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27.03.2013, 18:06 Uhr

So sieht Europa die Rolle Deutschlands

Die Politik bestimmt die Geschicke der Menschen in den Zeiten der Euro-Krise. Und die deutsche Regierung ist als führende Wirtschaftsmacht in Europa federführend in der Rettung bedrohter Länder. Wir waren in Europa auf Stimmenfang und haben ein Meinungsbild aus unterschiedlichen Ländern eingesammelt.

Von WEB.DE Redakteurin Sabrina Kammerer

"Euro-Retter" oder "egoistischer Bösewicht". In der medialen Begleitung der Euro-Krise werden aus Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Finanzminister Wolfgang Schäuble regelrechte Dr. Jekyll/Mr. Hyde-Charaktere. Innerhalb ihres eigenen Landes werden sie von vielen als die Retter von Zypern, Irland, Spanien und anderer Krisenstaaten gefeiert. In den betroffenen Ländern steht Merkel für die im Namen der EU aufgezwungenen Sparmaßnahmen. Von deutschem Egoismus ist da die Rede, der die Bedürfnisse der Menschen ignoriert und nur den eigenen Vorteil sieht. Was aber denken die Menschen in den Krisenländern wirklich über Deutschland? Wir haben Stimmen gesammelt:

Zypern & Griechenland

Voting

Welche Rolle spielt Deutschland in der Euro-Krise?

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Die Menschen auf Zypern und in Griechenland sind wütend. Auf die EU und vor allem auf Deutschland. Das Spardiktat trage Angela Merkels Stempel, heißt es. Den zyprischen Geldanlegern in die Tasche greifen zu wollen, eine deutsche Idee. So sehen es zumindest viele Einheimische, die von der Krise hart getroffen werden. "Deutschland verdient Milliarden an dieser Krise", meint die eine Stimme, während eine andere hofft, dass Merkel die Bundestagswahl im September verliert: 

Sofia Gazi*, 32, Journalistin aus Athen – lebt seit einem Jahr auf Zypern:

"Ich gehöre zu der Generation, die sich von Europa viel erhofft hat. Wir haben die Pässe abgeschafft, die Grenzen geöffnet, eine Währungsunion geschaffen. Wir haben europabereite Menschen kennengelernt und uns an einen Tisch gesetzt. Ich dachte immer, ich sei mehr Europäerin statt Griechin, doch ich lag falsch. Das ist sehr schade. Ich bin nicht böse auf die Deutschen, sondern auf die Politik, die sie in Europa ausüben. Merkel, Schäuble und Ackermann haben den europäischen Traum zerstört. Ja, auf sie bin ich böse."

Paraskevi Sotiriou, 35, Angestellte bei der griechischen Alpha-Bank in Athen:

Die Eurokrise ist ein Dauerthema - wie gut kennen Sie sich damit aus? >

"Wir hören immer wieder von Bankenfusionen und haben Angst um unseren Job. Das ist in allen Branchen so. Ich kann nicht verstehen, warum die Deutschen uns so sehr hassen. Nicht wir haben diese Krise angerichtet, sondern die Banken und die Politiker." 

Fotis Ananiadis, 53, Landwirt in westlichen Teil Griechenlands:

"Ich habe drei Kinder. Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Wir müssen alle sparen, nur die Politiker in Athen nicht. In Deutschland sind doch Wahlen, oder? Ich wünsche mir wirklich, dass Merkel die Wahlen verliert. Vielleicht ändert sich dann die Haltung der Deutschen gegenüber Griechenland. Wir brauchen kein Spardiktat, wir brauchen wirkliche Hilfe."

Petroula Mekra, 29, Krankenschwester (Zypern):

"Ich bin erschüttert. Ich habe Bekannte, die haben sich ein Haus kaufen wollen und ein Darlehen in Höhe von 150.000 Euro aufgenommen. Das Geld wurde auf ein Konto überwiesen, jetzt sollen sie knapp 60.000 Euro von dem Geld abgeben. Das ist unfair! Deutschland verdient Milliarden durch diese Krise und wir stehen kurz vor dem finanziellen Aus. Der Fehler liegt im System."

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