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23.07.2012, 10:40 Uhr

Jagd auf Yachten

Ein bisschen verrückt ist Ricardo schon. Gerade hat er sich von seinem Taschengeld und dem Geld, das er zum bestandenen Abitur bekommen hat, ein Flugticket nach Ibiza gekauft. Allerdings nicht, um dort auf wilde Partys zu gehen, wie es andere Abiturienten vielleicht machen würden. Sondern um Superyachten zu beobachten und zu fotografieren. "Meine Freunde finden das schon ein bisschen skurril, was ich da mache. Aber sie haben sich langsam dran gewöhnt", sagt er.

Verrückt nach Superyachten

Der junge Mann aus aus der Nähe von Hamburg ist verrückt nach Superyachten. Jedes Detail kennt er von Schiffen wie der in Hamburg gebauten "Eclipse" - und nicht nur das, viele von ihnen hat er selbst bereits fotografiert. Durch ganz Europa ist er gereist, um die Yachten vor seine Linse zu kriegen. Gerade war er für einige Tage auf Ibiza. "Im Internet hatte ich recherchiert, dass Herr Abramowitsch mit seiner 'Eclipse' - deren Bau ich schon in Hamburg verfolgt habe - dort sein sollte. Also bin ich spontan hingeflogen", sagt er. Der Trip hat sich gelohnt. "Ich habe tolle Aufnahmen von der 'Eclipse' machen können." Insgesamt 1500 Bilder seien in den vier Tagen entstanden.

Schnittige Formen bewundert

Großes Aufsehen macht der Fotograf nicht gern um seine Person. Ganz im Gegenteil, er wirkt eher schüchtern. Details über seine Arbeit erzählt er nur auf Nachfrage. Denn was für andere ungewöhnlich erscheint, ist für ihn selbstverständlich. "Als kleiner Junge, ich war noch nicht einmal in der Schule, habe ich angefangen, mich für die Motoryachten zu interessieren", sagt er über seine Begeisterung für die luxuriösen Schiffe. "Wir waren im Familienurlaub auf Ibiza und ich habe die schnittigen Dinger im Hafen immer bewundert."

Angezogen vom unglaublichen Luxus

Der unglaubliche Luxus habe ihn angezogen und beeindruckt. Stundenlang habe er sie sich von den Stegen aus anschauen können. "Und bald auch die ersten Bilder gemacht." Damals allerdings noch mit einer schlichten Kinder-Analogkamera. Später nutzte der Junge die Familienurlaube auf der Baleareninsel, um sein Wissen über die Yachten und seine Fotosammlung zu erweitern.

Fotografieren selbst beigebracht

Aus der Analogkamera wurde einige Jahre später eine schlichte Digitalkamera und schließlich eine digitale Spiegelreflexkamera. Das Fotografieren hat er sich selbst beigebracht. "Ich habe mich mit den einzelnen Kameratypen vertraut gemacht. Die Einstellungen ausprobiert, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war." Mehrfach ist Ricardo, der gern in den Hamburger Hafen fährt, um zu fotografieren, bereits den Superyachten hinterhergereist, etwa nach Monaco. "Dort sind eigentlich immer einige der ganz großen Schiffe zu finden - Monaco ist der Hotspot für Yachten." Auch in Barcelona war er. Und natürlich auf Ibiza. "Ich recherchiere fast täglich im Netz, welches Schiff wo ist. Auf extra dafür eingerichteten Seiten kann man die Route der Schiffe verfolgen, ihnen dann hinterherfahren."

Das Multitalent entwirft auch Yachten

Dass Ricardo ein Multitalent ist, zeigt sich wenig später, als er unverhofft eine Mappe aus dem Rucksack holt. Die ziert ein professionell gestaltetes Logo, als sei der Abiturient seit Jahren im Geschäft. In Plastikhüllen liegen hier Bleistiftzeichnungen, aber auch Computersimulationen von Motoryachten. "Mein Traumberuf ist der Yachtdesigner", sagt er und schiebt die Mappe über den Tisch. Deshalb habe er schon vor Jahren angefangen, Schiffe zu entwerfen. Auf einer speziellen Internetseite wurde einer seiner Entwürfe - die 102 Meter lange "Fusion" mit einer aerodynamischen Bugform - bereits vorgestellt.

© Axel Springer AG

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37 Meinungen zu "Wenn die Yacht zur Beute wird"

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