Berlin (dpa/tmn) Seitdem sich Smartphones und Tablets nicht mehr nur für Schnappschüsse, sondern auch für ganz ansehnliche Filmaufnahmen eignen, haben es die Hersteller von Camcordern schwer.

In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres ging deren Absatz nach Angaben des Consumer Electronics Marktindex Deutschland (CEMIX) um knapp sechs Prozent zurück. Nur noch etwa 440 000 Geräte gingen über den Ladentisch. Eine spezielle Kategorie der Camcorder, die erst unter extremen Einsatzbedingungen wie etwa im Schnee, unter Wasser oder am Fahrradlenker aufblüht, boomt hingegen seit einiger Zeit: Action-Cams.

"Action-Cams sind in erster Linie dafür gedacht, um Sportaufnahmen zu machen - deshalb haben sie keinen Zoom und sind sehr kompakt", erklärt Joachim Sauer von der Fachzeitschrift "Videoaktiv". Natürlich kann man mit einer Action-Cam auch normale Ereignisse filmen, jedoch ist im Vergleich zum Camcorder die Bildstabilisierung unterlegen, eine Vorschau des aufgezeichneten Materials ist auch selten möglich. "Gar nicht geeignet sind sie für Audio-Aufnahmen", sagt Markus Bautsch von der Stiftung Warentest. Er bemängelt auch die wenigen Einstellungsmöglichkeiten. Bei normalen Aufnahmen sorgt außerdem der extreme Weitwinkel der kleinen Kameras für Probleme. Dadurch entstehen nämlich deutlich verzeichnete Aufnahmen. Senkrechte Linien etwa erscheinen dann stark gebogen. Erst mit geeigneter Schnittsoftware lässt sich dieses Manko beheben.

Vom Prinzip her unterscheidet sich das Filmen mit einem Action-Camcorder nicht von der Arbeit mit einem herkömmlichen Gerät. "In der Regel haben Action-Cams zwei bis drei unterschiedliche Winkeleinstellungen für die Optik. Bei Action-Cam-Aufnahmen nutzt man gewöhnlich die maximale Weitwinkeleinstellung, damit das Bild ruhiger wirkt", betont Sauer. Sein Tipp: Bei Sportaufnahmen vom Rand aus mit weniger Wacklern sollte man die Weitwinkel-Einstellung reduzieren - dann haben die Aufnahmen weniger unschöne Bildverzeichnungen.

Außerdem gilt: "Nur Aufnahmen aus der Sportlersicht wirken oft langweilig - man sollte also andere Perspektiven suchen und eine Geschichte um den Sport stricken." Es können also durchaus andere Ereignisse als rasante Abfahrten oder Tauchgänge aufgezeichnet werden. Dann bieten sich zu Hause beim Zusammenschneiden des Rohmaterials zu einem fertigen Streifen mehr Optionen, und es entsteht eine spannendere und abwechslungsreichere Handlung für den Zuschauer.

Vor dem Kauf eines handlichen Outdoor-Camcorders sollte man sich mit der Ausstattung und den technischen Spezifikationen beschäftigen. Der Experte rät zu Full-HD-Auflösung (1920 zu 1080 Pixel) mit 50 Vollbildern, oft abgekürzt in den Datenblättern mit "1080p50". Action-Cams mit der Möglichkeit, von der hier üblichen PAL-Norm zu NTSC zu wechseln und mit 60 Vollbildern aufzuzeichnen, eignen sich für das Filmen bei Kunstlicht. "Die jeweiligen Bildwiederholraten passen besser zur jeweiligen Stromnetzfrequenz, und man bekommt kein unschönes Bildflackern bei Aufnahmen mit Beleuchtung", erklärt Sauer. Allerdings sollte man sich vorher für eine dauerhafte Einstellung entscheiden, denn beim Kombinieren von Material mit 50 und 60 Bildern pro Sekunde entstehen im Schnitt unschöne Bewegungsabläufe.

Bislang verzichtbar ist eine Auflösung jenseits von Full-HD: Den neuen Standard Ultra-HD, der die Darstellung von bis zu 3840 zu 2160 Bildpunkten unterstützt, hält Sauer derzeit für ein "Marketing-Zugpferd".

Optimal einsatzfähig für jedes Szenario werden die kleinen Outdoor-Camcorder erst mit den geeigneten Halterungen für Fahrradlenker, Helm oder Fahrzeug-Karosserie. "Es gibt eigentlich einen Standard, der von GoPro geprägt wurde, aber allgemein von den meisten Herstellern genutzt wird", so Sauer. Allerdings sei es keine Seltenheit, dass die Halterungen zwar kompatibel aussehen, aber dann doch ein anderes Gewinde haben oder die Schnellkupplungen zu viel Spiel aufweisen und somit eigentlich unbrauchbar sind. Wackeln soll die Kamera ja schließlich nicht. Deshalb ist das klassische Stativgewinde an den Action-Cams die beste Lösung. Die Stiftung Warentest legt Tauchern und Surfern ein spezielles Schutzgehäuse aus Acryl ans Herz. Je nach Modell sind Tauchtiefen bis zu 60 Meter möglich, der Preis liegt bei rund 40 Euro.© dpa