London (dpa) - Die Londoner Tower Bridge ist immer ein schöner Anblick, vor allem nachts. Wenn durch diese weltberühmte Brücke aber ein gigantischer, blau strahlender Gummibär auf einem pinken Springbrunnen tuckert und dazu Walzermusik über der Themse erklingt, dann ist das ziemlich spektakulär, kitschig und auch ein bisschen bizarr.

Und passt damit gut zur quietschbunten Spielsensation "Candy Crush", deren Neuauflage, "Candy Crush Soda Saga", Hersteller King mit dieser Show in London feiert. In New York wird wenig später eine Straße in der City zur "Candy-Crush"-Meile umgewandelt.

Der Aufwand ist bemerkenswert dafür, dass die "Soda Saga" nicht so anders daherkommt als das Original. "Wir wollten, dass Fans es wieder erkennen", sagt Mitentwickler und Kreativchef Sebastian Knutsson. Da muss er sich keine Sorgen machen. Weiterhin müssen Spieler auf ihrem Smartphone oder Computerbildschirm kunterbunte Süßigkeiten herumschieben. Bezahlen muss keiner, aber man kann, um schneller voran zu kommen. Davon lebt "Candy-Crush"-Produzent King. Etwa 650 Levels gibt es inzwischen für die erste Fassung, immerhin schon 165 für die zweite.

Mit einer Fortsetzung der "Candy Crush Saga" will Hersteller King dem "Farmville"-Schicksal entgehen.

Um auf deren Einführung gebührend aufmerksam zu machen - sie ist seit fast fünf Wochen auf Facebook und seit dem 11. November als Handy-App zu haben - hat serviert das britisch-schwedische Unternehmen Journalisten aus halb Europa lila Cocktails auf einem Themse-Schiff und lässt Ex-Pussycat-Doll Nicole Scherzinger (36) in einer Art Eisbären-Jacke per Knopfdruck den Bär unter der Brücke hervorlocken.

Diese Firma hat Geld, das demonstriert diese Party, das zeigt aber auch der Blick auf die jüngsten Quartalszahlen: 141,7 Millionen Dollar Gewinn lässt sich sehen. Nur: Das war deutlich weniger als in den drei Monaten zuvor und der zweite Rückgang in Folge. Und der Grund dafür war, dass das Interesse an dem seit 2012 spielbaren Sensationserfolg "Candy Crush Saga" abebbt.

834 Millionen mal spiele weltweit irgendwer "Candy Crush", sagt Knutsson, natürlich ist das immer noch viel. Aber Hypes im Internet verschwinden bekanntlich fast so schnell und unvermeidlich, wie sie auftauchen. King wird deswegen viel mit dem Spielehersteller Zynga verglichen, der mit "Farmville" eine Manie ausgelöst hat und jetzt Verlust über Verlust schreibt, weil das Spiel zunehmend out ist und es mit den Nachfolgern nicht so gut läuft. "Kings Sommer 2014 könnte Zyngas Sommer 2012 sein", mutmaßte etwa der "Guardian" schon im August. Wie wichtig ist es, dass die "Soda Saga" einschlägt?

"Es ist die wichtigste Markteinführung des Jahres", bestätigt Knutsson, "aber wir haben vier andere Spiele in diesem Jahr eingeführt." Sowieso könne doch nichts den Erfolg von "Candy Crush" toppen. King hat knapp 200 Spiele in gut 200 Ländern auf dem Markt - das klingt nach breiter Aufstellung, aber "Candy Crush" bleibt die Milchkuh. Wie gut es mit der "Soda Saga" läuft, will Knutsson nicht recht verraten. Sie sei vorn auf den Download-Listen in mehr als hundert Ländern, sagt er, ohne konkreten Zahlen zu nennen.

"Candy"-Fans sollen beides spielen, sagt Knutsson, es sei immer noch ein komplettes Team mit der Weiterentwicklung der ersten Version beschäftigt, 2015 werde es ein großes Update geben. "Das ist eine der wichtigsten Dinge, auf die wir uns konzentrieren: Wie können wir unsere Spiele weiterentwickeln und nicht stehenbleiben." Irgendwann aber wird etwas Neues hermüssen. Der Kreativchef glaubt, dass die Zukunft in sozialen Spielen liegt. "Es gibt einen Appetit auf Spiele, die etwas komplexer sind und die man mit Freunden spielen kann."

Bis der nächste Hit kommt, müssen die "Candy Crush Saga" und ihr Nachfolger im Gespräch bleiben. Dafür hat King den neuen Spiel-Soundtrack von einem der bekanntesten Orchester der Welt einspielen lassen, dem London Symphony Orchestra. Und die Shows auf der Themse und in New York dürften ebenfalls dazu beigetragen haben. Mit wieviel sie in der kommenden Jahresbilanz zu Buche schlagen, verraten allerdings weder Knutsson noch die Pressesprecher.© dpa