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20.02.2012, 16:25 Uhr

Richter beschlagnahmt Facebook-Account

Reutlingen (dpa) - Der Prozess ist eigentlich wenig spektakulär. Angeklagt ist ein 20-Jähriger, der einem Kumpel den entscheidenden Tipp für einen Einbruch gegeben haben soll. Und doch könnte gerade dieses ziemlich alltägliche Verfahren vor dem Reutlinger Amtsgericht Geschichte schreiben.

Denn um den Angeklagten zu überführen, hat der Richter den Facebook-Account des 20-Jährigen beschlagnahmt. Das - so sagen Experten - gab es in dieser Form wohl noch nie in einem deutschen Strafprozess. Ob es der Richter wirklich schafft, an die Facebook-Daten heranzukommen, ist zwar noch unklar. Aber sollte er Erfolg haben, könnte das soziale Netzwerk in Zukunft in sehr vielen Prozessen als Beweismittel eine Rolle spielen.

Der junge Mann auf der Anklagebank ist ein typisches Mitglied der Generation Facebook. "Al Capone" nennt er sich in dem sozialen Netzwerk. Doch nicht nur dieses Pseudonym hat die Ermittler stutzig gemacht: Sie vermuten, dass der 20-Jährige einem Freund über Facebook wichtige Informationen für den Einbruch im Wohnhaus einer befreundeten Familie geschickt haben könnte. Das wäre ein entscheidender Beweis, um den Angeklagten zu überführen.

Zwar spiele Facebook bei zahlreichen Ermittlungen schon jetzt eine Rolle, sagt Martin Schirmbacher, Berliner Fachanwalt für Informationstechnologierecht. Allerdings könnten die Ermittler meist nur die öffentlich zugänglichen Daten auf der Pinnwand einsehen. Wenn sich Facebook-Nutzer untereinander Nachrichten schicken, blieben diese vor den Augen der Strafverfolger verborgen.

"In den USA ist das schon anders. Da ist es gang und gäbe, dass Ermittler oder auch Anwälte Zugriff auf solche Daten bei sozialen Netzwerken erwirken", sagt der Stuttgarter Rechtsanwalt Carsten Ulbricht, der auf Internet und Social Media spezialisiert ist. Und das will der als IT-versiert geltende Reutlinger Richter nun auch schaffen. Dabei kann er auf Erfahrungen der deutschen Justiz mit dem Internet aufbauen. "Dass E-Mail-Accounts beschlagnahmt werden, kommt auch hier bei uns vor. Aber eher selten, denn das ist schon sehr aufwendig", sagt Ulbricht.

Auf Beschluss eines Richters muss der Betreiber dann E-Mails eines Verdächtigen an die Ermittler aushändigen. "Die deutschen Provider sind da sehr kooperativ - das müssen sie auch sein. Aber wenn es um einen Provider im Ausland geht, hat es die deutsche Justiz sehr viel schwerer", erklärt Schirmbacher.

Facebook

Der Austritt aus Sozialen Netzwerken ist häufig kompliziert - so geht's. >

Das merkt im Moment auch der Reutlinger Amtsrichter. Seine Anfrage bei Facebook Deutschland lief ins Leere. Nur die Kollegen in Irland hätten Zugriff auf die Daten des mutmaßlichen Einbrechers, hieß es in Hamburg. Bei Facebook in Deutschland würden nämlich gar keine Daten verarbeitet. Daher müssten sich alle Richter in der Europäischen Union an Facebook in Dublin wenden. Der Richter aus Reutlingen hat jetzt ein Rechtshilfeersuchen nach Irland geschickt. Das koste aber Zeit und Geld, sagt Ulbricht.

Genau auf dieses Argument hofft auch der Reutlinger Richter. Wenn er sich hohe Kosten für Nachforschungen im Ausland ersparen wolle, solle er den Ermittlern seinen Facebook-Account doch einfach freiwillig offenlegen, gab er dem 20-jährigen Angeklagten mit auf den Weg. Ob er das macht, wird sich beim nächsten Verhandlungstag am Donnerstag zeigen.

Einige Juristen würden sich aber wohl wünschen, dass die Auseinandersetzung mit Facebook einmal auf dem offiziellen Rechtsweg durchgefochten würde. Denn wenn der Richter damit Erfolg hätte, würde er wohl zum Pionier. "Dann wird es künftig wohl häufiger eine Beschlagnahme von Facebook-Accounts geben", schreibt Anwalt Thomas Stadler in seinem Blog www.internet-law.de.

Über kurz oder lang werde die Justiz aber ohnehin reagieren müssen, ist Ulbricht überzeugt. Gerade die jungen Leute schrieben kaum noch Mails, sondern kommunizierten vor allem über Facebook und andere Internet-Netzwerke. "Entsprechende Fälle werden damit auch die Justiz in Zukunft stärker beschäftigen."

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12 Meinungen zu "Facebook-Profil beschlagnahmt"

  • Jensor75
    Freitag, 16.03.2012, 17:20 Uhr
    achja ich finde es auch richtig klasse wenn der richter das packt. fb suckt
  • Jensor75
    Freitag, 16.03.2012, 17:19 Uhr
    Ich bin auch auf facebook zu finden, aber habe nur einen ganzen freund. bin wohl der einzigste auf der welt der nur einen freund auf fb hat. lol. das sagt nichts über meinen freundeskreis im rl aus. mfg aus kiel
  • Luluxand
    Mittwoch, 07.03.2012, 10:57 Uhr
    Facebook oder überhaupt soziale "Communities" sind ganz gut geeignet, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, die nicht gleich nebenan wohnen und die man nur sehr selten sieht. Man kann vermutlich auch neue Freunde finden - wobei ich alle, die bei mir von virtuellen zu realen Freunden wurden, eher in Foren kennengelernt habe als in einem sozialen Netzwerk. Bin selbst nicht bei Facebook, aber ich würde keinem, der dort angemeldet ist, absprechen, auch ein reales Leben zu haben. Hier haben möglicherweise Kriminelle die Möglichkeiten von Facebook genutzt, um Tipps untereinander auszutauschen. Na ja, ginge auch anders. Wenn ich wollte, könnte ich auch per PN hier bei GMX entsprechende Informationen weitergeben - wenn ich jemanden kennte, der sowas ausnutzen wollte.
  • mondschi
    Mittwoch, 07.03.2012, 08:29 Uhr
    Wie lange soll nun Facebook gesperrt sein?
  • tommamdmax
    Donnerstag, 01.03.2012, 15:40 Uhr
    Hallo Gemeinde, passt zwar nicht unbedingt zum Thema, hat aber was mit Facebook zu tun ! Ich bekomme seit gut zwei Tagen den Sicherheitscode nicht aufs Handy, habe mich an den Support gewand aber nur Automatikantwort. Ansonsten nix. LG
  • krille
    Dienstag, 28.02.2012, 10:10 Uhr
    Find ich gut,wenn der Richter es schafft sich gegen Facebook zu behaupten.Man muß Facebook die Flügel stutzen,sonst hebeln sie ja den ganzen Datenschutz aus.Ich mag diese ganzen SC's eh nicht und lebe real.
  • JayBeeXX
    Dienstag, 21.02.2012, 10:45 Uhr
    Soziale Netzwerke sind für alle da.... (lach)
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