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24.08.2012, 11:05 Uhr

Getränk der Spaßfraktion - Bubble Tea erobert Großstädte

Wien/Berlin (dpa/tmn) - Der Becher für unterwegs gehört schon fest ins Straßenbild der Städte. Was den Erwachsenen der "Latte to go", ist den Teenagern der Bubble Tea. Das bunte Getränk mit Kugeln und Riesenstrohhalm ist in Mode - auch wenn sein Ruf zweifelhaft ist.

Schwarzer oder grüner Tee? Mit oder ohne Milch? Mango-, Heidelbeer- oder ein anderer Fruchtsirup als Aroma dazu? Feste Würfel aus Fruchtgelee oder doch lieber mit Sirup gefüllte Tapiokakugeln als Topping? Wer einen Bubble Tea bestellt, hat die Qual der Wahl: Die Menükarten der Modegetränk-Läden bieten eine schier unüberschaubare Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten. Erwachsene scheint das eher zu überfordern - die Kundschaft ist mehrheitlich im Teenageralter.

"Von der Aufmachung und der Idee her ist Bubble Tea ein junges Produkt", sagt die Foodtrend-Forscherin und Gesundheitspsychologin Hanni Rützler aus Wien, wo wie in deutschen Großstädten ein Laden nach dem anderen eröffne. Im Prinzip handele es sich um eine flüssige Süßigkeit, die farbenfroh und intensiv im Geschmack daherkomme und dadurch eher jugendliche Gaumen anspreche. "Das ist etwas für die Spaßfraktion, nicht für die Genussfraktion."

"Überwiegend sind unsere Kunden Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren", bestätigt Tan Huynh von BoBo Q, dem eigenen Angaben nach größten Bubble-Tea-Anbieter in Deutschland. Beliebt sei das Getränk aus mehreren Gründen: "Das Design, der Verkaufsbecher ist im Gegensatz zu anderen Softgetränken etwas ganz Neues, die versiegelten Becher mit den Toppings und den XL-Strohhalmen sind ein absoluter Hingucker." Auch die Kombination aus fruchtigem Geschmack mit Kugeln, die im Mund zerplatzen, sei für viele Kunden neu.

Grundlage des Getränks ist grüner oder schwarzer Tee, ursprünglich mit Milch. Hinzu kommen die mit Sirup gefüllten Tapiokaperlen, die auch Popping Bobas genannt werden. Sie gelangen beim Trinken durch den extra weiten Strohhalm in den Mund. Serviert wird das Getränk in einem Becher, der oben mit einer Folie fest verschlossen wird.

Bubble Tea hat seine Wurzeln in Taiwan. Dort existiere er schon seit etwa 25 Jahren, erläutert Huynh. Nach und nach habe er sich von Asien über die Chinatowns in Nordamerika nach Europa und Deutschland ausgebreitet. Der Unterschied zwischen Bubble Tea hierzulande und in Taiwan sei lediglich, dass der deutsche Kunde eher Bubble Teas mit verschiedenen fruchtigen Sirups und Popping Bobas bestellt. "In Taiwan wird eher der Standard-Bubble-Milk-Tea mit den Tapiokaperlen bevorzugt." Die Perlen bestehen aus Stärke, die aus der Wurzel der Maniokpflanze gewonnen wird, wie Huynh erläutert.

Allerdings besteht der Bubble Tea nicht nur aus Tee und pflanzlichen Perlen. Ernährungsexperten betonen zudem immer wieder die hohe Kalorienzahl von Bubble Tea: Je nach Größe und Zusammensetzung enthält ein Becher so viele Kalorien wie eine Hauptmahlzeit, nämlich 300 bis 500. Hinzu kommt, dass die Fruchtaromen meist nicht aus echten Früchten stammen. Zum Teil sind es laut der Zeitschrift "Test" synthetische Azofarbstoffe, die im Verdacht stehen, bei Kindern zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten zu führen. Der Anbieter BoBo Q teilte auf Anfrage mit, dass derzeit geprüft werde, ob sich kritische Inhaltsstoffe durch pflanzliche Alternativen ersetzen lassen.

Kürzlich geriet der Bubble Tea erneut in die Negativ-Schlagzeilen, nachdem Chemiker gesundheitsschädliche Substanzen gefunden hatten: In den Kügelchen von neun Sorten fanden sich unter anderem Styrol, Acetophenon und bromierte Substanzen in nicht geringer Konzentration - welche überhaupt nicht in Lebensmittel gehören und darin entsprechend verboten sind.

Möglich, dass die gesundheitlichen Bedenken die Erfolgsgeschichte des Kugel-Tee ausbremsen werden, bevor sie richtig begonnen hat. Für Gesundheitspsychologin Hanni Rützler ist der Bubble Tea ohnehin erst einmal eine Modeerscheinung. Mit etwas Glück könne es Bubble Tea gelingen, sich zu behaupten, sagt Rützler - sie sieht durchaus das Potenzial, dass sich Bubble Tea als "sensual food" etablieren könnte. "Das Thema ist so gut, dass ich mir vorstellen könnte, dass die Gastronomie das aufgreift." Wenn man sich mal den für sie zu süßen Fruchtsirup wegdenke, könne daraus ein neues Trinkerlebnis werden. "Ich kann es mir als Aperitif, Dessert oder Zwischengang vorstellen."

Bislang ist nur eine große Fast-Food-Kette auf den Zug aufgesprungen und hat das Getränk ins Sortiment aufgenommen.

Erstickungsgefahr bei Kindern

Bubble Tea hat es in sich - sowohl was die Kalorien angeht, als auch in Bezug auf eine mögliche Erstickungsgefahr. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte jüngst davor, dass sich vor allem Kinder bis vier Jahre an den Kügelchen verschlucken könnten. Derartige Unfälle seien zwar bislang nicht bekannt, Anbieter sollten aber auf die Gefahr aufmerksam machen. Nach dem Willen von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) soll das Getränk mit einem Warnhinweis versehen werden.

Alle News vom: 24. August 2012 Zur Übersicht: Essen & Genießen

15 Meinungen zu "Jeder will die fruchtigen Kugeln "

  • Idiot123
    Mittwoch, 26.09.2012, 14:13 Uhr
    Voll eklig!! Naja..das weiß jeder mittlerweile, dass es mega ungesund ist. Aber wer das gerne trinkt, soll er es tun...Gute Besserung!!!
  • Silkchen
    Dienstag, 28.08.2012, 17:01 Uhr
    Das Zeugs ist eine schlimmere Kalorienbombe als Cola, von den ganzen künstlichen Stoffen darin nicht zu reden. In meiner Stadt hat jüngst ein Bubble Tea-Laden aufgemacht und nicht wenige Kids nutzen den Trinkhalm als Blasrohr und schiessen mit den im Gebräu enthaltenen Kugeln, durch die Gegend.
  • Pearth74
    Samstag, 25.08.2012, 16:14 Uhr
    Das habe ich schon vor einigen Wochen bei Focus Online gelesen und endlich hat es auch GMX geschafft den Artikel zu veröffentlichen - saubere Arbeit. Bei uns in KL spriessen diese "Kugelteeläden" wie Pilze aus dem Boden und das schlimme, verwunderliche ist, dass die Jugentlichen wirklich bereit sind für einen ca. 300ml Becher je nach Stadt 5 - 8 € zu zahlen. Ist doch aber auch klar, wenn die Kinder mittlerweile mehr Geld zur freien Verfügung haben als ihre Eltern, dass dieses Vermögen abgeschöpft werden muss. Mich würde eher interessieren, was die Eltern, falls diese überhaupt noch ein Interesse an ihren Kindern haben, zu diesen sagen um sie vielleicht über die Gefahren des Chemiecocktails aufzuklären. Von unserer Staatsmacht braucht keiner erwarten, dass wirklich etwas dagegen unternommen wird, da diese sich an jeglicher Abzocke, siehe Strompreisüberteuerung oder bei fallenden Ölpreisen trotzdem steigende Spritpreise usw. usf., beteiligen.
  • Erdbeercupcake
    Samstag, 25.08.2012, 14:38 Uhr
    Dass die sich noch trauen das zu verkaufen. Wenn man Krebs und Allergien davon bekommen kann!!!
  • stephi59
    Freitag, 24.08.2012, 17:12 Uhr
    Brrr...die blanke Chemie !
  • Aeneas90
    Freitag, 24.08.2012, 17:08 Uhr
    "Kinder bis 4 Jahre können daran ersticken", soso... Solche künstlichen (und giftigen) Produkte haben eigentlich sowieso nichts im Magen von Kindern unter 4 zu suchen.
  • Socatwin
    Freitag, 24.08.2012, 17:02 Uhr
    die Aigner ist immernoch da???? ich dachte die haben Sie irgendwie mal weggekanzelt - immer alles verbieten bzw. Warnungen draufmachen. Aber das Alkohol in jeglicher Form zum Tod oder zur Abhaengigkeit fuehren kann das gibts in Deutschland nicht - ist der Markt zu gross koennte man ja Gewinn verlieren - entweder alles oder gar nichts Frau Aigner die Leute die sich damit beschaeftigen, werden schon wissen was sie zu sich nehmen und es im zweifelsfalle lassen - der rest soll in sich reinstopfen was sie wollen - volksverbloedung liegt auch am volk
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