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05.07.2013, 16:32 Uhr

Tablets "Made in China" im Test

Was günstige Tablets aus China leisten, ob sie eine Alternative zu Markengeräten sind und worauf Sie beim Kauf achten sollten, erfahren Sie im folgenden Kurztest.

Top-Technik ist bei Smartphones und Tablets ein wichtiges Kaufargument. Neue Modelle sind entsprechend teuer. Unbekannte Geräte aus China wirken aufgrund ihrer niedrigen Preise entsprechend verlockend. Doch das vermeintliche Schnäppchen entpuppt sich angesichts hoher Versand- und Zollgebühren oft als Windei. Der Versand dauert ewig oder der asiatische Händler liefert schlimmstenfalls gar nicht. Doch auch aus anderen Gründen kann die anfängliche Euphorie schnell umschlagen.

Risiken bei Bestellungen aus China

Chinesische Onlinehändler unterliegen nicht dem deutschen Handelsrecht. Für die Bezahlung gibt es mehrere Wege, wobei Kreditkarten wohl am häufigsten genutzt werden. Mit Diensten wie Western Union oder Moneygram lässt sich Bargeld transferieren - im Gegensatz zu PayPal allerdings ohne Käuferschutz! Ansonsten bieten Giropay oder Sofortüberweisung.de sichere Zahlungswege.

Leistungsstarke und günstige Geräte

Mit dem V99 von Chuwi und dem Novo 7 Venus von Ainol vergleichen wir zwei Tablets aus dem chinesischen Online-Shop Merimobiles. Während das V99 seit Anfang März 2013 für 186,96 Euro angeboten wird, ist das Novo 7 bereits für 107,71 Euro zu haben. Bedenkt man, dass ein vergleichbares iPad 500 Euro kostet, erscheint dieser Preis geradezu spottbillig. Ähnlichkeiten im Design von V99 und iPad sowie zwischen Novo 7 und Nexus 7 sind unübersehbar. Das ist gewollt, da die Geräte vom Erfolg ihrer Vorbilder profitieren sollen.

Im chinesischen Online-Shop bestellen:

Der Bestellvorgang läuft nicht anders als in jedem anderen Online-Shop ab. Die Versandkosten hängen von der gewünschten Liefergeschwindigkeit ab. Manchmal ist der Versand weltweit kostenfrei, er kann dann allerdings bis zu 21 Tage dauern. Mit DHL Express sind bei einem Bestellwert von 294,67 Euro für beide Tablets 323,90 Euro zu berappen. Die Geräte werden im Gegenzug nach spätestens sechs Werktagen geliefert.

Modellbezeichnung Apple iPad 4 Chuwi V99 Google Nexus 7 Ainol Novo 7 Venus
Prozessor Apple A6X Allwinner A31 Nvidia Tegra 3 Actions ATM7029
CPU-Kerne, -Takt 2x, 1,4 GHz 4x, 1,5 GHz 4x, 1,3 GHz 4x, 1,1 GHz
Grafik Power VR SGX544 Power VR SGX544 Nvidia Geforce ULP Vivante GC1000
Arbeitsspeicher 1 GB DDR2 2 GB DDR3 1 GB DDR3 1 GB DDR3
Interner Speicher 16 bis 128 GB 16 bis 32 GB 8 bis 32 GB 16 GB
Display, Diagonale IPS, 9,7 Zoll IPS, 9,7 Zoll IPS, 7 Zoll IPS, 7 Zoll
Display-Auflösung 2048 x 1536 Pixel 2048 x 1536 Pixel 1280 x 800 Pixel 1280 x 800 Pixel
Betriebssystem iOS 6.0.1 Android 4.1.1 Android 4.1 Android 4.1.1
Akku 11 560 mAh 10 000 mAh 4325 mAh 4000 mAh
Kamera(s)

Vorderseite: 5 Megapixel

Rückseite: 1,2 Megapixel

Vorderseite: 2 Megapixel

Rückseite: 5 Megapixel

Vorderseite: 1,2 Megapixel

Vorderseite: 0,3 Megapixel

Rückseite: 2 Megapixel

Gewicht 652 Gramm 612 Gramm 340 Gramm 335 Gramm

Zoll und Steuern in Deutschland

Zwar fallen in Deutschland für Smartphones, Tablets und andere elektronische Geräte keine Zollgebühren an, dafür aber eine Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) von 19 Prozent. Diese richtet sich nach dem deklarierten Warenwert. Viele Shops möchten die Konsumenten vor hohen Zollgebühren schützen und untertreiben beim Warenwert. So ist es auch bei uns, wo lediglich zwei E-Book-Reader für umgerechnet 32 Euro (42 US-Dollar) deklariert werden.

Wir kommen mit 22,45 Euro weg, weil der Zoll das Paket nicht geöffnet hat. Die Zollformalitäten werden weitestgehend vom Expressversender übernommen, der die Gebühren bei der Auslieferung kassiert. Doch Achtung: Wenn der Zoll auf falsch deklarierte Geräte stößt, werden diese oft als Plagiat eingestuft und vernichtet. Es empfiehlt sich, den Händler zur korrekten Warendeklaration aufzufordern. Unter dem Strich zahlten wir für Zoll und Versand 51,68 Euro, insgesamt also 346,35 Euro.

Kurztest beider China-Tablets

Beide Geräte sind offensichtlich nicht sonderlich gut verarbeitet und knarren gelegentlich. Die beigefügten deutschen Steckdosenadapter wirken auch nicht sehr vertrauenswürdig.

Die englische Android-Oberfläche lässt sich nach dem Start auf Deutsch umstellen. Beide Geräte reagieren recht träge, Ruckler sind die Folge. Im Sunspider-Benchmark schneidet die chinesischen Kopien von iPad 4 und Nexus 7 schlecht ab. Das V99 kommt auf 2115,4 Millisekunden, das Vorbild iPad 4 benötigt für den Testlauf lediglich 958,4 Millisekunden. Das Novo 7 Venus genehmigt sich 2738,1 Millisekunden, Googles Nexus 7 schneidet mit 1748,7 Millisekunden deutlich besser ab. Die Qualität der Bildschirme ist hingegen akzeptabel, beide bieten einen stabilen Blickwinkel.

Hinweise zum Support

Die Gewährleistung wird in der Regel für ein Jahr übernommen. Bei Problemen müssen Sie das Gerät auf Ihre Kosten nach China zurückschicken und im Extremfall monatelang auf die Reparatur warten. Manchmal ist auch ein prozentualer Anteil vom Warenwert fällig. Anrufe und Mails bleiben leider bei vielen Shop-Betreibern unbeantwortet.

Unser Fazit

Die Bestellung von Power-Tablets aus China birgt Risiken: Zusatzkosten lauern und die Verarbeitung der Geräte lässt ebenso zu wünschen übrig wie die Abstimmung von Android auf die Hardware. Die Preise sind billig - die Qualität der Tablets aber leider auch.

Allenfalls für Bastler, App-Entwickler oder als Zweit-Tablet sind die China-Geräte zu empfehlen. Über die Community sind teilweise gut programmierte Custom-ROMs erhältlich. Ist das Betriebssystem gut angepasst, laufen die Tablets besser und lassen sich sogar auf die neueste Android-Version upgraden.

© IDG

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