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20.02.2012, 10:40 Uhr

Jetzt wird die Villa Kunterbunt zum Wohntrend in Kooperation mit WELT Online

Wohnen wird nun bunter – das zeigen die aktuellen Trends der Messe Ambiente. Einigen könnte es beim Blick auf die Neuheiten sogar zu bunt werden.

Von Simone Andrea Mayer

Pippi Langstrumpf lebt in einem farbenfrohen Haus: Die Villa Kunterbunt strahlt Fröhlichkeit und Lebendigkeit aus. Der Kindertraum ist das Vorbild für die Einrichtungsbranche und ihren neuesten Trend, der auf der weltgrößten Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt zu sehen war: Eine wilde Kombination von leuchtenden Farben bei Accessoires wie Lampen, Kissen und Haushaltswaren. Die Möbel dagegen dürfen – zumindest zum Teil – dezent bleiben.

"Radiant Modernity", zu Deutsch so viel wie freudestrahlende Moderne, nennen Experten des Stilbüros bora.herke.palmisano diesen Trend. Als einen "Farbflash, der ins Auge fallen wird" beschreiben ihn die Fachleute, die von der Messe mit der Analyse der Neuheiten beauftragt sind. "Strahlend, glänzend, leuchtend treffen intensive Töne aufeinander", heißt es in ihrem Bericht. Die Töne werden meist einfarbig verwendet, und wenn Muster vorkommen, sind es große Flächen und einfache Grafiken.

Der Reiz der Disharmonie

Die Trendfarben seien Kobaltblau, Smaragdgrün, Mandarine, ein leuchtendes Gelb, Violett, dunkle Aubergine und ein leuchtendes Rosa, erläuterte Stilanalystin Claudia Herke. "Die Idee war, eine Schönheit und den Reiz der Disharmonie zu zeigen." Denn es wird nicht nur eine Farbe pro Raum genommen, sondern viele Farben werden gemischt.

Der Trend zu einem fröhlicheren Ambiente im Wohnraum mag sich den Prognosen der Experten zufolge erst in den kommenden Monaten auf dem breiten Massenmarkt durchsetzen, aber plötzlich kommt er nicht. Seit einigen Jahren werden Möbel, aber auch Wohnaccessoires farbiger. Auch in den Kollektionen von Porzellanfirmen und Herstellern von Haushaltsgeräten werden Farben dominanter.

Nicolette Naumann, die zuständige Bereichsleiterin der Messe Frankfurt, beschreibt den Wandel zugespitzt so: Von Anfang bis Mitte der 2000er waren die idealen Bewohner einer schicken Wohnung, wie die Wohnzeitschriften sie zeigten, Paare mit einem Mops. "Um 2005 kippte das völlig, und das sind nun Menschen, die in super gestalteten Wohnungen mit drei oder vier Kindern, am besten noch von verschiedenen Partnern, leben."

Villa Kunterbunt im Trend

Passende Stoffe für Polstermöbel

Katze oder Kind: Nicht jeder Überzug passt zu jeder Wohnsituation. >

Kinder haben ist heute hip. Und diese gesellschaftliche Neuausrichtung rücke das Familienleben im Wohnraum in den Fokus: "Im Grunde genommen, wenn man es konsequent umsetzt, ist das ja gar nicht mehr ein Haus für Erwachsene, sondern für Familien", sagt Naumann. Eine moderne Villa Kunterbunt für die Jungen und für die Großen gleichermaßen entsteht.

Doch diese habe wenig mit dem Haus aus den Filmen zu tun, sagt Naumann. "Bei Trends geht es ja gar nicht darum, dass Menschen das eins zu eins leben. Sondern ein Trend ist ja gar nichts anderes als ein Traumbild. Diese Villa Kunterbunt ist das auch: Für immer Sommer, für immer gute Laune, für immer Freude mit den Kindern zusammen." Aber umgesetzt werde das nur dezent: "Man fragt sich plötzlich, warum muss mein Messer immer einen schwarzen Griff haben und aus Stahl sein?", gibt Naumann ein Beispiel. Warum also nicht eines mit buntem Griff kaufen?

So ist die Basis der modernen Villa Kunterbunt der skandinavische Stil mit einer Grundeinrichtung in Weiß, Beigetönen und Braun. Diese Farben sieht man in Frankfurt auch immer noch sehr dominant bei den Möbeln und größeren Wohnaccessoires. Durch Dekorationsartikel wie Kissen, Handtücher, Bilder, Teppiche, Vasen, Lichter und Figuren werde aber Farbe wie Tupfer im Raum verteilt – und nicht nur eine Farbe, sondern eben Rot, Grün, Orange, Lila und Blau nebeneinander.

Geschirr und Maschinen sind auch bunt

Viel sieht man diese Kombination derzeit beim Geschirr: Dibbern präsentierte auf der Messe sein Geschirr gestapelt in einer bunten Kombination aus knalligen Farbtönen wie Orange und Gelb, dazu aber Stücke in Weiß oder der Farbe von Kieselsteinen zur Abmilderung, erläuterte Jan Dibbern. Die Kollektion "Solid Color" werde dem Trend folgend immer wieder um neue Farben erweitert. Bei vielen Herstellern haben auch Dezentes und Knalliges in einem Service Platz, etwa bei Waechtersbach Weiß oder Braun zu Rot oder Apfelgrün.

Wohnzimmer

Der Gestaltungsdrang ist groß, die Ratlosigkeit aber auch. >

Auch die Küchenmaschine ist heute bunt: "Sie ist ein Schaustück geworden, das man offen zeigt", sagt Hermann Hutter vom Bundesverband für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur (GPK). "Aber auch andere Sachen lässt man immer mehr draußen stehen, damit diese zu sehen sind. Das sind Eyecatcher für jeden Tag." Das seien Gewürzbehälter oder sonstige Lebensmittelboxen – statt im praktischen transparenten Ton nun eher in Knallfarben und im offenen Regal platziert.

Selbst normale Nutzgegenstände werden so zur Dekoration, wie auf einer Sonderausstellung der Ambiente gezeigt wird: Neben orangenen und blauen Vasen ist auch ein auf dem Regal liegender, orangener Kalender Wohnaccessoire in diesem Ensemble, oder die rosa Schrift eines schwarzen Buches setzt sich kontrastreich von der apfelgrünen Innenverkleidung eines Regals ab.

Alles wird zur Deko

Auch ein gelber Schal, der auf einem lila Regal abgelegt wird, und ein blaues Portemonnaie auf einer Ablage oder die grünen Servietten auf einer roten Platte wirken dekorativ. Selbst das bunte Trinkglas wird so zur Dekoration, immer dort, wo es gerade abgestellt wird.

Gemäß dieser Idee bewarben auch einige Aussteller, von denen man es nicht erwarten würde, ihre bunten Produkten als Wohnaccessoires: Die Trendfarben der Mülleimer von Hailo sind etwa Lila, Hellblau, Giftgrün, Orange und Pink. Und Wesco spricht sogar vom "Color Blocking", einem Stilmittel aus der Mode, bei dem kräftige Farben miteinander kombiniert werden. So haben die Mülleimer schon mal einen orangefarbenen Deckel und einen grünen Behälter.

© WELT Online

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15 Meinungen zu "Wohntrend "Villa Kunterbunt""

  • Harry1972
    Montag, 20.02.2012, 16:17 Uhr
    Nee, Wutkeks...ich habe das schon richtig verstanden und kenne die modernen Artikel namenhafter Hersteller. Entscheidend ist aber nicht, was Rosenthal und Konsorten für viel Geld anbieten, denn sowas kaufen die wenigsten Menschen zum Ladenpreis. Entscheidend ist, was von so einem Trend bei der breiten Massen ankommt und was da ankommt, besteht nunmal aus billigen Materialien wie Plastik und Holzspänen. Der Erfolg von solchen Läden wie Ikea beruht nicht zuletzt darauf, Trends in billig umzusetzen und massenhaft zu verramschen. Meine Kritik richtet sich gegen die Unart vieler Leute, die eigene Wohnung ständig mit billigem Krempel "aufzuhübschen". So bringt es ein Bekannter fertig, sich jedes Jahr mehrmals neue Deko in Form von bunten Vasen, Aschenbechern, Geschirrteilen und sogar Pflanzen zu kaufen und alle paar Jahre ganze Räume komplett neu zu möblieren. Alles muss chic und modern sein. Ich persönlich kämpfe schon mit Übelkeit, wenn ich in eine fremde Wohnung komme und dort 40% der Einrichtung in Form von Ikea vorfinde. Diese Ikeawohnungen sind meist unpersönlich bis zu Anschlag und den Eindruck kann auch eine Küchenmaschine für 800 Euro nicht mehr retten.
  • Pawlitzky
    Montag, 20.02.2012, 15:54 Uhr
    @Pawlizki @Muffin..........ja Hallo? Habt ihr denn keine Frauen? :-) ---------------- @ chris äh, nee hab ich nicht. ich bin nämlich eine :))
  • Wutkeks
    Montag, 20.02.2012, 15:17 Uhr
    Da hat Harry 1972 wohl etwas missverstanden, Aufbunten heißt nicht Plastkkitsch und Lichterketten, es gibt Edles und Buntes auch von Rosenthal, Meissner, Nachtmannkristall , tolle Kerzen, Vorhänge, Kissen usw.. Die Manufakturen haben sich von aus Rokoko und Biedermeier e.t.c. gelöst. Küchenutensielien z.B. von Kitchenaid sind ein Traum in Funktion und Style.
  • Muffinman
    Montag, 20.02.2012, 14:35 Uhr
    @ChrisBo Auch was den Punkt "Frauen" betrifft, muss ich Sie leider enttäuschen. Ja - ich habe eine Partnerin. Und nein - die wird mit Sicherheit niemals mit solchen Sachen ankommen. :-)) Weil sie 1. selbst einen völlig anderen Geschmack hat, als ihn uns die Designer so oft als hip und modern auftischen wollen. Und weil sie 2. im Zweifelsfall mich fragt, was denn am besten zusammen passen könnte, wenn es um Farbgestaltung geht. Kein noch so guter Innenarchitekt würde mich dazu überreden können, mir einen knallroten Stuhl oder ähnliches in die Wohnung zu stellen - nur weil das irgendwie "gut" aussähe. :-)) Abgesehen davon brauch ich auch keinen. Ich weiß selbst, was mir gefällt, farblich zusammen passt und in meinen 4 Wänden gut ausschaut. Natürlich soll jeder nach eigener Fassong glücklich werden. Und wer sich gerne in ein qietschbuntes Durcheinander setzt, kann es natürlich tun. Ich mag es lieber natürlich und ländlich.
  • Harry1972
    Montag, 20.02.2012, 14:21 Uhr
    Mein Leben ist schon derart knallbunt, daß ich in meiner Wohnung dann lieber etwas konservativ bleibe. Ich stehe nunmal auf alte bzw. hochwertige Möbel, teure Hölzer, feines Porzellan, Perserteppiche und seidene Lampenschirme. Diesen Konsumrausch mit ständig wechselnder Plastikdeko, Organzamüll und Lichterketten kann ich so gar nicht nachvollziehen.
  • Wutkeks
    Montag, 20.02.2012, 13:50 Uhr
    Trend hin oder her, in meiner Küche geht es immer schon bunt zu, um die eigentlich triste Küchenarbeit aufzuwerten, eine schicke knallige Küchenmaschine verlockt doch viel mehr zum Backen, Mixen usw., als langweiliges Weiß. Man muss nicht mehr alles im Schrank verstecken weil die Küchengeräte gleichzeitig lustiges Dekomaterial sind, das lockert das eher langweilige Hausfrauendasein auf. Auch in meinem eher "seriösen" Wohzimmer geht es je nach Laune, mit diversen farbigen Accessoires richtig bunt zur Sache, das zieht sich durch die komplette Wohnung und zwar schon seit Jahren.
  • ChrisBo
    Montag, 20.02.2012, 13:40 Uhr
    @Pawlizki @Muffin..........ja Hallo? Habt ihr denn keine Frauen? :-) Ich bin Innenarchitekt...jetzt iss es raus....und ich habe so manchen Kunden mit gefestigtem Geschmack, doch die Gewohnheit sage ich nur! Ich beschäftige mich nun jeden Tag mit solchen Themen und erlebe auch fast jeden Tag ein Überraschung! Und vor allem die Frauen, genetisch zu Sammlerinnen ausgebildet, werden früher oder später sowas anschleppen....ich weiß wovon ich spreche! :-)
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