Berlin (dpa/tmn) - Mit simplem Design und ohne Werbung will das US-Netzwerk Ello den Kampf gegen Facebook aufnehmen. Die Nutzerzahlen des noch in der Beta-Phase befindlichen Dienstes steigen ständig. Doch viele Details sind noch ungeklärt.

Werbefrei und mit Privatsphäre will das soziale Netzwerk Elloaus den USA zum Facebook-Konkurrenten werden. Nach Angaben der Betreiber verdoppelt sich die Nutzerzahl des Dienstes aktuell etwa alle zwei bis drei Tage. In der Praxis ist der Dienst, der bislang nur eingeladene Neunutzer zulässt, zwar einfach und intuitiv, lässt aber noch einige Funktionen vermissen. Die Nachrichtenanzeige von Ello ist in "Friends" und "Noise" unterteilt - das sorgt für einen übersichtlichen Newsfeed, der nicht wie bei Facebook mit irrelevanten oder gesponserten Informationen überladen ist. Eine Funktion für private Nachrichten ist bislang nicht vorhanden, ebenso wenig ein "gefällt mir"-Knopf zum Markieren beliebter Inhalte, der aber bald folgen soll.

Das Verbraucherrechteportal "Surfer haben Rechte" des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) hat Ello getestet und dabei herausgefunden, dass das Versprechen, den Kunden nicht zum Produkt zu machen, zwar ein guter Plan, aber auch recht vage sei. Denn auch Ello sammelt Daten über seine Nutzer, um "Zugriffe und Nutzungsmuster zu analysieren", wie es etwas unklar formuliert ist. Die Datensammlung über Googles Analytics-Dienst können Nutzer zwar abstellen, müssen dafür aber selbst aktiv werden. Ob und auf welcher Grundlage das Netzwerk mit Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeitet und ob Daten verschlüsselt gespeichert werden, bleibe weitgehend offen.

Ungeklärt ist auch, wie das Geschäftsmodell von Ello jemals profitabel werden soll. Kostenpflichtige Zusatzdienste wie Mehrfachaccounts oder durch Künstler gestaltete Emoticons nennen die Betreiber als Möglichkeiten. Momentan finanziert sich das Netzwerk teilweise durch Wagniskapital. Kritiker befürchten, dass eines Tages doch die Schranke für Datenhandel und Werbenetzwerke fallen könnte, wie es auch bei Facebook der Fall war.© dpa