Barcelona (dpa) - Im vergangenen Jahr hielt Silent Circle auf der weltweit führenden Mobilfunkmesse seine Präsentation praktisch noch auf dem Flur ab. Zwischen einer Rolltreppe und Ständen anderer Aussteller stellte das Unternehmen sein Hochsicherheitshandy Blackphone vor, das seine Besitzer gegen Ausspähen schützen soll. Dieses Jahr kann sich Silent Circle auf dem Mobile World Congress (2. bis 5. März) in Barcelona einen Raum mit Podium leisten und vor größerem Publikum seine Botschaft verkünden: Es will seine Geräte und Softwarelösungen zur Absicherung von Mobiltelefonen jetzt vor allem an Firmen verkaufen.

Unternehmen hätten eine massives Problem mit der Sicherheit ihrer digitalen Nachrichten, sagt Silent Circle-Manager Mike Janke. Offenbar waren nur wenige Verbraucher bereit, mehrere hundert Euro für ein besonders sicheres Smartphone auszugeben. Anders ist es bei Firmen: Bereits jetzt mache Silent Circle drei Viertel seines Geschäfts mit Firmenkunden, so die Firma auf der Mobilfunkmesse. "Wir haben uns nicht gedreht, der Markt hat sich mit uns gedreht", sagt Manager Janke. Das neue Blackphone hat zusätzliche Funktionen zum Trennen privater und beruflicher Aufgaben und zur Verwaltung mehrerer Geräte in einer Firma.

Silent Circle sind nicht die einzigen, die in Barcelona gesicherte Geräte und Apps für Unternehmen vorstellen. "Natürlich ist der Markt gewachsen", sagt Björn Rupp. Rupp ist Chef des Berliner Herstellers GSMK, das besonders gesicherte "Cryptophone" herstellt. Seit den Snowden-Enthüllungen über die umfassenden Möglichkeiten der Geheimdienste seien vielen Unternehmen auf die Gefahr digitaler Spähversuche aufmerksam geworden, sagt er.

Gerade moderne Smartphones bieten eine Vielzahl an Angriffsmöglichkeiten. Über Apps kann Schadsoftware auf Geräte gelangen, dazu kommen Verbindungen über Bluetooth und WLAN. "Diese Geräte wurden nicht mit dem Gedanken an Sicherheit gebaut", sagt Rupp. GSMK ersetze das gesamte Innenleben der Smartphones durch eigene Technik, die Handys warnen vor Abhör-Versuchen, schränken Apps ein und wehren Angriffe ab. Sie kosten um die 2000 Euro.

Damit richten sich die Berliner eindeutig an Profis, die ein besonders hohes Maß an Sicherheit benötigen. Unternehmen umwerben aber auch Mittelständler, die bisher nicht besonders auf die Sicherheit ihrer Handys geachtet haben. So brachte die Deutsche Telekom gemeinsam mit GSMK eine App zum verschlüsselten Telefonieren heraus, auch Konkurrent Vodafone hat ein ähnliches Angebot im Programm.

Der finnische Hersteller Jolla, bei dem viele ehemalige Nokia-Mitarbeiter ein neues Zuhause gefunden haben, will ebenfalls in diese Richtung gehen. Jolla will sein eigenes Handy-System Sailfish von Grund auf überarbeiten und absichern. Die Angst vor Abhören und Datenklau sei verbreitet, sagt Jolla-Manager Marc Dillon. "Regierungen haben es gemerkt, Unternehmen wissen es, Verbraucher haben Angst davor. Aber es gibt keine einfache Lösung, die für sie funktioniert." Jolla will unter anderem mit dem Firmensitz in Finnland und der langjährigen Erfahrung der Mitarbeiter punkten.

Auch beim Düsseldorfer Spezialist Secusmart, der im vergangenen Jahr vom Smartphone-Hersteller Blackberry übernommen wurde, bemerkt man einen Nachfrageschub. Die eigene Verkaufstruppe sei verdreifacht worden, sagt Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle. "Wir haben jetzt in einem Monat so viel Reisekosten wie früher in einem Jahr." Secusmart verkauft abgesicherte Blackberry-Smartphones unter anderem an die Bundesregierung. Auch die Vodafone-App zum sicheren Telefonieren hat Secusmart entwickelt.

Während es also immer mehr Angebote zum Absichern von Smartphones gibt, rollt schon die nächste Welle an Geräten heran. Smartwatches, Fitness-Armbänder und andere tragbare Geräte, die mit dem Internet verbunden sind. Diese Geräte sind meist so gebaut, dass sie zu den Handys der Träger oder den Rechnern der Hersteller funken. "Jemand muss fertige Technologien bereitstellen, um diese Geräte zu sichern", sagte Brian Hernacki von Intel. Intel stellte ein neues Produkt seiner Anti-Viren-Marke McAfee vor: einen Virenschutz für eine Smartwatch.© dpa