Anpfiff zum alljährlichen Duell der Fußballsimulationen! Konami schickt angeführt von Brasiliens Wunderknabe Neymar und dem Juve-Stürmer Morata "Pro Evolution Soccer 2016" aufs Feld. Cover-Star der EA-Reihe "FIFA" ist und bleibt der wohl beste Kicker der Welt: Lionel Messi. Welches Spiel holt sich die Meisterschaft? Der große Spielbericht!

In den letzten Spielzeiten ging meist EA als Sieger vom Platz. Besonders bitter war die Niederlage in der Saison 2014. Da verpasste Konami nicht nur den Anschluss auf den damals neuen Konsolen Xbox One und PS4, sondern musste im Nachhinein einräumen, ein halbfertiges Produkt ausgeliefert zu haben. Die 2015er-Ausgabe war ein ambitionierter Neuanfang, der in erster Linie mit authentischer Ballphysik, absoluter Kontrolle und einer Sache begeisterte, die sich nur immer abstrakt bis vage als "Freiheit" bei der Spielgestaltung beschreiben lässt. Und wie schlägt sich "PES 2016", das pünktlich zum 20. Geburtstag der Reihe erscheint?

Anpfiff zum Aufeinandertreffen der Giganten der Fußball-Simulationen

3. Minute: Holla, was geht denn hier ab? Die "PES"-Profis flitzen mit einer Dynamik über den virtuellen Rasen, die aktuell ihresgleichen sucht. Und die Reaktionszeiten erst! Zwischen Gamepad-Eingabe und chirurgisch präziser Umsetzung gibt es nun kaum noch eine Verzögerung! "FIFA 16" steht taktisch zwar gut geordnet auf dem Platz, kann dem Tempofußball aber nur einen vielseitigeren Spielaufbau entgegensetzen. Die frühe Führung für "PES"! Konami-Fans dürfen nun selbst wählen, wie sie jubeln wollen ... 1:0 für "PES"!

Lionel Messi dribbelt sich in FIFA 16 Richtung Tor.

11. Minute: "FIFA 16" hat den ersten Schock überwunden und kommt nun mit aller Lizenzmacht: 1. und 2. Bundesliga sowie 28 weitere Top-Ligen in aller Welt sind mit über 650 offiziellen Teams und zigtausenden Profis vorhanden ... Und: Dank früher Online-Updates sind alle Kader auf dem aktuellsten Stand. Schweinsteiger ist also bei ManUtd., Dante bei Wolfsburg. "PES" kassiert erwartungsgemäß den Ausgleich. Drei deutsche Vereine (Bayern, Wolfsburg und Gladbach) sind trotz offizieller Champions- und Europa-League-Rechte einfach nicht genug, die Jungs von Jogi Löw nur ein schwacher Trost. Zudem hinkt Konami mit den Updates hinterher. Von Fans erstellte Editor-Dateien, asiatische und südamerikanische Pokale, halboffizielle Ligen wie in England mit Fantasie-Teamnamen und echten Spielern? Geschenkt ... 1:1 - Ausgleich für "FIFA 16"!

25. Minute: Böses Foul von EA! Konami muss wechseln! "PES"-Kommentator Wolff Fuss wurde vom großen Widersacher abgeworben und spielt sich nun bei "FIFA" mit Frank Buschmann die Bälle zu. Konami-Ersatz Marco Hagemann kann die Lücke jedoch nicht füllen und scheint manchmal ein anderes Match zu sehen als der Spieler. Hansi Küppers kann's nicht richten. "FIFA" geht in Führung ... es steht 1:2.

31. Minute: Der Trainer gibt den "FIFA"-Spielern Anweisungen. Das soll nicht nur Genre-Neulingen, sondern auch erfahrenen "FIFA"-Gamern helfen, um neue Wege und Möglichkeiten zu erlernen. Doch auf dem Platz wirken die gut gemeinten Einblendungen mit passenden Aktionsvorschlägen schlicht störend. Entsprechend schnell schaltet man das Ganze wieder aus.

37. Minute: Die zahllosen taktischen Einstellungen bei "PES 2016" zahlen sich aus. Detailversessene Fußballfüchse können die Balance zwischen Offensive und Defensive fein justieren. Eine gute Chance, in Führung zu gehen. Die entsprechenden Menüs wirken jedoch ziemlich angestaubt. Chance vergeben!

Halbzeitpause - das Zwischenfazit

45. Minute: Halbzeitpause. "FIFA 16" führt, der Ausgleich hängt jedoch in der Luft. Ein Wort zum Schiri: Die Offiziellen in "PES" mögen es offenbar gerne hart und ruppig. Selbst bei brutalen Grätschen lassen sie oftmals weiterspielen ... Die "FIFA"-Schiris sind da genauer, greifen zudem zum Freistoß-Spray und können sich bei kniffligen Entscheidungen auf die famos inszenierte Torlinien-Technik verlassen. So spektakulär darf's gerne weitergehen!

47. Minute: Das Stadion singt. Original-Schlachtengesänge auf beiden Seiten. Gänsehaut!

57. Minute: Offener Schlagabtausch auf dem Feld! Es geht hin und her. Dabei fällt auf: Die Animationen der Spieler in "PES" sind eine Augenweide! Wie Ronaldo da den Ball aus der Luft mitnimmt, durch eine Grätsche ins Straucheln gerät, sich fängt und weiter die Außenlinie entlang sprintet ... Wahnsinn, was für eine Vielfalt von Bewegungen! Fällt das 2:2?

Neymar versucht im brasilianischen Nationaltrikot das 7:1 gegen Deutschland in PES zu verdauen.

58. Minute: "FIFA" hält dagegen - mit einer echten Grafikgranate! Die Promi-Spieler sehen ihren realen Vorbildern zum Verwechseln ähnlich. Bei Top-Stars wie Messi hat man sogar daran gedacht, die Tattoos pixelgetreu nachzuzeichnen. Spielern kleinerer Vereine - etwa Werder Bremen - merkt man dagegen ihre Editor-Herkunft deutlich. Mit ähnlichen Problemen hat auch "PES" zu kämpfen.

67. Minute: Der PC-Fanblock bei "PES" randaliert! Ihre Version kann nicht mit den PS4- und Xbox-One-Versionen mithalten. Buuuuh!

73. Minute: Spätestens jetzt ist mal ein Lob für die Mannschaftskameraden in beiden Spielen angebracht. Bei "PES 2016" laufen sich die Computer-Kollegen immer wieder frei oder sprinten in offene Räume. Bei "FIFA 16" sind die eigenen Mannen defensiv besser geschult, machen clever die Räume dicht und entschärfen somit weite Pässe, die früher oft zu Toren geführt haben.

79. Minute: Ein schnelles Spiel ist ja schön und gut. Aber was sitzt eigentlich noch auf der Spielmodi-Bank? Jede Menge! Zumindest bei "FIFA 16". Amüsante Trainingsspiele, Manager-Modus, Online-Ligen und natürlich "Ultimate Team". Die populäre Variante, bei der man Kartendecks sammelt und daraus seine Traumelf bastelt, wurde um den Draft-Mode erweitert. In dieser kurzweiligen Kartenlotterie tritt man mit zufällig ausgelosten und selbst ausgesuchten Spielern gegen den Computer oder online gegen andere "FIFA"-Spieler in bis zu vier Partien an. Danach geht's von vorne los - entsprechendes Kleingeld vorausgesetzt. Die Startgebühr beträgt 15.000 Münzen oder 300 FUT-Punkte. Zufällig lassen sich diese auch im Ingame-Shop gegen bare Münze erwerben - für etwa 3 Euro. Fast ein Eigentor ...

80. Minute: Und bei "PES"? Champions League! Europa League! Und auch die beliebte "Meisterliga" wurde generalüberholt. Gut, sexy ist das Ganze immer noch nicht, besitzt dafür aber viele neue Möglichkeiten, ein eigenes Team von unten nach ganz oben zu führen - Talent-Scouting, Transfers, Trainingssitzungen und das sogenannte Teamrollensystem inklusive. Dem "Werde zur Legende" fehlt dagegen weiterhin der rote Story-Faden und der Trainingsmodus ist nur etwas für Masochisten.

Zum ersten Mal wird es Frauenfußball in der Simulation geben.

89. Minute: "FIFA" zieht noch ein Ass aus dem Ärmel und schickt ein Dutzend Damen-Nationalmannschaften aufs Feld - mit eigenen Animationen und leicht gedrosselter Spielgeschwindigkeit. Nein, Trikottausch gibt es nicht. Geschlechterübergreifende Duelle auch nicht. Für einen Innovationspunkt reicht es dennoch! 3:1 für "FIFA".

Nachspielzeit: "PES" wirft alles in die Waagschale und begeistert mit totaler Kontrolle, blitzschnellem Umschalten von Defensive auf Offensive, Dribblings auf engstem Raum, fiesen Finten, intensiven Zweikämpfen und Toren - jeder Menge spektakulären Toren. Bei "FIFA" sind die meisten Partien knappe Kisten. Anschlusstreffer für Konami, aber es reicht nicht ganz. Abpfiff! Am Ende steht es 3:2. "FIFA" geht auch in diesem Jahr als Sieger vom Platz.

Doch der Ausgang war knapper denn je. Und die Kaufentscheidung ist eine Herzensangelegenheit - je nachdem, ob man den Sport oder die Namen mehr liebt.