Nordkorea versteht keinen Spaß - nicht nur im übertragenen, sondern auch im eigentlichen Sinn. Diktator Kim Jong-Un stellt in regelmäßigen Abständen unter Beweis, dass er mit Humor nicht umgehen kann - und das führt zu Missverständnissen mit komischen bis weitreichenden Folgen, wie der Fall des Films "The Interview" zeigt.

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un duldet keinen Kratzer an seinem selbsterdachten Saubermann-Image. Das wollten die Macher der Nordkorea-Satire "The Interview" verdeutlichen - und bekommen nun die Konsequenzen zu spüren. In dem Kinofilm reisen die beiden US-Journalisten Dave (James Franco) und Aaron (Seth Rogen) in das asiatische Land, um ein Interview mit Kim Jong-Un zu führen. Sie haben dabei den CIA-Auftrag ihn zu töten. Bereits vor der Kino-Premiere löste der Film einen wahren Cyber-Krieg aus. Die Server von Sony Pictures wurden gehackt. Die USA machen Nordkorea für den Angriff und die anschließende Terror-Drohung verantwortlich. Denn das Regime hatte im Vorfeld bereits verbal scharf geschossen.

"Falls die US-Behörden die Vorführung des Films (The Interview) dulden und fördern, werden sie damit zu einer strikten und gnadenlosen Gegenmaßnahme eingeladen", hatte das nordkoreanische Außenministeriums bereits im Juni gewettert. Die Aussage hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der aktuellen Droh-Botschaft der Sony-Hacker via CNN: "Soon all the world will see what an awful movie Sony Pictures Entertainment has made. The world will be full of fear. Remember the 11th of September 2001"(dt. "Bald wird die Welt sehen, welch schlechten Film Sony Pictures Entertainmentgemacht hat. Die Welt wird voller Angst sein. Gedenkt dem 11. September 2001.")

Sie scannen die Umgebung und können alles fotografieren und filmen, was ihr Träger sieht: Datenbrillen wie Google Glass sollen das nächste große Ding werden. Doch die Nutzungsszenarien der Internetbrillen sind beängstigend. Datenschützer sehen die Privatsphäre gefährdet und schlagen Alarm.

Augenzwinkern nicht verstanden: "The Interview"

Bereits im Juli 2014 rief Kim die Vereinten Nationen auf, den Film sofort zu verbieten. Seine Forderung begründete er damit, dass es sich bei "The Interview" um einen Terrorakt und eine Kriegshandlung gegen Nordkorea handle. Sony Pictures bemühte sich rechtzeitig einzulenken und nahm laut der Webseite "schnittberichte.com" einige Änderungen an dem Film vor. Zudem war geplant auch Schlüsselszenen im Film zu bearbeiten, um den ironischen Aspekt weiter auszubauen.

Mit diesen 15 Tools wahren Sie Ihre Anonymität im Netz.

Produzent Seth Rogen hatte sich allerdings fest vorgenommen den Film nicht unnötig stark zu beschneiden. Damit sollte der Eindruck vermieden werden, dass man sich den Nordkoreanern anbiedern wolle. Inzwischen hat Sony Pictures den Kino-Start am 25. Dezember 2014 aufgrund der Gewalt-Drohungen der Hacker in den USA komplett abgesagt.

"The Interview" ist dabei kein Einzelfall, auch in der Vergangenheit hatte der Diktator mit Humor so seine Probleme.

Kritik an Kims Frisur löst Staatsaffäre aus

Im eigenen Land gilt der Kim Jong mit seinem Kurzhaarschnitt als echte Stilikone. Die staatliche Zeitung "Rondong Sinmun" feierte die Frisur mit Synonymen wie "Jugend" und "Ambition".

Doch eine witzig gemeinte Werbekampagne auf Kosten des Diktators im April 2014 muss für den stilbewussten Machthaber wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein: Ein Londoner Friseur-Salon hatte als PR-Gag mit einem Foto des Diktators und dem Slogan "bad hair day? 15 Percent off" (dt. "Tag der schlechten Frisuren, 15 Prozent Rabatt") geworben. Nordkorea empfand die humorvolle Werbeaktion als Respektlosigkeit und beschwerte sich offiziell beim englischen Außenministerium in London. Daraufhin verschwand das "provokante" Poster, der Laden wurde geschlossen.

Mit seinem mangelnden Verständnis von Humor steht der Jung-Diktator allerdings in guter Tradition: Bereits sein verstorbener Vater Kim Jong-Il hatte laut der Parteizeitung "mit seiner Jacke-Hose-Kombination einen weltweiten Modetrend ausgelöst". Wie sich später herausstellte berief sich das Propagandaorgan dabei allerdings auf eine Satiremeldung.

(mit Material der dpa)