Harter Aufprall für Überflieger Löw - Entzaubert
Schließlich drehte er nach einem kurzen Handschlag mit Sami Khedira ab und ließ seine geschlagene Mannschaft alleine auf dem Rasen zurück. Das abrupte Ende seiner Titelmission setzte auch dem 52 Jahre alten Chefcoach mehr zu, als er in seinen ersten Kommentaren nach dem bitteren 1:2-K.o. gegen Italien zugeben mochte - der Aufprall für den Überflieger war hart und schmerzhaft.
"Im Nachhinein hätten wir dieses oder jenes machen können", antwortete Löw auf die Frage, ob er mit seinen Umstellungen bei der letzten Hürde vor dem Finale womöglich einen Tick zu viel gewollt hatte. Miroslav Klose, Marco Reus, André Schürrle raus, dafür der fehlgeschlagene Überraschungsplan mit Toni Kroos. "Man kann die Taktik vorschieben, aber am Ende stehen wir auf dem Platz und müssen das regeln", sagte Gomez. Keiner mochte Kritik am Matchplan äußern.
Wie ein Magier hatte Löw alles richtig gemacht bei den vier Siegen zuvor, stets die richtige Taktik gefunden und das richtige Personal ausgewählt. Gegen die ausgebufften Italiener aber verzockte sich der Stratege - die Korrekturen zur Pause halfen nicht mehr, weil das Anschlusstor von Mesut Özil per Handelfmeter zu spät kam.
Was blieb war die Flucht in die Gesamtbilanz nach 50 Tagen, in denen gerade auch Löw seit dem Start der Vorbereitung am 11. Mai rund um die Uhr für die Krönung seiner jahrelangen Aufbauarbeit sehr viel gegeben hatte. "Es gibt keinen Grund, etwas anzuzweifeln. Wir hatten die jüngste Mannschaft, wir haben trotz allem ein starkes Turnier gespielt", lautete sein Fazit - trotzig und richtig zugleich.
"Jogi, du hast einen Klasse-Job gemacht", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in seiner Ansprache ans Team. Es klang in dieser bitteren Nacht in Warschau, nach dieser irritierenden Niederlage, die auch eine besonders schwere des Bundestrainers war, fast deplatziert. Richtig lag der Verbandschef allerdings beim Ausblick in die Zukunft: "Wir sind unheimlich froh, dich als Bundestrainer zu haben." Denn Löw hat - daran gibt es keine Zweifel - eine weitere Chance verdient.
Mit 2,22 Punkten im Schnitt bleibt er der punktbeste aller zehn Bundestrainer - zur Unsterblichkeit aber gehört bei einer großen Fußball-Nation wie Deutschland ein Titelgewinn. "Man hat natürlich ein bisschen umgestellt", sagte Teammanager Oliver Bierhoff und gab zu, dass Löws Plan diesmal nicht aufgegangen war. "Ja, es ist bitter, auch ärgerlich. Man plant so etwas zwei Jahre, denkt sich tausend Dinge aus, man plant das Detail - und dann erscheint es in so einem Moment nutzlos. Deutschland hat immer den Anspruch zu gewinnen."
Zweimal war für Löw und sein junges Team Spanien die Endstation, im Finale der EM 2008 und im Halbfinale der WM 2010, jetzt kam das Stoppschild wieder vor dem letzten Schritt. Löw bat um Geduld, um Realitätssinn: "Man kann den Titel jetzt nicht immer herbeireden", sagte er, nachdem auch intern monatelang nur davon gesprochen worden war. "Spanien hat lange darauf gewartet", sagte er mit Blick auf die lange Durststrecke des Welt- und Europameisters, der am Sonntag im Finale gegen Italien seine Fußball-Regentschaft verlängern kann.
"Bei den letzten vier Mannschaften ist die Luft ganz dünn", betonte Löw. Auch ihm, der den fast 6000 Meter hohen Kilimandscharo erklommen hat, fehlte in Polen und der Ukraine noch die letzte Titelreife. "Grundsätzlich haben wir eine gute Entwicklung, das dürfen wir nicht vergessen", warnte Löw vor Aktionismus: "Wir haben viele Nationen eingeholt in den vergangenen Jahren."
Der Freiburger wird erstmal abtauchen, Ruhe suchen, sich vom Turnierstress erholen, die Enttäuschung verkraften und dann auch selbstkritisch das eigene Tun analysieren und aufarbeiten. Dann kommen neue Ziele, auch wenn Löw nach dem Italien-K.o. noch nicht an die nächste Titelchance denken wollte: "Brasilien ist ein ganzes Stück weg."
167 Meinungen zu "Harter Aufprall für Magier Löw"
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Reflektion
Mittwoch, 18.07.2012, 13:00 Uhr Es ist nicht fair ihn jetzt zu kritisieren. -
mecky65
Sonntag, 08.07.2012, 15:22 Uhr Er hätte statt Bayern Kader eben BVB Kader spielen lassen sollen. -
xWulffix
Montag, 02.07.2012, 16:35 Uhr Totalausfälle der ganzen EM sind Schweinsteiger, Podolski, Müller! Und Gomez diese Flasche trifft nur wenn er den Ball direkt auf seinen Fuß bekommt und er zudem frei vor dem Tor steht. Ja, dann trifft Gomez. Löw hat mit seiner Aufstellung gegen Italien völlig versagt! -
Fried
Montag, 02.07.2012, 16:20 Uhr Von "meinichhalt" "Übernehme die Verantwortung" für entgangene Fußballfreude der Fans ( Millionenfach ) für gekaufte Eintrittskarten zum Endspiel im Stadion ( Tausende ) für entgangene Prämie der Spieler zum Finale ( 23 x 100 000.- € ) für entgangenen Gewinn bei Fußballwetten ( ????? ) Ganz schön teuer ! Da hast Du recht, "meinichhalt", aber es sind leere Worte von Löw. Nix von Verantwortung übernehmen. Warum wurde gegen Italien verloren? Ich vermute, dass dies viel lukrativer war für einige Eingeweihten als zu gewinnen. Wie anders konnte man die desolate Leistung einiger Spieler verstehen: Mario Gomes, ein torgefährlicher Abstauber, hielt sich bereits im ersten Gruppenspiel vom Ball weg, um nicht aus versehen ein Tor zu machen. Das ist aber nicht ganz gelungen, da der Ball direkt in seine Reichweite flog. Jetzt zum Italienspiel: Diesmal war Mario erfolgreich vom Ball weggeblieben, im Gegensatz zu Podolski, der den Ball sauber direkt vor seine Füße bekam, ungestört und frei drei Meter vor dem Tor. Als er erfolgreich den Ball über seine Füße ins Aus rollen lies, konnte er griensen. (Es wäre mit zwei Meter über das Tor schiesen zu kompliziert gewesen.) Jogi Löw, der sich bei sowas fürchterlich aufregen kann, blieb ruhig!?! Schweinsteiger lies die Gegenspieler gewöhnlich in seiner unmittelbaren Nähe mit dem Ball ungestört gewähren. Wurde er angespielt, brachte das keine Angriffszündungen. Boateng hatte gespielt wie de gesamte Bayernabwehr beim 0:5 Desaster gegen Dortmund in Berlin. Sie luden den Gegner geradezu ein zum Kontern, weil sie keine Kette bildeten und hinten nicht dicht hielten. Denke an die Wettmafia, z.B. aus China. Die haben mehr als 100.000,00 für ihre "Geschäftspartner". Wenn die europäischen Geschäftspartner erst mal den Virus der Geldgier gefangen haben, scheren sie sich nicht um Wahrheit, Ehre und Anstand. So nur kann ich das schlechte Spiel, die desolate Leistung der gesamten Bayern-Abwehr in Berlin beim 0:5 im DFB-Pokalendspiel gegen Dortmund verstehen. So verstehe ich auch, daß Jogi gewisse Spieler aufstellt, eben die "Eingeweihten", die das verderbliche Spiel mitmachen: Lug und Betrug und Verarschung der Mitmenschen. In China ist Bayern Faforit gegen Dortmund. Eine Wette mit 0:5 gegen den Faforiten kann aus einem Dollar in zwei Stunden 500 oder 1000 Dollar machen! Wetten ist in China eine schlimme Volkskrankheit. Wegen dieser Korruption kann sich der Fußball in China nicht entwickeln. -
raintop
Montag, 02.07.2012, 12:22 Uhr Für mich nicht nachvollziehbar, dass Löw in den Gruppenspielen und gegen Griechenland alles richtig gemacht hat. Es ist hypothetisch, doch wie wären diese Spiele ausgegangen, wenn immer Reus, Schürle, Götze, Klose und Bender gespielt hätten? Schlechter als Schweinsteiger, Podolski, Müller und Gomez können die nicht sein. Auch Özil hätte weitaus besser mit den richtigen Mitspielern ausgesehen. Fakt ist, da war kein einziges Spiel auch nur annähernd so gut wie bei der WM 2010! Wenn da weiter nach Namen und nicht nach Leistung aufgestellt wird, soll der Löw besser gehen. -
ibschim
Sonntag, 01.07.2012, 14:35 Uhr Ein Magier war er nie! Hoffentlich bleibt er nach dem Aufprall liegen.
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