Warlords of Draenor soll WoW-Fans bei der Stange halten.

Keine neuen Klassen, Rassen oder Berufe, dafür aber eigene Häuser und bessere Grafik - reicht das, um die World-of-Warcraft-Spieler vom Kauf des bereits fünften Addons für das MMORPG zu überzeugen?

Vertrautes Gefühl

Wie der Name schon sagt, verschlägt es die Helden des Warcraft-Universums dieses Mal in das Land Draenor. Das dürfte zumindest Spielern, die schon seit The Burning Crusade dabei sind, bekannt vorkommen: Es handelt sich um dieselbe Welt, die damals schon in Scherben lag - nur dass jene Scherben nun beseitigt sind und wir einen Einblick in diese Gebiete erhalten, als sie noch weitgehend unberührt und intakt waren. Gebiete wie das Schattenmondtal sind nicht mehr von Dämonen überrannt und von grüner Lava durchflossen. Stattdessen erinnert das Areal an einen malerischen Wald, der auch für Urlaubskarten geeignet wäre. In Cataclysm ist Blizzard einen ähnlichen Weg des Recyclings gegangen, beschwert hatte sich niemand.

Warlords of Draenor soll WoW-Fans bei der Stange halten.

Eine Story gibt es übrigens auch: Da Garrosh Hellscream am Ende des letzten Addons Mists of Pandaria fliehen konnte, hatte er auch genügend Zeit, sich ein geeignetes Ziel zu suchen - in diesem Fall Draenor. Dort möchte er seinen Vater Grommash überreden, in Azeroth einzufallen, helfen soll dabei die sogenannte Eiserne Horde. Der Spieler kann das natürlich nicht zulassen und setzt dabei auf prominente Hilfe in Form von Thrall und Khadgar, die ebenfalls die Reise nach Draenor antreten, um Garrosh an seinem Plan zu hindern. So beginnt Warlords of Draenor - und wie es aufhört, werden wir wahrscheinlich erst in einigen Monaten erfahren.

Gemeinsam sind wir (hoffentlich) stark

Horde und Allianz begegnen sich in Warlords of Draenor am Anfang noch auf Augenhöhe, in einem Dschungel namens Tanaan wird munter drauflos geprügelt. Allein sind die beiden Fraktionen dabei nicht: Draenei aus dem angesprochenen Schattenmondtal helfen aus, freundliche Orks vom Frostfeuergrat sind für eine Keilerei auch immer zu haben. Nach dem anfänglichen Scharmützel trennen sich die Wege der beiden wichtigen Fraktionen im Spiel aber zusehends, so dass sich Allianz und Horde hinsichtlich der Quests letztendlich recht unterschiedlich spielen. Diese Quests fallen dabei allesamt Blizzard-typisch aus: Warlords of Draenor zeigt die bekannten "Töte X Monster"-Aufgaben ebenso wie einige originelle Einfälle. Schwerwiegende Bugs sollte es dabei zum Release nicht mehr geben.

Übrigens finden jene Quests in einem unglaublich weitläufigen Gebiet statt: Draenor ist in seinen Ausmaßen fast schon gigantisch , das Flugverbot verstärkt diesen Eindruck nur. Die Spieler dürfen die neuen Areale nämlich nicht mit Flugtieren besichtigen und sind somit an den Boden gekettet. Es ist jedoch sehr gut möglich, dass dieses Verbot in naher Zukunft aufgehoben wird. Optisch gibt es jedoch keinen Anlass zur Kritik: Nach fast zehn Jahren - in den USA erschien World of Warcraft im November 2004 - hat Blizzard endlich die angestaubte Optik des MMORPGs aufpoliert. Das Resultat sind schönere Gebiete und vor allem deutlich hübschere Charaktere, die nun über neue Animationen und detailliertere Gesichter verfügen. Als Ausgleich steigen natürlich auch die Systemanforderungen ein wenig - ein Makel, mit welchem die meisten Spieler wohl leben können.

Hier bleibe ich!

Bislang war der Spieler in World of Warcraft praktisch ein Nomade ohne dauerhafte Behausung. In Warlords of Draenor ändert sich das: Die Garnisonen halten Einzug in das Spiel. Damit wird jeder Spieler bereits recht früh konfrontiert, ein typisches Endgame-Feature sind sie also nicht. In der Geschichte des Spiels haben Garnisonen einen Platz, indem erklärt wird, dass wir dadurch den erwähnten Schattenmondklan oder auch die Orks vom Frostfeuergrat unterstützen. Die Ausmaße dieser Garnisonen sind recht imposant: Vom kleinen Zeltlager für Freunde bis hin zu recht großen Dörfern, die an die seligen Zeiten von Warcraft 3 erinnern, ist alles dabei - und einen Sinn und Zweck haben die Garnisonen übrigens auch.

Zu Beginn dürfen wir auswählen, ob wir kleine, mittlere oder große Häuser platzieren. Diese wiederum bieten uns neue Gegenstände oder Ressourcen, die dann in bessere Häuser investiert werden dürfen. Eine Kaserne dient beispielsweise dazu, Soldaten auf Missionen zu schicken (und diese Soldaten wiederum erhalten wir durch das Erfüllen von Quests). An dieser Stelle hat sich Blizzard von The Old Republic inspirieren lassen: Wie in dem Star-Wars-MMO entsenden wir unsere Gefolgsleute und warten dann bis zu 30 Minuten. Mitverfolgen können wir ihre Schlachten nicht direkt, erst am Ende erfahren wir, ob der Kampf erfolgreich war oder nicht. Die restliche Gameplay-Mechanik der Garnisonen folgt in dem zu erwartenden Rahmen: Erfolgreiche Missionen gewähren Items oder Erfahrungspunkte, die Gebäude werten sich nach einer Weile von selbst auf, es gibt aber auch spezielle Baupläne für bessere Behausungen zu entdecken, der Platz ist begrenzt und muss gut ausgenutzt werden und so weiter… Schade: Die Garnisonen ähneln eher einem (umfangreichen) Minispiel. Von den einstigen Plänen, wirklich selbstständig Häuser ausbauen zu können, fehlt jede Spur.

An den Stellschrauben gedreht

Ansonsten setzt Blizzard weiterhin auf die Stärken des MMORPGs und verfeinert diese - oder versucht es zumindest. Die absurden Dimensionen von Schaden und Heilung beispielsweise wurden durch eine niedrigere Skalierung gesenkt. Es gibt für jede Klasse außerdem eine neue Reihe an Talenten, welche auf Level 100 freigeschaltet wird. Weiterhin stutzt Blizzard die Fähigkeiten ein wenig zurecht: Einige Skills wurden kombiniert, entfernt oder in passive Varianten umgewandelt, neue Zauber gibt es bis zum Erreichen des maximalen Level gar nicht. Eine weitere große Änderung betrifft die Raids, welche nun in drei Schwierigkeitsstufen anzutreffen sind: Der neue mythische Grad ist für eingesessene Raiding-Gilden gedacht und verlangt immer genau 20 Mitglieder. Die normale und die heroische Stufe hingegen sind weiterhin für bis zu 25 Personen verfügbar und deutlich einfacher. Es bleibt abzuwarten, ob die wirklich guten Gilden weiterhin eine Herausforderung in Warlords of Draenor sehen.

Weitaus umfangreicher fallen die Änderungen an den Attributen aus: Beweglichkeit und Intelligenz erhöhen beispielsweise die Chance auf einen kritischen Treffer nicht mehr, stattdessen gibt es dafür einen neuen, passiven Wert. Der Trefferwert selbst wurde ebenfalls komplett gestrichen, stattdessen gibt es einige neue Sekundärwerte - was unter anderem zur Folge hat, dass einfach jeder Charakter eine hundertprozentige Trefferwahrscheinlichkeit besitzt. Die Überarbeitung fällt noch deutlich umfangreicher aus, eine genaue Beschreibung würde an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen. Wer sich dafür interessiert, darf aber gerne in die offiziellen Patchnotes schauen, in denen die Änderungen detailliert erklärt werden.

Und neuer Content?

Der wird natürlich auch geboten: Warlords of Draenor beinhaltet sieben neue Areale (wovon einige, wie erwähnt, "nur" Überarbeitungen von Inhalten aus The Burning Crusade sind) und ein Gebiet, das nur auf den PvP-Kampf ausgelegt ist. Weiterhin wartet dieselbe Anzahl an Dungeons für Gruppen von bis zu fünf Spielern, eine besonders schwere Version des Klassikers UBRS hat es ebenfalls in das Programm geschafft. Wer lieber mit größeren Gruppen loszieht, darf sich in den zwei neuen Raids versuchen. Weiterhin gibt es einige neue Szenarien zu bereisen und vier Bosse zu erlegen, die frei über das Land streifen - und auch der seit längerer Zeit angekündigte Zuschauermodus für die Arena hat es endlich in das MMORPG geschafft. Die restlichen Änderungen bewegen sich im Bereich von "Gut, aber…": Beispielsweise können die Taschen nun automatisch sortiert werden. Für Blizzard ist das zwar neu, aber Interface-Addons beherrschen dieses Feature schon seit Jahren…

Fazit

Warlords of Draenor wird für WoW-Spieler ohnehin zum Pflichtkauf und den Rest der Spielergemeinschaft wird die Erweiterung wahrscheinlich nicht interessieren. Blizzard liefert interessante neue Funktionen - wie die Garnisonen -, ohne jedoch ein wirkliches Killer-Feature präsentieren zu können. Spaß machen wird World of Warcraft aber weiterhin, wenn man das in die Jahre gekommene Spiel nach wie vor genießen möchte.© IDG