Dragon Age: Inquisition im ausführlichen Preview.

Dragon Age: Origins hatte es nicht leicht. Kann der Nachfolger Inquisition dafür sorgen, dass das einst hervorragende Image der Serie doch noch gerettet werden kann?

Aus Fehlern sollte man lernen

Bioware, der Entwickler hinter legendären Spielen wie Baldur's Gate, ist sich über den Unmut der Fans in Bezug auf Origins durchaus im Klaren. Sehr bewusst möchte man mit Dragon Age: Inquisition daher all die Fehler ausbügeln, um Fans und auch neue Spieler gleichermaßen zufriedenzustellen. Dafür hat man dann auch gleich einen neuen Chef ins Boot geholt: Aaryn Flynn soll dafür sorgen, dass die teils gravierenden Schwächen von Origins nicht noch einmal für ein zwar gutes, aber nicht eben herausragendes Erlebnis sorgen. Anschaulich wird das beispielsweise anhand des Kampfsystems.

Dragon Age: Inquisition im ausführlichen Preview.

In Dragon Age: Inquisition darf der Spieler während eines Gefechts nun wieder das Spiel pausieren und die Kamera nach Belieben rotieren, senken und schwenken. Während dieser Denkpause können Befehle gegeben werden, die dann - dank der beweglichen Kamera - auch sehr präzise an bestimmten Orten ausgeführt werden. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, nur einen einzigen Charakter in der maximal vierköpfigen Gruppe zu steuern. Die anderen drei Mitstreiter erhalten allerdings im Voraus sehr präzise wählbare Befehle, so dass - mit ein wenig Aufwand - jede Situation im Voraus mit einer entsprechenden Gegenhandlung quittiert werden kann. In der Praxis spielt sich Dragon Age: Inquisition dadurch überaus strategie- und taktikorientiert, von der reichhaltigen, aber doch nicht besonders zum Nachdenken anregenden Action aus dem Vorgänger ist nicht mehr viel zu spüren.

Kein Spiel für den Durchschnitt

Die Abkehr von einer allzu Casual-orientierten Gameplay-Mechanik möchte Bioware auch durch andere Features sicherstellen. Beispielsweise werden tote Partymitglieder nach einem Kampf zwar automatisch wiederbelebt, aber dafür erhalten sie nur einen Bruchteil ihrer eigentlichen Lebensenergie. Dafür könnte man dann zwar Heiltränke nutzen, aber die gibt es nur selten zu finden. Wer den Ausweg über Zaubersprüche für die Heilung sucht, wird ebenfalls enttäuscht, denn das dafür notwendige Mana regeneriert sich nur langsam. Wie man sieht, gibt es in Dragon Age: Inquisition für beinahe jede Frage eine "Ja, aber…"-Antwort. Die Fans von Baldur's Gate und Co. dürfte das freuen, wie der typische Wochenend-Spieler damit umgeht, bleibt abzuwarten.

Wer sich über- oder unterfordert fühlt, darf das Spielgeschehen aber auch einfach durch die variablen Schwierigkeitsgrade anpassen. Wie viele es davon in das fertige Spiel schaffen, ist noch nicht klar - aber nach Aussagen der Entwickler sollen es "einige" sein. Die können zu Spielbeginn ebenso gewählt werden wie die Klasse, wovon es wieder Schurken, Krieger und Magier geben wird. Spezialisierungen und zahlreiche Rassen wie Orks, Zwerge und Elfen stehen ebenfalls zur Auswahl, dazu kommen die bislang kaum bekannten Qunari. Das sollte genügen, um das Spielziel von Dragon Age: Inquisition zu erreichen - aber was genau ist das überhaupt?

Drachen? Dämonen? Thedas?

Über die Story von Dragon Age: Inquisition ist nach wie vor nicht viel bekannt, und wahrscheinlich wird Bioware bis zum Release daran auch nichts ändern. Zu Beginn wird ein Riss in das sogenannte Nichts geöffnet (welches in der Originalversion stimmiger als Fade bezeichnet wird), dann gelangen zahlreiche Dämonen nach Thedas und die Bewohner dieser Welt schieben sich gegenseitig die Verantwortung und die Schuld an dem Unglück zu. Der Spieler - in Form eines Inquisitors - soll diese Risse wieder schließen. Woher sie kommen, wer sie erschaffen hat und wie die Aufgabe zu bewerkstelligen ist, haben die Entwickler noch nicht bekanntgegeben. Das wäre in einem Rollenspiel, das nun einmal von seiner Story lebt, aber wohl auch ein falscher Schritt.

Um die eigentliche Handlung voranzutreiben, ist wie immer das Erfüllen von Quests notwendig. Dadurch wird die eigene Fraktion - also die Inquisition - stärker, was sich auch optisch und spielerisch auf Dragon Age: Inquisition auswirkt. Skyhold, welches praktisch als Heimatstadt für den Spieler dient, verändert sich im Laufe des Spiels. Neue Soldaten kommen an, Räume verändern sich und können dekoriert werden, Gärten erscheinen rund um die Burg, wo etwa Kräuter angepflanzt werden dürfen. Die Handlungen des Spielers wirken sich also nicht nur auf die Story, sondern auch zahlreiche Nebenbereiche aus, was Erinnerungen an Spiele wie Mass Effect weckt. Gleichzeitig ist diese Lösung spielerisch natürlich ein kluger Schachzug: Um dem Helden das Gefühl zu geben, wirklich etwas zu bewegen, gibt es wohl kaum ein besseres Mittel als eine in den Himmel ragende Festung, welche im Laufe von Dragon Age: Inquisition zu immer größeren Dimensionen anwächst.

Offene Welten, altbekannte Gefährten

Insgesamt werden wahrscheinlich neun weitere Mitglieder um den Bund des Spielers hinzustoßen, vier von ihnen dürfen sich gleichzeitig auf den Weg machen. Dazu gehören Personen aus Dragon Age: Origins, wie etwa Cassandra oder Varric, die meisten der Mitstreiter sind allerdings neu. Von der zarten Bogenschützin bis zum Haudrauf, der gerne an vorderster Front steht, soll für jeden Geschmack etwas dabei sein. Überhaupt möchte Dragon Age: Inquisition vor allem in jeder Hinsicht groß sein, was beispielsweise an der Spielwelt deutlich werden soll. Skyrim etwa möchte man übertrumpfen, wenn sich der Vergleich auch aufgrund der einzelnen Abschnitte aus Inquisition nicht gänzlich anbietet. Eine Gegenüberstellung kann aber helfen: Durchschnittlich ist jedes Gebiet etwa drei Mal so groß wie Korcari, welches in Origins noch das größte Areal überhaupt war.

Beim Spielen sorgt das für ein angenehm offenes Gefühl einer lebendigen Welt. Ja, wir könnten uns jetzt zwar der eigentlichen Story widmen - aber warum gehen wir nicht in den Wald, erlegen ein Wildschwein und nehmen uns dessen Leder vor, um daraus neue Ausrüstungsteile zu basteln? Hier gibt es Pflanzen zu pflücken, dort wartet eine dunkle Höhle auf eine Erkundungstour. Wir möchten an dieser Stelle zwar keine Spielzeitprognose wagen, aber angesichts des enormen Umfangs von Dragon Age: Inquisition würde es wohl niemanden wundern, wenn gut und gerne hundert Stunden in das Rollenspiel versenken könnte.

Versöhnung mit den Fans?

Es sieht ganz so aus, als ob der Reboot klappen könnte: Interessante Charaktere, mehr Taktik und Tiefgang, eine schöne und lebendige Spielwelt und eine - hoffentlich - dauerhaft motivierende Story sind die Eckdaten von Dragon Age: Inquisition. Ob das Spiel wirklich langfristig überzeugen kann, werden Besitzer von PlayStation 3 und 4, Xbox 360 und One und PC ab dem 21. November herausfinden können.© IDG