Die Luft aus den Paketen holen - Online-Versand ringt um Effizienz
Der Versandhandel boomt, die bunte Einkaufswelt im Internet führt immer mehr Paketwagen durch Innenstädte und Wohngebiete. Auspacken, ausprobieren, zurückschicken - und alles möglichst ohne Zeitverlust. Ökonomisch und ökologisch ist das stark verbesserungswürdig, kritisieren Experten. Handel und Logistik müssten noch kräftig an sich arbeiten.
Der Versandhandel macht nach Branchenangaben inzwischen rund 70 Prozent seines Umsatzes im Internet - nicht mehr nur mit Elektronik und Büchern, immer öfter auch mit Schuhen und Kleidung, sogar Möbeln. Waren für 27,6 Milliarden Euro müssen im Jahr verschickt werden - und oft sollen sie möglichst am nächsten Tag da sein. Das Resultat sieht, wer in einer deutschen Großstadt länger als fünf Minuten auf den Bus wartet: Ein Paketdienst nach dem anderen rauscht durch die Straßen.
"Es sind zwei Effekte, die sich gegenseitig überholen", sagt Michael ten Hompel. Er leitet das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Kunden wollten nach dem Kauf per Klick möglichst schnell ihr Paket auspacken - zugleich packten sie von Büchern über Pullover bis Lebensmittel sehr unterschiedliche Produkte in den Warenkorb. "Es bleibt keine Zeit, diese Warenströme zusammenzuführen."
Ergebnis der "Sofortness", wie Fachleute die digitale Ungeduld auch nennen: "Der Laderaum von Lastwagen auf deutschen Straßen ist im zweistelligen Prozentbereich leer", sagt ter Hompel. "Wir haben mehr kleinteilige Transporte, die letztlich umwelttechnisch kritisch sind."
Die Autobranche profitiert davon. Für Daimlers Lieferwagensparte Mercedes Benz Vans etwa ist die kleinteilige "City-Logistik" eine "Riesenchance". In Europa liege das Marktvolumen bei 700.000 Fahrzeugen. Allein Europas größter Autobauer VW verkaufte im vergangenen Jahr mehr als 200.000 seiner Lieferwagen T5 und Crafter. Die Nutzfahrzeugsparte verbuchte abermals einen Rekord.
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht die Entwicklung mit Sorge - wegen der Ökobilanz. Denn nur weil mehr per Paket komme, ließen die Kunden ihr Auto nicht in der Garage. "Ich glaube nicht, dass die privaten Fahrten weniger geworden sind", meint Heidi Tischmann, Güterverkehrsspezialistin des Vereins, der sich den ökologischen Transport auf die Fahne geschrieben hat. "Bevor die Leute im Netz bestellen, fahren die Leute doch ins Geschäft und probieren aus."
Logistikprofessor ten Hompel verweist auch auf die Retouren. Die Hälfte der online bestellten Kleidung ließen die Kunden wieder zurückgehen - wofür wieder Motoren anspringen. Hinzu kommt, dass Paketzusteller viele Empfänger erst beim zweiten Versuch antreffen - oder gar nicht, so dass die Kunden ihr Paket von der Post holen.
Das Fraunhofer-Institut empfiehlt Unternehmen, kleinere stadtnahe Verteilzentren einzurichten und dort gemeinsam Pakete zu packen - ein Beispiel: "Sie haben bei Amazon ein Schnitzel und ein Buch bestellt. In dem Verteilzentrum würden das Fleisch vom lokalen Metzger und das Buch aus dem großen überregionalen Verteilzentrum zusammengeführt."
Onlinekaufhäuser und Versender überlegen nun, wie sie die Abläufe verbessern. Die Otto-Versandtochter Hermes meldet nach einer Spezialistenanalyse stolz: pro Karton 1,5 Liter Luft eingespart.
Zalando erhofft sich mehr Effizienz und Bündelungspotenziale von einem laufenden Projekt mit der Technischen Universität Berlin. Amazon hat die Möglichkeit eingeführt, Artikel auch für später zu bestellen - was der VCD begrüßt. Denn ein Ende der "Sofortness" sei nötig, sagt Tischmann. "Wir brauchen auch ein Umdenken der Kunden."
8 Meinungen zu "Online-Handel ringt um Effizienz"
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Fatima
Sonntag, 07.04.2013, 10:15 Uhr Liebe Matheasse der Chaoscommunity, ich möchte einen Vergleich vorschlagen, die den Menschen auch im online Handel in den Mittelpunkt stellt. gegeben : Anzahl der Gesamtalgorhythmen eines Handels PC im Hochgeschwindigkeitsmodus mal Gesamtumsatzleistung des Brutto pro Sekunde, pro Minute pro Tag, pro Jahr. Das lässt sich programmieren und als Gesamtsumme im 3D darstellen, saisonbedingte Schwankungen mit Parabel mitberechnen, den Größten und den kleinsten Umsatznenner einspeisen. Wenn ihr die Programmierungsdichte des Algorhythmus kennt, so könnt ihr damit im Hochgeschwindigkeitshandel auf die erzeugte Umsatzpräsenz kommen. Nehmt nicht für bare Münze, was euch in abgeschriebenen Umsatzbüchern präsentiert wird, hier beginnt bereits die Verschleierung von Datenmaterial. Baut für Hochgeschwindigkeitshandelsgeschäfte und online Handel im Algorhythmus zugelassene Umsatzwertanalysen ein, die das Brutto neutral widerspiegeln, das tatsächlich erwirtschaftet wurde. Anteilig ergibt sich daraus die Bezahlung von Mitarbeitern und ermöglicht eine Korrektur zu Gunsten von Mitarbeitergehälter ohne Dumping und sozial erträglich. Das stärkt den Euro im Volumenkreislauf für die Gesellschaft allgemein und für den Zahlungsverkehr in der Verfügungsmasse des Geldes im Besonderen. -
lofthouse69
Samstag, 06.04.2013, 14:30 Uhr Jeder Mitarbeiter der einen Arbeitsvertrag unterschreibt, weiß doch auf was er sich einläßt - sofern er lesen kann- . Und niemand wird doch gezwungen dort zu arbeiten, denn ich sehe es nicht ein demnächst mehr zu bezahlen nur weil diese Vollpfosten meinen streiken zu müssen. Ich bestelle so ziemlich alles bei Amazon , praktische sache weil ich nicht aus dem Haus muß. -
Wahlviech
Mittwoch, 06.03.2013, 09:11 Uhr Amazon war mir schon vor dem neuerlichen Skandal zuwider. Jede Reklamation und das Beharren auf Kundenrechten führt automatisch zur Sperrung des accounts. Gilt übrigens auch für ebay. -
tristess
Mittwoch, 06.03.2013, 08:16 Uhr Seit ich weiss wie schlimm die mit ihren leuten umgehen meide ich diese Menschenschinder !!! -
gumbofroehn
Mittwoch, 27.02.2013, 11:41 Uhr Ganz klar: solange alle der Meinung sind, höchstens 2 Tage auf etwas warten zu können (was durch den Wettbewerb der Händler ausgelöst wurde) und die Hälfte der Sachen nur zur Ansicht bestellt werden, ändert sich nix. Wer es noch weiß: damals bei der Post hat ein Päckchen locker eine Woche gebraucht und anprobiert wurde im Ladengeschäft. -
Carinja
Donnerstag, 14.02.2013, 17:53 Uhr Übrigens nervt es mich, wenn es bei mir dreimal täglich klingelt und ich gar nicht aus dem Haus kann, bloß weil ich was bestellt habe und es leider mit unterschiedlichen Zustelldiensten gebracht wird. Grundsätzlich hilft mir der Internet-Versandhandel, denn ich habe (Rentnerin) kein Auto und hätte es schwer, auch nur herauszufinden, wo ich was kriege. Und ein Anbieter schafft ja auch keine Vergleichsmöglichkeiten. Ohne Auto lässt sich manches auch schwerlich transportieren. Aber wie zuvor geschrieben: Die Ursache des Problems ist die Privatisierung. Dass das auf Dauer nicht umweltfreundlich sein könne, hat bereits H.v.Dittfurth in seinem letzten Buch "So lasst uns denn..." geschrieben. Er hat genau diese tägliche Invasion von diversen Lieferdiensten vorausgesehen, ohne dass es damals schon einen Internethandel gab. Was die bedauernswerten örtlichen Händler angeht - also die können ja auch im Internet anbieten. Insofern dürften sie durch den Internethandel keine Verluste haben. Wenn ich meine Kaufgewohnheiten betrachte, stelle ich fest, dass ich mehr kaufe, seit ich es über das Internet kann. -
Carinja
Donnerstag, 14.02.2013, 17:46 Uhr Ich verstehe nicht, warum man dem Versandhandel den Vorwurf macht, dass zuviele Zustelldienste und ihre Wagen durch die Straßen fahren. Das liegt doch nun mal an der Privatisierung. Hätte es die nicht gegeben, würde unsere gute alte Deutsche Post das Geschäft machen mit jeweils täglich nur einem Zustellwagen, der vielleicht inzwischen etwas größer wäre als früher.
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