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20.03.2013, 15:08 Uhr

Zypern: Wie sicher sind noch deutsche Spareinlagen

Zypern wird gerettet, aber anders als Portugal, Irland oder Griechenland nicht alleine von der Eurozone, sondern auch von den zypriotischen Sparern - ein Tabubruch. Denn zum ersten Mal werden in der seit 2007 andauernden europäischen Schuldenkrise die Bürger direkt zur Kasse gebeten. Wie konnte es in einer der kleinsten Volkswirtschaften Europas soweit kommen - und droht auch deutschen Sparern eine solche "Enteignung"?

Wer mehr als 100.000 Euro auf einem zypriotischen Konto hat, muss 9,9 Prozent seiner Sparanlage abschreiben, bei niedrigeren Beträgen sind es immerhin noch 6,75 Prozent. Nach dpa-Informationen überlegt die Regierung in Nikosia Kleinsparer mit Guthaben bis zu 20.000 Euro von der Abgabe verschonen. Durch die einmalige Abgabe sollen knapp sechs Milliarden Euro zusammenkommen. Dazu kommen dann noch Hilfskredite in Höhe von zehn Milliarden Euro. Damit auch die fließen, muss Zypern allerdings weitere EU-Auflagen erfüllen.

Dazu zählt unter anderem die Anhebung der Unternehmenssteuer von 10 auf 12,5 Prozent sowie die Privatisierung einiger Staatsbetriebe. Auch die Renten sollen sinken. Entschieden ist in Zypern allerdings noch nichts, die Ratifizierung des Hilfspakets soll im Parlament am Dienstagabend stattfinden. Sollte das Gesetz zum "Zypern-Soli" durchkommen, müssen aber nicht nur Zyprioten für die Krise zahlen. Vielmehr wird das Gesetz auch Ausländer treffen, die ihr Geld auf der Insel angelegt haben.

Zypern als "Offshore-Zone"

Laut "Spiegel Online" zahlen allein russische Anleger durch den "Zypern-Soli" bis zu vier Milliarden Euro - weil vor allem russische Oligarchen die Insel als Anlageort nutzen. Laut BND sind dies 26 Milliarden Dollar, die Rating-Agentur Moody's schätzte die Höhe russischer Einlagen auf 12 Milliarden Dollar.

Zypern gilt als "Offshore"-Finanzplatz, umgangssprachlich auch Steueroase genannt, und steht damit in einer Reihe mit Ländern wie der Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein, aber auch den Bahamas, Cayman Islands und den Cookinseln. Der Vorteil für Firmen und Anleger an solchen Standorten: niedrige Steuern, ein hohes Maß an Vertraulichkeit, beispielsweise bei der Frage nach der Weitergabe von Kontodaten und Eigentumsverhältnissen, sowie eine minimale Finanzmarktaufsicht. Auch die Zinshöhe war in Zypern sehr attraktiv, laut EZB lag sie zuletzt im Schnitt bei knapp 4,5 Prozent. Zum Vergleich: Hierzulande gibt es gerade einmal 0,5 Prozent.

Wie es zur Krise auf Zypern kam

Im Fall Zypern hat die Spezialisierung als Finanzmarktplatz weitreichende Probleme mit sich gebracht. So lockte der Inselstaat über Jahre hinweg mit dem niedrigsten Firmensteuersatz der EU, der unter anderem einen aufgeblähten Bankensektor mit sich brachte. Im Vergleich zum BIP ist er mehr als doppelt so groß wie der EU-Durchschnitt. Sechs Jahre nach der globalen Finanzkrise stehen die zypriotischen Banken nun am Abgrund.

Daran hatte auch der griechische Schuldenschnitt vor über einem Jahr einen Anteil. Denn die zypriotischen Banken sind eng mit den griechischen verwoben, ein Großteil der Forderungen des zypriotischen Bankensektors entfällt damit auf griechische Schuldner. Seit 2012 steckt das Land in der Rezession, die Arbeitslosigkeit steigt seitdem unaufhaltsam: Von 7,9 Prozent Ende 2011 auf voraussichtlich über 13 Prozent im laufenden Jahr.

Warum Sparer nun beteiligt werden

Bereits vor neun Monaten hatte Zypern einen Hilfsantrag gestellt. Doch die Freigabe verzögerte sich, weil die Geldgeber knallhart um die Auflagen gerungen haben. Knackpunkt war unter anderem der Vorwurf, dass Zypern sich nicht an die EU-Regeln zur Bekämpfung von Geldwäsche und Schattenwirtschaft hält. In diesem Zusammenhang stehen vor allem die immensen russischen Anlagen auf der Insel in der Kritik.

"Bei Zyperns Banken lagert viel Geld zweifelhafter Herkunft. Hier liegt eine der Ursachen für die Schieflage. Daher ist es richtig, die Sparer zu beteiligen", erklärt Dirk Schiereck, Bankenexperte an der TU Darmstadt, bei "Focus Online". Dass auch Kleinanleger sich an der Rettung beteiligen sollen, sei laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht Wunsch der Eurostaaten, sondern der zypriotischen Regierung gewesen. Beobachter sehen das als Zeichen, dass Zypern Großanleger nicht endgültig verschrecken will.

Ist der "Zypern-Soli" auch ein Szenario für Deutschland?

Wer bei einer zypriotischen Bank Geld liegen hat, kann es immer noch abheben, Online-Transfers sind jedoch nicht mehr möglich, alle Transaktionen wurden zum ersten Mal in der Geschichte der Euro-Zone gestoppt. Zudem bleiben je nach Vermögen 9,9 beziehungsweise 6,75 Prozent der Sparanlage eingefroren, erläutert Jörg Asmussen, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank. Droht ein solches Szenario im Falle einer weiteren Verschärfung der Euro Krise nun auch deutschen Sparern? "Wenn ein Instrument einmal angewendet wurde, steht es auch künftig auf der Agenda", warnt Banken-Experte Schiereck bei "Focus Online".

Doch die Bundesregierung beruhigt: "Es ist das Merkmal einer Garantie, dass sie gilt. Und den Worten der Bundeskanzlerin und des damaligen Finanzministers ist nichts hinzuzufügen", sagt Regierungssprecher Steffen Seibert und erneuert damit die im Oktober 2008 von Angela Merkel und Peer Steinbrück gegebene Garantie für Spareinlagen in Deutschland.

Worauf deutsche Sparer achten sollten

Zypern sei vielmehr ein Sonderfall. Die Lösung dort habe "keine Parallelen zu anderen Ländern und deswegen auch keine Auswirkungen auf sie", sagt Seibert weiter. Sorgen von Sparern und Anlegern in anderen Euro-Ländern seien deswegen unbegründet.

Ohnehin hat sich für die restliche Euro-Zone prinzipiell nicht viel verändert. Weiterhin sind europaweit Bankeinlagen bis zu 100.000 Euro gesetzlich abgesichert - wenn eine Bank denn pleite geht. Wer sein Geld im Ausland angelegt hat, sollte dennoch darauf achten, wie groß die Gefahr einer Pleite oder eines Austritts des Landes aus der Euro-Zone ist. Denn dann drohen hohe Verluste.

Doch momentan scheint es so, als wäre die Euro-Zone weiter fest entschlossen, den Komplettausfall eines Landes mit allen Mitteln zu verhindern - selbst wenn es sich um eine der kleinsten Volkswirtschaften handelt. Neu ist jedoch, dass nicht mehr nur Kredite vergeben werden, sondern nun auch die kleinen Gläubiger eines Landes, die privaten Anleger, zur Kasse gebeten werden. (cai)

Mit Material der dpa

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