Was günstige Tablets aus China leisten, ob sie eine Alternative zu Markengeräten sind und worauf Sie beim Kauf achten sollten, erfahren Sie im folgenden Kurztest.

Top-Technik ist bei Smartphones und Tablets ein wichtiges Kaufargument. Neue Modelle sind entsprechend teuer. Unbekannte Geräte aus China wirken aufgrund ihrer niedrigen Preise entsprechend verlockend. Doch das vermeintliche Schnäppchen entpuppt sich angesichts hoher Versand- und Zollgebühren oft als Windei. Der Versand dauert ewig oder der asiatische Händler liefert schlimmstenfalls gar nicht. Doch auch aus anderen Gründen kann die anfängliche Euphorie schnell umschlagen.

Risiken bei Bestellungen aus China

Chinesische Onlinehändler unterliegen nicht dem deutschen Handelsrecht. Für die Bezahlung gibt es mehrere Wege, wobei Kreditkarten wohl am häufigsten genutzt werden. Mit Diensten wie Western Union oder Moneygram lässt sich Bargeld transferieren - im Gegensatz zu PayPal allerdings ohne Käuferschutz! Ansonsten bieten Giropay oder Sofortüberweisung.de sichere Zahlungswege.

Leistungsstarke und günstige Geräte

Anschlussmöglichkeiten satt: Micro-USB, Mini-HDMI, Micro-SD-Karten-Slot sowie Audioklinke und Stromanschluss beim Chuwi V99.

Mit dem V99 von Chuwi und dem Novo 7 Venus von Ainol vergleichen wir zwei Tablets aus dem chinesischen Online-Shop Merimobiles. Während das V99 seit Anfang März 2013 für 186,96 Euro angeboten wird, ist das Novo 7 bereits für 107,71 Euro zu haben. Bedenkt man, dass ein vergleichbares iPad 500 Euro kostet, erscheint dieser Preis geradezu spottbillig. Ähnlichkeiten im Design von V99 und iPad sowie zwischen Novo 7 und Nexus 7 sind unübersehbar. Das ist gewollt, da die Geräte vom Erfolg ihrer Vorbilder profitieren sollen.

Im chinesischen Online-Shop bestellen:

Der Bestellvorgang läuft nicht anders als in jedem anderen Online-Shop ab. Die Versandkosten hängen von der gewünschten Liefergeschwindigkeit ab. Manchmal ist der Versand weltweit kostenfrei, er kann dann allerdings bis zu 21 Tage dauern. Mit DHL Express sind bei einem Bestellwert von 294,67 Euro für beide Tablets 323,90 Euro zu berappen. Die Geräte werden im Gegenzug nach spätestens sechs Werktagen geliefert.

ModellbezeichnungApple iPad 4Chuwi V99Google Nexus 7Ainol Novo 7 Venus
ProzessorApple A6XAllwinner A31Nvidia Tegra 3Actions ATM7029
CPU-Kerne, -Takt2x, 1,4 GHz4x, 1,5 GHz4x, 1,3 GHz4x, 1,1 GHz
GrafikPower VR SGX544Power VR SGX544Nvidia Geforce ULPVivante GC1000
Arbeitsspeicher1 GB DDR22 GB DDR31 GB DDR31 GB DDR3
Interner Speicher16 bis 128 GB16 bis 32 GB8 bis 32 GB16 GB
Display, DiagonaleIPS, 9,7 ZollIPS, 9,7 ZollIPS, 7 ZollIPS, 7 Zoll
Display-Auflösung2048 x 1536 Pixel2048 x 1536 Pixel1280 x 800 Pixel1280 x 800 Pixel
BetriebssystemiOS 6.0.1Android 4.1.1Android 4.1Android 4.1.1
Akku11 560 mAh10 000 mAh4325 mAh4000 mAh
Kamera(s)

Vorderseite: 5 Megapixel

Rückseite: 1,2 Megapixel

Vorderseite: 2 Megapixel

Rückseite: 5 Megapixel

Vorderseite: 1,2 Megapixel

Vorderseite: 0,3 Megapixel

Rückseite: 2 Megapixel

Gewicht652 Gramm612 Gramm340 Gramm335 Gramm

Zoll und Steuern in Deutschland

Grenzwertige Verarbeitung und klapprige Adapter.

Zwar fallen in Deutschland für Smartphones, Tablets und andere elektronische Geräte keine Zollgebühren an, dafür aber eine Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) von 19 Prozent. Diese richtet sich nach dem deklarierten Warenwert. Viele Shops möchten die Konsumenten vor hohen Zollgebühren schützen und untertreiben beim Warenwert. So ist es auch bei uns, wo lediglich zwei E-Book-Reader für umgerechnet 32 Euro (42 US-Dollar) deklariert werden.

Wir kommen mit 22,45 Euro weg, weil der Zoll das Paket nicht geöffnet hat. Die Zollformalitäten werden weitestgehend vom Expressversender übernommen, der die Gebühren bei der Auslieferung kassiert. Doch Achtung: Wenn der Zoll auf falsch deklarierte Geräte stößt, werden diese oft als Plagiat eingestuft und vernichtet. Es empfiehlt sich, den Händler zur korrekten Warendeklaration aufzufordern. Unter dem Strich zahlten wir für Zoll und Versand 51,68 Euro, insgesamt also 346,35 Euro.

Kurztest beider China-Tablets

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Das sind die neuen iPads

Wir stellen iPad Air und iPad Mini ihren Vorgängern gegenüber.

Beide Geräte sind offensichtlich nicht sonderlich gut verarbeitet und knarren gelegentlich. Die beigefügten deutschen Steckdosenadapter wirken auch nicht sehr vertrauenswürdig.

Die englische Android-Oberfläche lässt sich nach dem Start auf Deutsch umstellen. Beide Geräte reagieren recht träge, Ruckler sind die Folge. Im Sunspider-Benchmark schneidet die chinesischen Kopien von iPad 4 und Nexus 7 schlecht ab. Das V99 kommt auf 2115,4 Millisekunden, das Vorbild iPad 4 benötigt für den Testlauf lediglich 958,4 Millisekunden. Das Novo 7 Venus genehmigt sich 2738,1 Millisekunden, Googles Nexus 7 schneidet mit 1748,7 Millisekunden deutlich besser ab. Die Qualität der Bildschirme ist hingegen akzeptabel, beide bieten einen stabilen Blickwinkel.

Hinweise zum Support

Die Gewährleistung wird in der Regel für ein Jahr übernommen. Bei Problemen müssen Sie das Gerät auf Ihre Kosten nach China zurückschicken und im Extremfall monatelang auf die Reparatur warten. Manchmal ist auch ein prozentualer Anteil vom Warenwert fällig. Anrufe und Mails bleiben leider bei vielen Shop-Betreibern unbeantwortet.

Unser Fazit

Das Nexus 7 wird von Asus in China gefertigt. Ainol unterbietet den gerechtfertigten Preis noch einmal um rund 100 Euro.

Die Bestellung von Power-Tablets aus China birgt Risiken: Zusatzkosten lauern und die Verarbeitung der Geräte lässt ebenso zu wünschen übrig wie die Abstimmung von Android auf die Hardware. Die Preise sind billig - die Qualität der Tablets aber leider auch.

Allenfalls für Bastler, App-Entwickler oder als Zweit-Tablet sind die China-Geräte zu empfehlen. Über die Community sind teilweise gut programmierte Custom-ROMs erhältlich. Ist das Betriebssystem gut angepasst, laufen die Tablets besser und lassen sich sogar auf die neueste Android-Version upgraden. © IDG