San Jose (dpa) - Die Internet-Handelsplattform Ebay gibt den monatelangen Widerstand gegen den Druck von Investoren auf und trennt sich von ihren Bezahldienst PayPal.

Ebay-Chef John Donahoe, der beharrlich Widerstand gegen die Abspaltungspläne geleistet hatte, wird seinen Posten abgeben. Der Bezahldienst machte zuletzt knapp die Hälfte des Ebay-Geschäfts aus. Nach der Abspaltung im kommenden Jahr soll PayPal an die Börse gebracht werden.

"Verwaltungsrat und Management glauben, dass Unabhängigkeit ab 2015 das Beste für die Unternehmen ist, um zusätzliche Werte für die Aktionäre zu schaffen", erklärte Donahoe am Dienstag. Die mehr als zehnjährige Zusammenarbeit der Firmen verliere aus strategischer und wettbewerblicher Hinsicht mittlerweile eindeutig an Vorteilen.

Aktionäre begrüßten die Pläne. Die Aktie von Ebay stieg im frühen Handel in New York um mehr als sechs Prozent.

Donahoe soll in den Verwaltungsrat einer oder beider Firmen einziehen. Als Konzernchef bei Ebay soll ihn Devin Wenig ersetzen, bislang Präsident der Sparte Marketplaces, zu der auch die bekannte Auktionsplattform gehört. Die Führung bei PayPal übernimmt ab sofort Dan Shulman, der zuvor beim Kreditkarten-Konzern Mastercard und der Reise-Suchmaschine Priceline aktiv war.

Donahoe hatte sich stets gegen eine Trennung von PayPal ausgesprochen, weil sich die Unternehmen gut ergänzten. Die Abspaltung hatte vor allem der für seine Einmischung in Management-Belange berüchtigte New Yorker Großaktionär Carl Icahn immer wieder vehement gefordert. Er kaufte rund 2,5 Prozent an Ebay.

Nachdem Icahn seine Initiative Anfang 2014 forciert hatte, war es im Sommer zunächst ruhig geworden im Konflikt um die Zukunft von PayPal. Es hatte bereits danach ausgesehen, als würde Donahoe als Sieger aus dem Machtkampf hervorgehen. Doch bereits vor einigen Wochen flammten Spekulationen über eine Abspaltung wieder auf.

PayPal ist Ebays Zugpferd, im zweiten Quartal war der Umsatz der Bezahlsparte im Jahresvergleich um knapp 20 Prozent gestiegen. Auf Ebays Marktplatz flaute das Umsatzwachstum hingegen auf neun Prozent ab.

Den Marktplatz nutzten zuletzt 148,9 Millionen Menschen, PayPal 152,5 Millionen, auch beim Umsatz zog der Bezahldienst 1,74 Milliarden Dollar Quartalsumsatz knapp vorbei. Drittes Standbein von Ebay sind Dienstleistungen wie der Betrieb von Online-Shops für Dritte.

Ebay hatte PayPal im Jahr 2002 für einen Preis von rund 1,4 Milliarden Dollar in eigenen Aktien gekauft. In den vergangenen Jahren spitzte sich der Konkurrenzkampf unter den Online-Bezahldiensten immer weiter zu.

Demnächst stößt Apple mit seinem iPhone-Bezahlsystem Apple Pay in das Geschäft zunächst in den USA vor. Der vorherige PayPal-Chef David Marcus war vor einigen Monaten zu Facebook gewechselt, wo er das Geschäft mit dem Kurzmitteilungsdienst Messenger führen soll. Laut US-Medienberichten soll Marcus zu diesem Zeitpunkt enttäuscht gewesen sein, das er PayPal nicht als eigenständiges Unternehmen führen durfte.© dpa