Die heiße Hexe ist wieder da – aber nur auf der Wii U.

Der erste Teil der Bayonetta-Reihe konnte seinerzeit auf Xbox 360 und PlayStation 3 Höchstwertungen einsacken - und Bayonetta 2 setzt die Messlatte noch höher, denn dieses Spiel rechtfertigt allein den Kauf einer Wii U.

Wenn Sony und Microsoft nicht wollen…

… dann muss eben Nintendo in die Bresche springen. Einen zweiten Teil des zwar sehr guten, aber nicht unbedingt häufig verkauften Bayonetta von 2009 wollte keines der großen Studios für seine neue Konsole finanzieren. Nintendo erbarmte sich jedoch und gab Entwickler Platinum Games ausreichend finanzielle Mittel (und Zeit, denn Bayonetta 2 wurde bereits vor zwei Jahren angekündigt), um die neue Vision umzusetzen - und sowohl Microsoft als auch Sony werden sich im Nachhinein ärgern, diese einmalige Perle unter den kompromisslosen Actionspielen nicht doch veröffentlicht zu haben.

Die heiße Hexe ist wieder da – aber nur auf der Wii U.

Der Anfang des Spiels fällt serientypisch aus: Die namensgebende Hexe Bayonetta spaziert in einer bereits nach Weihnachten aussehenden Einkaufsmeile umher, als Kampfflugzeuge die Wolkenkratzer zu bombardieren. Zeit für eine Verwandlung: Aus ihrem weißen Kleid schält sie sich heraus, aus ihren Haaren wird das Lederoutfit aus dem ersten Teil und auf dem Sattel eines auftauchenden weißen Pferdes geht es in die Schlacht. Die absurde und frei von Realitätsansprüchen agierende Action nimmt im Laufe des Spiels übrigens zu keiner Zeit ab. Platinum Games fährt sofort schwere Geschütze auf und nimmt den Fuß bis zum Finale von Bayonetta 2 auch nicht mehr vom Gaspedal.

Von Spielern für Spieler

Oberflächlich betrachtet sieht Bayonetta 2 recht anspruchslos aus. Es reicht auf niedrigen Schwierigkeitsgraden in den meisten Fällen aus, auf den drei Angriffsbuttons herumzudrücken und sich dadurch irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Mit einer der Schultertasten weicht die Protagonistin aus, was genügt, um einfache Gegner zu bezwingen. Die bestehen anfangs aus goldenen Reitern, fliegenden Gesichtern aus Stein und ähnlichen Schergen, die auch im ersten Teil einen Platz gefunden hätten. Dabei legt unsere Hexe selbst in den Händen von Anfängern bereits beeindruckende Manöver auf das Schlachtfeld.

Wirklich Spaß macht Bayonetta 2 aber erst dann, wenn der Spieler hinter die komplexe Combo-Mechanik gestiegen ist und sich auf den Weg macht, in jeder Mission möglichst wenig Schaden einzustecken, umfassende Combos an die Gegner zu verteilen und gleichzeitig jedes Ziel in kürzester Zeit abzuschließen - denn nur dann gibt es mindestens eine Goldmedaille. Weniger anspruchsvolle Spieler geben sich auch mit der Bronze- oder Silbermedaille zufrieden, aber das dürfte nicht im Interesse der Zielgruppe des Wii-U-Titels liegen. Ein kleiner Tipp: The Wonderful 101, das ebenfalls von Platinum Games entwickelt wurde, weckt starke Erinnerungen an Bayonetta 2. Wer also dieses frühe (nicht weniger beeindruckende) Actionspiel auf der Wii U bereits geliebt hat, wird höchstwahrscheinlich auch diesen Hexenausflug überaus unterhaltsam finden.

Mehr Action!

Um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden, darf sich Bayonetta in ihrem zweiten Auftritt auf einige neue Fähigkeiten freuen. Wer beispielsweise kurz vor dem Angriff eines Gegners ausweicht, aktiviert für einige Sekunden eine Zeitverlangsamung, die dabei hilft, den teilweise sehr schnellen Kontrahenten präzise Schläge und Tritte zu verpassen. Ebenfalls neu ist der Umbra-Klimax: Durch einen Druck auf eine der Schultertasten wird diese Funktion aktiviert, womit sich Madame Butterfly aus dem ersten Teil zu Bayonetta gesellt und dann deutlich heftigere Attacken austeilt, die auch noch eine unerhörte Reichweite besitzen. All diese Fähigkeiten zusammen sorgen dafür, dass es ein vergleichbares Actionfeuerwerk in den letzten Jahren wohl auf keiner Konsole gegeben hat.

Es kracht, explodiert und brennt praktisch permanent, gekämpft wird häufig auf fliegenden Jets, fahrenden Zügen und dergleichen mehr. Grafisch präsentiert sich Bayonetta 2 in butterweichen 60 Bildern pro Sekunde in 1080p-Auflösung (was Xbox One und PlayStation 4 derzeit nur selten schaffen…), der Soundtrack und die dazugehörigen Effekte lassen das Wohnzimmer bei entsprechendem Audioequipment erzittern. Das ist gleichzeitig die große Stärke und Schwäche von Bayonetta 2: Wer mit dieser unfassbaren Actionoffensive etwas anfangen kann, wird den Titel lieben und wahrscheinlich über Wochen und Monate immer wieder starten. Falls dieses Spielprinzip jedoch auf gar keine Gegenliebe stößt, wird man wahrscheinlich überhaupt nichts an dem Spiel finden. Es ist also in jedem Fall sinnvoll, die kostenlose Demo aus dem eShop von Nintendo vor dem Kauf probezuspielen.

Ein weiterer Systemseller für die Wii U

Bayonetta 2 ist ein relativ kurzes (etwa zehn Stunden sollten reichen, um die Kampagne einmal zu erledigen) Vergnügen, das in dieser Zeit jedoch besser unterhält als manches Rollenspiel mit 100 Stunden auf der Spieluhr. Durch die immense Anzahl an freischaltbaren Funktionen und Items sowie das Spielprinzip, das einfach unerhört viel Spaß macht, bewegt sich der Wiederspielwert jedoch in einem hohen Bereich. Wer eine Wii U besitzt, mit dem recht hohen (comigartigen) Gewaltgrad des Spiels kein Problem hat und auch ein wenig nackte Haut hin und wieder akzeptiert, kommt um das Spiel nicht herum - und alle anderen sollten sich spätestens jetzt den Kauf der Nintendo-Konsole überlegen.© IDG