmal CeBIT-Partnerland.© dpa