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20.02.2012, 16:25 Uhr

BKA speicherte per Trojaner Telefonsex-Mitschnitte in Kooperation mit Spiegel Online

Wenn Ermittler bei der Überwachung Intimes mitschneiden, sollen sie die Passagen löschen, verlangt das Bundesverfassungsgericht. Im Staatstrojaner war diese Funktion nicht enthalten. Das BKA speicherte belauschten Telefonsex über Jahre, kritisiert ein Bericht des Bundesdatenschützers.

Von Konrad Lischka

Eigentlich sollte der Bericht des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar in Sachen Staatstrojaner zum jetzigen Zeitpunkt noch unter Verschluss sein. Doch das Dokument liegt nun frei zugänglich im Netz. Ausgewertet haben die Unterlagen bereits die Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und der Chaos Computer Club (CCC).

Der CCC sieht durch den Bericht seine Befürchtungen über den Einsatz des Bundestrojaners bestätigt. Zwar sei der Datenschutzbeauftragte nicht imstande gewesen, eine tiefergehende Untersuchung der verschiedenen Versionen des Trojaners vorzunehmen, da ihm Einsicht in den Quellcode verweigert worden sei.

Doch zumindest das steht für den CCC fest: Die Verantwortlichen bei BKA und ZKA scheinen die Software gleichsam im "Blindflug" genutzt zu haben, so die Einschätzung des CCC: "Nicht einmal die Software selbst, keinerlei Versionskontroll-Möglichkeiten oder auch nur ordentliche Handbücher lagen vor."

Der Bericht des Bundesbeauftragten für den Datenschutz zeigt, dass beim BKA zum Teil auch Gespräche belauscht, mitgeschnitten und für die Akten protokolliert wurden, die zum "Kernbereich privater Lebensgestaltung" gehören. So lagen bei BKA noch Protokolle und Tondateien aus dem Jahr 2009 vor, damals hatten Beamte auch Internettelefonie auf dem Laptop eines Beschuldigten in einem Betäubungsmittelverfahren mitgeschnitten. Sie belauschten und speicherten auch die Gespräche des Überwachten mit seiner Freundin.

Ermittler protokollieren: "danach Sexgespräch"

Details aus Protokollen der Ermittler:

  • "...kurzes erotisches Gespräch...", 20.11.09, 14:31:54
  • "Gespräch übers Wetter und intime Angelegenheiten", 20.11.2009, 15:43:24
  • "...Liebesbeteuerungen...", 4.12.2009, 15:46:31, weiterer Wortlaut "...Danach Sexgespräch (Anm. Übers: Ab 15:52:20 bis 16:01:00 finden offensichtlich Selbstbefriedigungshandlungen statt)...", "...weiter privat über Liebe..."

Das Bundesverfassungsgericht hat in mehreren Urteilen zum Lauschangriff festgehalten, dass in Fällen, wo versehentlich "Kommunikationsinhalte des höchstpersönlichen Bereichs" erhoben wurden, diese nicht gespeichert und verwertet werden dürfen, sondern unverzüglich gelöscht werden müssen.

BKA nutzte Software ohne Löschfunktion für intime Details

Dass das in dem aufgedeckten Fall unterblieben ist, rechtfertigte das BKA gegenüber dem Bundesdatenschutzbeauftragten so: Die Staatsanwaltschaft habe entschieden, die Aufzeichnungen nicht löschen zu lassen, weil eine teilweise Löschung nicht möglich gewesen sei.

Der Bericht des Bundesdatenchutzbeauftragten diagnostiziert hier ein strukturelles Problem der Überwachungssoftware: Eine Funktion zum Löschen von Teilen der Mitschnitte habe das BKA bei DigiTask, dem Hersteller der Software, angefordert, diese sei aber nicht umgesetzt worden. Die eingesetzte Überwachungssoftware sah demnach keine Möglichkeit vor, kernbereichsrelevante Teile von Gesprächen oder Chats gezielt zu löschen.

Der Softwarehersteller DigiTask hatte sich im Herbst vorigen Jahres gegen Kritik mit diesem Argument gewehrt: Die Verantwortung dafür, dass die eingesetzte Software mit juristischen Vorgaben übereinstimmt, liege bei den Ermittlungsbehörden. DigiTask argumentierte, man liefere den Behörden nur diejenigen Komponenten mit, die in der Anforderung verlangt werden.

Software sieht Grundrechtsschutz nicht vor

Wer auch immer die Verantwortung dafür trägt: BKA-Ermittler nutzten in mindestens dem nun aufgedeckten Fall eine Überwachungssoftware, in der es nicht vorgesehen war, Grenzen der Überwachung zu achten, die das Bundesverfassungsgericht formuliert hat. Laut dem Bericht des Bundesdatenschutzbeauftragten ist das auch beim Zollkriminalamt der Fall. Dort würden per Trojaner überwachte Gespräche "mehrfach gespeichert", eine Löschung einzelner Gespräche sei "nur in zwei von vier Systemen gezielt durchführbar".

Die Autoren des Berichts mahnen: Es sei unabdingbar, dass die bei der Quellen-TKÜ genutzte Spähsoftware, eine "gezielte und sichere Löschung von Gesprächsinhalten" ermögliche.

© SPIEGEL ONLINE

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35 Meinungen zu "BKA speicherte Telefonsex"

  • Nelia
    Samstag, 25.02.2012, 09:30 Uhr
    Hauptsache alles speichern, was sie in die Finger kriegen! Egal, was!
  • tranformator
    Freitag, 24.02.2012, 15:57 Uhr
    Hat irgend einer etwa geglaubt das die besser sind wie die DDR. Träumt weiter.
  • dario12344
    Dienstag, 21.02.2012, 17:37 Uhr
    wie in der ehemaligen ddr. spionieren,abhören und aufnehmen. so eine menschenverachtende staatsform wie jetzt ist unzumutbar. und acta soll natürlich den staat vorm eigenen volk besser schützen soviel steht fest. bloß das wird die regierung nicht zugeben. aber es zeigt auch welch große angst der staat vorm volk hat, sonst bräuchten die sich solche sche..... nicht ausdenken. wir das volk müssen uns dieser macht wieder bewusst werden und einsetzen gegen diese diktatur. für mich ist dies eine nicht mehr und nicht weniger.
  • AmyCat
    Dienstag, 21.02.2012, 16:39 Uhr
    §1 (1) des GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. - Ist klar....
  • Njeboulojn
    Dienstag, 21.02.2012, 12:47 Uhr
    kein wunder haben sie keine resourcen frei für die bekämpfung von rechtem terror, die sitzen alle wixend beim telefonsexabhören - Pack!!!!
  • Reder
    Dienstag, 21.02.2012, 12:14 Uhr
    Grundsätzlich ist jeder freidenkende Bürger für diesen demoskratischen Staat ein bedrohender Verbrecher. Diese Abwehr dient doch nur dem Erhalt des Regierungsverbrechertums die mit der Justiz in einem Sack steckt. Deren Gespräche sollten mal veröffentlich werden was da zum Vorschein käme. Neue Arbeitsplätze braucht die Welt: Jedem sein eigener Spitzel und drei dabei die den Spitzel und sich selbst kontrolliert bespitzeln. Big Brother von 1985 läßt grüßen und die wahren Verbrecher bleiben ungeschoren unentdeckt. Auch so erhält die Wirtschaft mehr geheime Daten zur Produktionsplanung auf Grundlage der Käuferinteressen. Die Gedanken sind frei solange sie nicht abgehorcht werden. Demnächst werden noch Lesegeräte zum Hirnanschluß erfunden.
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