Griechen wollen eisern sparen
Die Regierungsparteien in Griechenland haben sich nach Angaben von EZB-Präsident Mario Draghi auf ein neues Sparpaket geeinigt. "Vor ein paar Minuten habe ich einen Anruf des griechischen Ministerpräsidenten bekommen, der mir sagte, dass eine Einigung erzielt wurde", sagte Draghi am Nachmittag in Frankfurt. Einzelheiten nannte der Italiener zunächst nicht. Zuletzt hatte es geheißen, es gebe in Athen vor allem noch Klärungsbedarf wegen der Renten.
Das geplante Programm sieht niedrigere Mindestlöhne, eingefrorene Gehälter und weniger Staatsdiener vor. Bis 2015 soll Athen so insgesamt 14 Milliarden Euro sparen, allein dieses Jahr sollen es 3,1 Milliarden sein. Ein neues Sparpaket ist Voraussetzung für weitere Milliarden-Hilfen. Noch am Abend kommen in Brüssel die Euro-Finanzminister zu einer Sondersitzung zusammen, um über Griechenland zu beraten.
Aus Protest gegen die Einschnitte riefen die Gewerkschaften zu einem zweitägigen Streik auf. Der Athener Finanzminister Evangelos Venizelos macht von neuen Hilfen das Schicksal seines Landes abhängig. "Davon hängt das finanzielle Überleben unseres Landes ab", sagte er im griechischen Fernsehen. Denn ohne weitere Hilfen droht Griechenland bald die Pleite. Am 20. März werden Staatsanleihen im Umfang von 14,5 Milliarden Euro fällig.
Besonders umstritten war bis zuletzt auch die Senkung des Mindestlohns, dem in Griechenland eine besondere Bedeutung zukommt, da an ihn das Arbeitslosengeld gekoppelt ist. Er soll im privaten Bereich um 22 Prozent von heute 751 Euro brutto auf 586 Euro verringert werden. Darüber hinaus einigten sich die Parteiführer unter anderem auf die Entlassung von 150.000 Staatsbediensteten, allein in diesem Jahr sollen 15.000 gehen. Außerdem sollen die Löhne solange eingefroren werden, bis die Arbeitslosenquote deutlich gesunken ist. Bis zum kommenden Sonntag soll in Athen das neue Sparpaket endgültig verabschiedet sein.
Gewerkschaften riefen aus Protest gegen die geplanten Einschnitte erneut zu einem Streik auf - diesmal für zwei Tage. Am Freitag und am Samstag soll die Arbeit ruhen, wie die größten Gewerkschaftsverbände GSEE für den Privatsektor und ADEDY für die Beamten mitteilten. Bereits für den Abend waren zudem mehrere Demonstrationen linksgerichteter Organisationen geplant. Die Kommunisten riefen die Bevölkerung zum Aufstand gegen die geplanten Maßnahmen auf.
Kurz nach dem Ende der Gespräche der griechischen Spitzenpolitiker kamen die "Troika"-Vertreter von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) erneut zu Verhandlungen am Sitz des Ministerpräsidenten an. Papademos war von den Parteivorsitzenden ermächtigt worden, die Gespräche mit der Troika zu Ende zu führen. Sie reisten am frühen Donnerstagmorgen wieder ab. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt.
Parallel wird über einen freiwilligen Schuldenschnitt für Griechenland mit privaten Gläubigern wie Banken und Hedge-Fonds verhandelt. Griechenland hofft dabei auf eine Reduzierung des Schuldenberges um 100 Milliarden Euro. Ob diese Zahl zustande kommt, gilt aber als fraglich. Denn es ist unklar, ob sich alle Gläubiger zum Forderungsverzicht bereiterklären.
Zuletzt hatte sich Bewegung in diesen Verhandlungen abgezeichnet. Die EZB soll nach Informationen des "Wall Street Journal" nun bereit sein, zum griechischen Schuldenschnitt beizutragen. Weder die EZB noch die EU-Kommission wollten dies am Mittwoch kommentieren. In EZB-Kreisen hieß es indes, der "WSJ"-Bericht treffe nicht zu.
Früheren Angaben des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos zufolge hingen die Verhandlungen mit den Privaten zuletzt an der Frage, ob EZB und nationale Notenbanken beim Forderungsverzicht mit ins Boot steigen. Größter öffentlicher Gläubiger ist die EZB. Sie hatte seit 2010 griechische Staatsanleihen aufgekauft, um den damals einsetzenden rapiden Kursverfall aufzuhalten.
Griechenland hängt bereits seit dem Frühjahr 2010 am internationalen Finanztropf. Damals wurden dem Land als erstem in der Eurozone Kredithilfen über 110 Milliarden Euro zugesagt, die sich aber bald als unzureichend erwiesen.
831 Meinungen zu "Dramatische Stunden in Athen"
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wolsch49
Mittwoch, 15.02.2012, 12:14 Uhr @malibu, ein Konzept damals gab es wohl ( wie beispielsweise eben nicht bei der Einführung der EU und des Euros ), aber die Umsetzung war mangelhaft und von vielen Fehlern behaftet. Damals bei unserer Ausbildung zu eigentlichallen Berufen hatten wir das Fach M/L - Marxismus/Leninismus - satt bis oben hin gehabt. Aber eines ist mir seit damals in all den Jahren nach der Schule/Studium im wahren Leben bis heute - leider - klar: der vorhergesagte Kapitalismus mit all seinen Auswüchsen ist Realität geworden. -
malibu
Dienstag, 14.02.2012, 13:52 Uhr @wolsch. "Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. " Das Gespenst, ohne jedes Konzept -
wolsch49
Sonntag, 12.02.2012, 15:28 Uhr @benutzer, Deine Aversion gegen Marx und Engels mal angenommen. Aber kennst Du eigentlich deren Werke ? Auch wenn es Dir schwerfallen wird, vieles von dem, was die beiden vor über 100 Jahren niederschrieben, ist heute schlicht und einfach (traurige) Realität. Das ist der Kapitalismus heute, den diese Männer ausgewertet und vorher gesagt haben. Vielleicht findest Du mal irgendwann und irgendwie die Zeit und Gelegenheit, und besorgst Dir mal deren Schriften. Die beginnen aber nicht wie bei Karl May, sondern mit den Worten: Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus. -
Luckystar1
Sonntag, 12.02.2012, 09:35 Uhr Kein Wort der entschuldigung wegen ihrer Betrügereien, Fälschungen, kein Wort der Reue, aber den Helfern, die Fahne verbrennen. Wir müssen total bescheuert sein!!!! Total. Wenn Sie dieses Kasperreien mit England machen würden, würden in der Ägais schon längst die Flugzeugträger herumschippern. Siehe Falkland. -
Luckystar1
Sonntag, 12.02.2012, 09:28 Uhr Athen: Polizei droht Troika mit Verhaftung. Die einzige Tranche die Sie verdient haben, ist einen Tritt in den Arsch. Schurkenstaat. Möchte mal die Demos sehen, wenn es heißen sollte, Deutschland braucht 200 Milliarden Soforthilfe. Die würden uns garnicht kennen die Ratten. Jagd das Pack endlich zum Teufel, da wo sie hingehören. "Betrüger,Rosstäuscher,Gauckler....... -
Luckystar1
Sonntag, 12.02.2012, 09:24 Uhr Athen: Polizei droht Troika mit Verhaftung. Die einzige Tranche die Sie verdient haben, ist einen Tritt in den Arsch. Schurkenstaat.
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