Nach der Snowden-Affäre und den immer neuen NSA-Enthüllungen herrscht in der Netzgemeinde große Unsicherheit, was den Umgang mit privaten Daten angeht. Wir haben Philipp Benkler aus der Gründerszene dazu befragt, wie sein Startup mit den aktuellen Herausforderungen umgeht.

Guten Tag Herr Benkler. Wir möchten uns mit Ihnen über die Sicherheit von Nutzerdaten, den Datenschutz in Deutschland und Ihren persönlichen Umgang damit unterhalten. Doch bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen erst einmal kurz unseren Lesern vor.

Philipp Benkler: Mein Name ist Philipp Benkler, ich bin Gründer und einer der Geschäftsführer von "Testbirds". Wir testen Apps und Webseiten mit unserer eigenen Tester-Community von über 50.000 Leuten.

So werden Ihre Mails geschützt damit niemand mitlesen kann!

Ihre Community umfasst zehntausende Nutzer. Spielen die Entwicklungen rund um Snowden im Geschäftsbetrieb nach wie vor eine wichtige Rolle?

Das ist denke ich ein viel, viel größeres Thema. Gerade der Punkt Datenschutz in der EU und Deutschland versus Amerika. Wir vertrauen zum Beispiel auf keine Cloud-Services, die in den Vereinigten Staaten gehostet werden. Viele unserer Kunden sind aus der Banken-, Versicherungen-, und der Automobile-Branche. Dabei ist die Vertraulichkeit - wo liegen die Daten, wo liegen die Testergebnisse und wo wird unsere App verteilt - von hoher Wichtigkeit. Bevor eine App auf den Markt kommt, wird sie bei uns getestet. Für uns ist wichtig, dass sie nicht auf einem amerikanischen Server gespeichert und dadurch unter den Zugriff von wem auch immer gelangen kann. Deshalb vertrauen wir in unserer Infrastruktur auf in Deutschland gehostete Server.

Wie veränderte sich Ihr persönlicher Alltag durch die Snowden-Enthüllungen? Nutzten Sie heute andere Apps und gehen anders mit Sozialen Medien um?

Bei mir persönlich ist es glaube ich einfach mehr ins Bewusstsein gerückt, dass es Probleme mit dem Datenschutz und meinen persönlichen Daten gibt. Ich bin sowieso kein intensiver Social Media-Nutzer. Von mir findet man dort relativ wenig. Wenn ich auf Facebook poste –ich twittere sowieso nicht - dann muss schon etwas Großes passiert sein. Wie zuletzt ein Blogbeitrag über meine Kritik an den Löwen (Anm. d. Red.: "Die Höhle der Löwen", Fernsehsendung von Vox).

Den Wettbewerbsvorteil durch den strengen Datenschutz kann man natürlich auch von der anderen Seite betrachten: es entstehen dadurch höhere Kosten. Im Gegensatz dazu ist die "Cloud" natürlich immer sehr verlockend, da man bei einem Nutzeransturm nicht direkt neue Server kaufen muss. Wie geht "Testbirds" damit um, wenn auf einmal tausende von Usern auf Ihre Server kommen? Können Sie das gut skalieren?

Skalierung ist nicht das oberste Problem, das wir in der Entwicklung und der Infrastruktur haben. Dennoch haben wir eine sehr stabile Infrastruktur dafür geschaffen. Und wie schon angesprochen ist der Wettbewerbsvorteil durch den Standort Deutschland an dieser Stelle wichtiger. Wir haben zum Beispiel Konkurrenz in den USA, die sich auch auf dem deutschen Markt versucht. Sie haben ganz klar das Problem, dass deren Daten und Apps in den USA gehostet werden und damit in den potenziellen Zugriff der Regierung fallen.

Wird sich der Datenschutz in Zukunft weiter verschärfen? Gibt es auch Punkte am Datenschutz, die Sie stören? Wo sehen Sie von Seiten der Politik Nachbesserungsbedarf?

Ich glaube, dass die EU Kommission etwas ändern und umstrukturieren wird. Für die EU und Deutschland wird ganz wichtig sein, einen gesünderen Datenschutz auf die Beine zu stellen, der den Wettbewerbsvorteil bewahren und halten kann. Und das man sich eben nicht so öffnet, wie es in den USA der Fall ist.

Gibt es bestimmte Sicherheitstechnik die Sie bei sich einsetzen um die Kundendaten zu schützen? Wie sehen Sie gerade im Hinblick auf die "Open-SSL"-Sicherheitslücke, die Zukunft von solchen Standards?

Ja, das war ein trauriger Tag mit "Heartbleed" (Anm. d. Red.: Bezeichnung für die Sicherheitslücke in dem Webseiten-Verschlüsselungs-Standard Open-SSL). Auch wir waren natürlich davon betroffen, wie glaube ich fast jeder. Dieser Vorfall hat wieder das Bewusstsein geschaffen, dass selbst die größten Open-Source Projekte nicht sicher genug sein können. Deshalb arbeiten wir daran, ständig "up to date" zu sein, zum Beispiel durch Server mit verschlüsselten Datenbanken. Aber ich glaube, dass in Zukunft noch Einiges auf uns zukommen wird. Bei "Testbirds" versuchen wir so nah wie möglich an den Quellen zu sein. Falls dann etwas auftauchen sollte – ich glaube das wird sich in Zukunft nie verhindern lassen – können wir schnell reagieren.

Sie haben vorher angesprochen, dass die Firmen-Kunden sehr viel Wert auf Datenschutz und die Verschlüsselung, sowie "Internet made in Germany" legen. Wie sieht es bei den Testern aus? Besteht hier ebenfalls eine erhöhte Sicherheits-Nachfrage nach dem Snowden-Skandal? Es geht hierbei ja um sehr persönliche Daten ...

Unsere Tester sind bei uns auf dem gleichen Level an Sicherheit wie unsere Firmenkunden. Sie geben bei uns schließlich sensible Daten wie Bankverbindung oder Paypal und ihre sozidemographischen Eigenschaften im Profil preis. Alter, Einkommen, das Alter der Kinder und viele Details, die man selbst auf Facebook nicht angibt, sind bei uns gespeichert. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Daten schützen. Das ist einer unserer Kernpunkte, auf den wir bereits bei der Tester-Registrierung hinweisen: "Eure Daten liegen sicher in Deutschland, nirgendwo anders und sie werden mit niemand anderem geteilt, auch nicht mit unseren Kunden".

Herr Benkler, vielen Dank für das Interview.

Zur Person:
Philipp Benkler ist Gründer und einer der Geschäftsführer des Internet-Starups "Testbirds", auf deren Web-Plattform können Firmen ihre Apps und Webseiten von tausenden Nutzern testen lassen. Das Unternehmen mit Sitz in München wurde 2009 gegründet und ist unter www.testbirds.com im Netz zu finden.