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24.04.2013, 12:59 Uhr

Lehren aus dem "Fall Hoeneß": Steuern sparen, aber legal

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Hoeneß selbst hatte bereits im Januar 2013 Selbstanzeige erstattet. Dies hat der Fußballmanager bestätigt. Wie die Süddeutsche Zeitung inzwischen berichtete, war im März Haftbefehl gegen Hoeneß erlassen worden, der gegen Zahlung einer Kaution außer Vollzug gesetzt wurde. Hoeneß selbst räumte ein, einem "schweren Fehler" gegangen zu haben.

Von Tankred Gugisch für WEB.DE

Mit diesen Zeilen enden die Fakten, es beginnt die Spekulation. Geht es wirklich um Hunderte Millionen, die in der Schweiz liegen? Handelt es sich um versteuertes Geld, mit dem unversteuerte Spekulationsgewinne erzielt wurden? Ist doch Schwarzgeld im Spiel? War es Geldgier, Nachlässigkeit oder einfach das Befolgen schlechter Ratschläge? Fragen, die der Manager wohl später selbst beantworten wird. Noch schweigt der sonst so Wortgewaltige dazu.

Die meisten von uns kommen nicht in die Verlegenheit, nicht zu wissen, wohin mit den unversteuerten Millionen in der Schweiz? Da ist eher das Problem der unbezahlten Autorate oder einer zu hohen Miete. Aber selbst ein wenig mehr vom Brutto in der Tasche zu behalten, diesen Wunsch haben wohl alle Steuerbürger.

Das deutsche Steuerrecht ist kompliziert, gerade weil es viele Möglichkeiten enthält, Ausgaben steuerlich geltend zu machen. Wer seine Rechte im Detail kennt, kann viel Geld sparen. Zum einen existieren für Arbeitnehmer und Selbstständige viele "Kosten-Bausteine", die als Pauschale oder belegbare Ausgabe steuermindernd wirken. Zum anderen gibt es - vorrangig für Vermögende, Besserverdiener und Haushalte mit doppeltem Einkommen - Investitionsmöglichkeiten, die sich steuerlich positiv auswirken. Hier sind die Grenzen jedoch enger geworden.

Sparen nach Investitionen

Baudenkmäler: Die Möglichkeiten, über Immobilien Geld zu sparen, sind in den vergangenen Jahren drastisch eingeschränkt worden. Eine Ausnahme bilden denkmalgeschützte Gebäude, egal ob sie selbst genutzt oder vermietet werden. Wer ein Baudenkmal bewohnt hat das Recht, innerhalb von zehn Jahren 90 Prozent der Sanierungskosten steuerlich geltend zu machen - je neun Prozent über zehn Jahre. Für Investoren sind es sogar 100 Prozent, verteilt über einen Zeitraum von 12 Jahren.

Wichtig ist, schon vor dem Beginn der Sanierung die entsprechenden Steuerbefreiungen einzuholen. Wer dies versäumt, geht leer aus.

Das Steuersparmodell im Denkmalschutz wurde bisher beibehalten, um die Rettung erhaltenswerter Gebäude nicht zu gefährden. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass nicht jede bauliche Maßnahme steuerlich Berücksichtigung findet. Wer riskiert, dass die Umbaumaßnahmen den Status des Denkmalschutzes gefährden, gefährdet auch die Absetzbarkeit der Kosten. Anbauten und Erweiterungen werden ohnehin nicht berücksichtigt.

Verluste: Eine Besonderheit ergibt sich 2013 für Anleger, die vor Einführung der Abgeltungssteuer 2009 Verluste mit Wertpapieren gemacht haben. Diese können in diesem Jahr noch mit Veräußerungsgewinnen verrechnet werden, danach verfallen sie. Es spart also bares Geld, wenn abgeltungspflichtige Gewinne noch bis Ende Dezember realisiert werden. Zum Nachweis genügt die Bescheinigung über die Jahresbesteuerung der Bank, die Altverluste wurden in der Einkommenssteuererklärung fortgeschrieben.

Erträge: Um Steuern auf Kapitalerträge zu vermeiden, kann ein Teil des Vermögens auf die Kinder übertragen werden. Diese verfügen über eigene Freibeträge. Voraussetzung ist allerdings, dass die Eltern nicht für eigene Zwecke auf das Geld zugreifen können. Schenkungen bis zu 400.000 Euro an die Kinder bleiben ohnehin steuerfrei und sind im Abstand von zehn Jahren erneut möglich.

Sparen über Kosten-Bausteine

Arbeitszimmer: Ein häusliches Arbeitszimmer kann von der Steuer abgesetzt werden, möglich sind maximal 1250 EUR pro Jahr. Allerdings sind die Auflagen streng. Die Finanzämter lehnen die Berücksichtigung der Kosten oft ab, wenn ein weiterer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Bei Arbeitnehmern ist dies meist der Fall - Widerspruch bleibt jedoch möglich.

Wer als Selbstständiger höhere Kosten für das Büro absetzen will, muss die Büroräume in jedem Fall separat betreiben. Die Abgrenzung - beispielsweise im Obergeschoss des eigenen Hauses - genügt nach einem BFH-Urteil nicht.

Bewerbungskosten: Kosten für eine Bewerbung sind absetzbar, müssen aber belegt werden. Dies gilt auch dann, wenn die Bewerbung keinen Erfolg hatte. Fehlt es an Belegen, kann pro Bewerbung eine Pauschale von maximal 15 Euro geltend gemacht werden, zuzüglich zu möglichen Fahrtkosten. Die Anerkennung der Pauschale durch das Finanzamt ist allerdings nicht zwingend.

Bücherkosten: Es ist auch dann möglich, Kosten für Bücher geltend zu machen, wenn diese nicht hundertprozentig der Fachliteratur zugehören. Es ist dann der entsprechende Anteil anzusetzen. Ohne Belege kann ein Pauschalbetrag geltend gemacht werden - derzeit 110 Euro pro Jahr für Fachliteratur und Berufsbekleidung.

Fahrtkosten: Zwar gilt bei der Entfernungspauschale (0,30 Euro pro Kilometer) grundsätzlich der direkte Weg zum Arbeitsplatz, der vom Finanzamt per Routenplaner kontrolliert werden kann. Ist die Wahl einer längeren Strecke jedoch verkehrsbedingt sinnvoller, sind Ausnahmen möglich.

Um die Entfernungspauschale geltend zu machen, muss kein Auto vorhanden sein - man kann auch mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein.

Abgesetzt werden können auch Fahrt- (und andere Kosten) für eine Weiterbildung. Kommt es berufsbedingt zu einem Umzug, wirken auch diese Kosten steuersenkend.

Freibeträge: Arbeitnehmer haben das Recht, jeweils bis zum 30. November Freibeträge auf ihrer Lohnsteuerkarte vortragen zu lassen. Möglich ist dies für außergewöhnliche Belastungen, aber auch für absehbare Werbungskosten. Die Abgabe einer Einkommenssteuererklärung im Folgejahr ist dann Pflicht.

Handwerker-Rechnungen: Wer Arbeiten von Handwerkern durchführen lässt, kann 20 Prozent der Arbeitskosten geltend machen. Die absetzbaren Kosten sind dabei auf 6.000 Euro pro Jahr begrenzt. Da das Datum der Überweisung zählt - nicht der Zeitpunkt der Leistungserbringung - kann im Zweifelsfall zwischen den Jahren steuersparend "jongliert" werden.

Kinderbetreuung: Auch hier können 66 Prozent der Ausgaben bis maximal 4.000 Euro im Jahr steuermindernd geltend gemacht werden. Wiederum entscheidet das Datum der Überweisung.

Werbungskosten: Zu den abziehbaren Werbungskosten zählen neben Fahrt-, Verpflegungs- und Umzugskosten auch die Kosten für eine doppelte Haushaltsführung, was wiederum Mietkosten und mögliche Einrichtungskosten beinhaltet. Einrichtungsgegenstände bis zu 487,90 Euro können im Jahr der Anschaffung abgesetzt werden, teurere Güter über die Jahre der Nutzung. Voraussetzung ist neben der Erstwohnung ein eigener Hausstand am Arbeitsort. Auch Ledige können die doppelte Haushaltsführung steuermindernd in Anspruch nehmen.

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