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18.06.2012, 09:21 Uhr

Zu schade zum Wegwerfen: Trödel verschenken oder spenden

Berlin (dpa/tmn) - Der Kleiderschrank quillt über, die Regal-Deko steht dicht an dicht, und in den Keller will man gar nicht mehr schauen. Der Mensch ist eben ein Sammler und häuft Trödel an, den er nicht braucht. Aber wegwerfen muss man auch nicht gleich alles.

Irgendwann wird es eng: Egal, wie gut der Haushalt organisiert ist, mit der Zeit sammeln sich nicht mehr gebrauchte Sachen in Schränken, Abstellraum oder Keller. Und dann hilft nur eins: Entrümpeln. Besonders wenn ein Umzug ansteht, stellt sich oft die Frage: Was fliegt raus? Aber vor allem: Wohin?

"Es ist einfach schade, etwas wegzuwerfen, an dem sich jemand anders noch erfreuen kann", sagt Johann-Wolfgang Landsberg-Becher, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Naturschutz Berlin. "Bei unserem Abfallsystem wird zwar sinnvoll verwertet, aber die Energie, die zur Herstellung der Sachen verbraucht wurde, geht dabei immer verloren." Er empfiehlt, Gebrauchtwaren zu verschenken oder zu verkaufen.

Der bequemste Weg ist, ein Foto vom abgelegten Spielzeug, dem alten Sofa oder der intakten Geschirrspülmaschine zu machen und alles bei einem Kleinanzeigen- oder Auktionsportal im Internet anzubieten. "Wenn man Geduld hat und gegebenenfalls den Preis anpasst, klappt das ganz gut", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. "Man sollte allerdings immer die Gewährleistung ausschließen, sonst haftet man nämlich dafür, wenn die verkaufte Geschirrspülmaschine nach kurzer Zeit kaputt geht."

Für alte Bücher, CDs und Filme gibt es im Internet sogenannte Ankaufportale. Hier kann man einfach den Titel oder die ISBN-Nummer eingeben und bekommt einen Preis geboten. "Das ist einfach, und man wird es los, aber es gibt auch Reinfälle", sagt Georg Tryba. Die Verbraucherzentrale NRW hat verschiedene Anbieter getestet und festgestellt: Selbst der Beste zahle weniger, als sich beim Verkauf über Online-Auktionen oder Internet-Kleinanzeigen verdienen lässt. "Außerdem besteht die Gefahr, auf den Versandkosten sitzen zu bleiben", warnt Tryba, "denn die werden nur bei einem Mindestwert der gebrauchten Bücher, DVDs und CDs erstattet." Manches Buch wird auch nur zu geringen Cent-Beträgen aufgekauft.

Da empfiehlt sich eher der klassische Flohmarkt. Auch für Bücher, meint Flohmarktexpertin Marie-Luise Schönleben aus dem bayerischen Schliersee. "50 Cent oder einen Euro bekommt man fast immer." Aber die Bücher müssen suchfreundlich angeordnet werden: "Man muss Bücher mit dem Rücken nach oben zum systematischen Durchsuchen anbieten", empfiehlt Schönleben. Sie hat ein Buch über ihre Flohmarkt-Erfahrung geschrieben und geht in der Regel nach einem guten Trödelmarkt mit bis zu 250 Euro Einnahmen nach Hause. "Die besten Flohmärkte sind die, auf denen auch Antiquitäten angeboten werden. Denn da sind Käufer mit Geld unterwegs", ist einer ihrer Tipps.

Der Verkauf muss gut vorbereitet sein: Der Flohmarkt muss am besten durch einen eigenen Besuch ausgesucht werden, die alten Sachen sollten in gutem Zustand sein und schön präsentiert werden. Und für Stücke, die für den Transport auf den Markt zu groß sind wie der Geschirrspüler, hat Marie-Luise Schönleben folgenden Vorschlag: "Machen sie ein Foto, schreiben die Daten dazu und dann bieten Sie das Gerät zur Abholung an." Wenn sich zu Hause besonders viel sperriger Trödel angesammelt hat, könne man auch per Inserat zum Hausflohmarkt einladen.

Wem nicht wichtig ist, mit dem Trödel etwas zu verdienen, kann gebrauchte Sachen auch verschenken. Ein ausgemustertes Fahrrad geht etwa an ein besonderes Projekt: "Wir sammeln Fahrräder, die im Prinzip noch funktionstüchtig sind, und verschiffen sie nach Windhoek in Namibia", erläutert Christian Kölling, Vorstandsmitglied des Verkehrsclub Deutschland Nordost. "Fahrräder für Afrika" heißt die bundesweite Aktion. Der alte Drahtesel sollte komplett sein, kann aber eine kaputte Bremse oder Platten haben. In Namibia wird das repariert - was wiederum Menschen dort eine berufliche Qualifizierung ermöglicht.

Bei defekten Elektrogeräten sollte man mit dem Verschenken vorsichtig sein, auch wenn es viele Schrotthändler gibt, die eine kostenlose Abnahme anbieten. "Diese Schrotthändler benutzen oft zweifelhafte Kanäle, die Entsorgung ist dann nicht umweltgerecht", sagt Sabine Thümler, Pressesprecherin der Berliner Stadtreinigung.

Ist ein Gerät noch intakt, empfiehlt sie daher Internetangebote wie den "Tausch- und Verschenkmarkt" der Berliner Stadtreinigung. "Hier gibt es kein Geld, sondern nur echte Tauschangebote." Ähnliche Angebote gibt es auch in anderen Städten. Auch sogenannte Umsonst- und Tauschläden oder Sozialkaufhäuser finden sich in fast allen großen Städten. Hier kann man vor allem Kleider, aber auch Möbel und funktionierende Geräte abgeben.

Restlos alle alten Sachen, die das Entrümpeln in den eigenen vier Wänden zutage fördert hat, wird man aber wahrscheinlich nicht los. "Einen großen alten Einbauschrank nimmt einem meist keiner mehr ab", dämpft Sabine Thümler mögliche Erwartungen. Der gehöre dann in den Sperrmüll. "Dafür sollte man sich dann immer an die Stadtreinigung oder das Abfallentsorgungsamt wenden." Gegen eine meist geringe Gebühr wird dann der Sperrmüll abgeholt - und zu Hause ist endlich wieder Platz.

Literatur:

Marie-Luise Schönleben: Verkauf auf Flohmärkten, Books on Demand, 120 Seiten, 9,90 Euro, ISBN-13: 978-3-8391-9187-3

Alle News vom: 18. Juni 2012 Zur Übersicht: Freizeit

8 Meinungen zu "Zu schade zum Wegwerfen"

  • August2008
    Sonntag, 29.07.2012, 14:16 Uhr
    Auch interessant: http://www.ebay.de/itm/Raritat-Koffer-Pilotenkoffer-Schatz-Flohmarkt-Krimskrams-Uberraschung-/251118289237?pt=Total_Verr%C3%BCcktes&hash=item3a77d10155
  • Tofuraner
    Samstag, 28.07.2012, 10:36 Uhr
    Alte Bücher und Trödel können auch im Tierheim abgegeben werden, dessen Verkaufserlös den Tieren zugute kommt.
  • LeeMette
    Mittwoch, 20.06.2012, 12:58 Uhr
    @Hamburguesa Nein...leider nicht. Die DAmen die da arbeiten hätten es grundsätzlich nicht nötig. Wenn dem so wäre hätte ich auch verständnis dafür...aber nicht so. So eine Reportage hab ich auch mal gesehen. Finde es extrem schade...man will helfen und macht es dann im endeffekt doch nicht, weil man nicht weiss ob es auch da ankommt wo es soll.... :/
  • Hamburguesa
    Dienstag, 19.06.2012, 12:45 Uhr
    @LeeMette Was Du da beschreibst ist echt übel. Oder sind das wenigstens auch Bedürftige (Ein-Euro-Kräfte) die dort mitarbeiten? Meine guten Klamotten bringe ich zu Oxfam. Bei denen habe ich noch den besten Eindruck, was die Sinnhaftigkeit angeht, Kürzlich gab es eine Doku, wo beschrieben wurde, wie unsere Sachen den Textilmarkt in Afrika zerstört. Das hat mich wirklich erschüttert. Man will Gutes tun und erreicht das krasse Gegenteil. :-(
  • LeeMette
    Dienstag, 19.06.2012, 09:57 Uhr
    'DAnke für die Tipps :) @Hamburguesa Nein, nein, die meine ich nicht...ich mein Caritas bei uns ein Dorf weiter. Da arbeitet seit neuestem ne Bekannte von uns (ehrenamtlich) Sie hat meine These bestätigt...kaum sind die Klamotten da werden die schönsten erstmal abgegriffen. Und Lagerraum haben die da ohne Ende...naja...jetzt weiss ich ja wo ich meine Sachen nicht mehr abgeben muss :)
  • Hamburguesa
    Montag, 18.06.2012, 14:41 Uhr
    @LeeMette Das DRK holt alles ab ohne wenn und aber. Solltest Du Oxfam meinen, die haben sehr begrenzten Lagerraum in den Geschäften und nehmen dort tatsächlich nur saisonale Ware. Schließlich soll das erwirtschaftete Geld in Projekte fließen und nicht in Ladenmieten.
  • TomiFR
    Montag, 18.06.2012, 14:12 Uhr
    @LeeMette ich werf Klamotten immer in den Altkleidercontainer. Bei uns gibt es auch im Recyclinghof regelmäßig so ne Art Flohmarkt. Da kann man das Zeug auch hin bringen und dann kann es von Leuten die es nicht so dicke haben für kleines Geld gekauft werden. Was übrig ist wird dann eben halt gleich entsorgt.
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