Berlin (dpa/tmn) - Ob Spiegelreflex-, System- oder Kompaktkamera: Wer sich einen neuen Fotoapparat zulegen möchte, wird von der Auswahl regelrecht erschlagen. Was ist die Kamera der Wahl - und reicht vielleicht nicht doch einfach das Smartphone?

Kameras gibt es wie Sand am Meer. Aber nicht jedes Modell ist für jeden Fotografen-Typ gleichermaßen geeignet. Trotzdem ist es gar nicht so schwer, das passende Modell zu finden, wenn man sich klarmacht, wie man fotografieren möchte. Eine kleine Fotografen-Typologie:

Profi: Für ihn zählt neben der Bildqualität höchste Zuverlässigkeit. "Die Kamera darf nicht ausfallen, möglichst jedes Bild muss scharf sein, die Belichtung muss stimmen", sagt Wadim Herdt von der Zeitschrift "Colorfoto". Seine Empfehlung: "Vollformatkameras nutzen besonders ausgeklügelte Autofokus-Systeme und bieten Profis die meisten Reserven, wenn hohe Empfindlichkeiten vonnöten sind." Das hat seinen Preis: Allein die Gehäuse von Vollformat-Spiegelreflexkameras für Profis kosten 3000 bis 6000 Euro.

Semiprofi: Auch ambitionierte Amateure stellen oft sehr hohe Ansprüche an ihre Kamera. "Sie brauchen in der Regel aber nicht die hohe Zuverlässigkeit von Top-Geräten oder können nicht immer die hohen finanziellen Kosten tragen", sagt Wadim Herdt. Er empfiehlt Spiegelreflex-Einsteigermodelle im auch Kleinbildformat genannten Vollformat (Sensorgröße 36 mal 24 Millimeter), die mit Objektiv schon ab 1500 Euro zu haben sind. Wichtig: Das Handling muss passen und sollte vor dem Kauf getestet werden. "Nichts ist wichtiger als eine schnelle und intuitive Bedienung", erklärt Silk Aulich, Fotograf aus Münchberg bei Bayreuth.

Hobbyfotografen: Fotofreunde, die zwar vorrangig auf Reisen oder bei Feiern aktiv sind, aber eine bessere Qualität als von einer Kompaktkamera erwarten, entscheiden sich immer öfter für spiegellose Systemkameras. "Diese Kameras sind deshalb so interessant für den Urlaubsfotographen, da sie eine beeindruckende Bildqualität zu einem bezahlbaren Preis liefern und darüber hinaus leicht zu verstauen sind und wenig Gewicht haben", erklärt Aulich. Um 400 Euro gibt es schon gute Modelle, dann allerdings in aller Regel ohne Sucher.

Wer nicht ohne auskommt und ein höheres Gewicht und größere Maße verschmerzen kann, ist mit in etwa gleich teuren Einsteiger- und Mittelklasse-Spiegelreflexkameras mit APS-C-Sensor (rund 22 mal 15 Millimeter) gut bedient. Diese Sensoren kommen neben Four-Thirds-Sensoren (rund 17 mal 13 Millimeter) auch in den spiegellosen Systemkameras zum Einsatz. Wer am Rechner noch mehr aus den Fotos herauszuholen will, sollte auf ein Feature achten, erklärt die Stiftung Warentest im Heft "test spezial Digitalkameras 2014": "Die Kamera muss die Bilder auf Wunsch auch im Rohdatenformat (RAW) speichern."

Einsteiger: Um das Fotografieren zu lernen, kann man sowohl auf System- als auch auf Spiegelreflexkameras der Einsteiger- und Mittelklasse zurückgreifen. Selbst Kompakte sind unter der Voraussetzung geeignet, dass sie "Automatiken für kompliziertere Situationen bieten, und auch zumindest Blenden- und Zeitvorwahl-Modi, wenn es schnell gehen muss", sagt Herdt.

Outdoor-Fotograf: Wer vor allem seine Erinnerungen vom Strand oder der Bergtour mitnehmen möchte, dem reicht unter Umständen eine robuste Outdoor-Kamera: "Diese Kameras kann man zum Schnorcheln mitnehmen, ihnen macht der Sand am Strand nichts aus, und sie stecken auch Stöße weg", sagt Wadim Herdt. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hätten Modelle um 300 Euro.

Partybilder-Knipser und Social-Media-Poster: Hauptsache, das Bild steht direkt bei Facebook, lautet das Motto der einen, Hauptsache, möglichst spontan Stimmung einfangen, das Motto der anderen. In beiden Fällen muss die Qualität nicht sehr hoch sein. Oft reicht schon die Handykamera mit Autofokus, sagt Wadim Herdt: "Sie sind immer dabei und leicht zu bedienen." Als qualitativ höherwertige Alternativen böten sich Kompaktkameras um 200 Euro mit Features wie Schwenkdisplay für Selfies oder WLAN zum Teilen von Fotos an. Immer wichtig: Ein schneller Autofokus und möglichst gute Bildqualität bei wenig Licht.

Blogger: Diese Gruppe braucht mehr als Schnappschüsse. "Unkomplizierte Bedienung, schwenkbarer Monitor, Videofunktion und unter Umständen WLAN-Fähigkeit sowie GPS sind für Blogger wichtige Kriterien bei der Kamerawahl", sagt Wadim Herdt. Soll die Qualität noch besser sein, wählen Blogger sogenannte Edel- oder Premium-Kompakte oder handliche Systemkameras.© dpa