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27.07.2012, 14:46 Uhr

Auf Zeitreise im eigenen Kino

(mm/rh) - Für unsere Mitmachaktion "Mein Hobby ist mein Leben" haben uns Leser über ihre liebsten Hobbys berichtet. Die zehn besten Einsendungen standen zur Abstimmung – heute präsentieren wir den Sieger.

Der Hauptgewinn geht an Manfred "Buddy" Seier (49) aus Rehburg-Loccum in Niedersachsen. Herzlichen Glückwunsch! Der zweifache Familienvater hat sich ein eigenes Privatkino im Stil der 50er- und 60er-Jahre eingerichtet und pflegt eine große Sammlung an 16-mm-Filmen.

Wir haben mit "Buddy" über sein Hobby gesprochen. Im Interview verrät er, wie er zu seiner Leidenschaft kam und warum er heute zu Recht sagen kann: "Mein Hobby ist mein Leben".

Ihr Privatkino und Ihre Filmsammlung haben unsere Leser fasziniert. Wie sind Sie zu diesem Hobby gekommen?

Mit sechs Jahren bekam ich meinen ersten Filmprojektor: Ein Dux Kino mit einer Kurbel und einem Film von eineinhalb Minuten. Das war ein Gerät für Kinder. Mein älterer Bruder hatte dann Anfang der 1970er Jahre einen Super-8-Tonfilm-Projektor mit Leinwand. Den stellten wir in Waschküche in einen alten Schrank, in den wir ein Loch gebohrt hatten. Der Film wurde dann auf die weiße Wand geworfen – wie im Kino.

Seitdem sind Sie dem Hobby treu geblieben?

Nein, während meiner Wehrdienstzeit in den Jahren 1983 und 1984 hatte ich aus Geld- und Zeitgründen alles verkauft. Erst 1998 bin ich auf einem Flohmarkt auf einen 16-mm-Projektor mit zwei Werbefilmen gestoßen. Da ist die Leidenschaft neu entflammt.

Wie groß ist Ihre Sammlung heute?

Ich besitze etwa 500 Kurzfilme mit einer Länge von zehn bis 40 Minuten und 40 Spielfilme. Das ändert sich, da ich immer wieder im Internet neue Filme kaufe oder Stücke aus der Sammlung verkaufe. Dazu habe ich einige Projektoren, etwa einen Bauer Selecton II, der über 400 Kilo wiegt. Das war ursprünglich ein Schießkino-Projektor, mit dem Polizisten das Schießen lernten. Mein mobiler Lieblingsprojektor ist jedoch der Siemens Projektor 2000 - diese bekannten grünen Geräte, wie sie in Schulen eingesetzt wurden. Der verkraftet es auch einmal, wenn eine Klebestelle im Film nicht ganz sauber gemacht ist.

Und was ist Ihr persönlicher Lieblingsfilm in Ihrer Kollektion?

Ich bin ein ganz großer Fan von Humphrey Bogart. Als ich 1975 auf Klassenfahrt war, hatte der Lehrer einen Siemens Projektor 2000 dabei und zeigte uns "Der Schatz der Sierra Madre". Das war ein Schlüsselerlebnis für mich und daher musste ich diesen Film natürlich haben. Meine Frau wusste das und hat zu meinem 40. Geburtstag zusammen mit den Gästen Geld gesammelt und mir den Film geschenkt. Solche Sammlerstücke in gutem Zustand kosten viel Geld – dieser Film hat etwa 500 Euro gekostet.

Gibt es einen Film, den Sie noch verzweifelt suchen?

Ja, vom letzten Laurel-und-Hardy-Film "Dick und Doof erben eine Insel" mit dem Originaltitel "Atoll K" habe ich nur den ersten Akt auf 16mm. Da suche ich den zweiten Teil. Vielleicht findet sich ja ein Leser, der hier weiterhelfen kann.

Nun haben Sie nicht nur eine Filmsammlung sondern auch ein privates Kino – wie kam es dazu?

Vor zehn Jahren habe ich mir eine ehemalige Tankstelle mit Haus gekauft. Den Verkaufsraum im Erdgeschoss habe ich mir dann zum Kino ausgebaut. Wir wohnen in der ersten Etage und wenn ich nach unten gehe, bin ich sofort in einer anderen Welt.

So ein Umbau klingt nach einem Riesenprojekt.

Ja, ich habe über drei Monate wirklich jeden Tag daran gearbeitet. Das Schaufenster und den Eingang habe ich zugemauert. Dabei habe ich auch Teile der Tankstelle wiederverwendet. Vor der Leinwand habe ich eine Bühne gebaut, da das Kino auch für Livemusik und als Proberaum genutzt wird. Der Boden im Raum war anfangs noch eben, aber zwei Jahre später habe ich Treppen angelegt, so dass bei Veranstaltungen auch jeder eine gute Sicht hat.

Gibt es etwas, auf das Sie in Ihrem Privatkino besonders stolz sind?

Auf alles zusammen: Ich habe zwei Leinwände, einmal im 3:4-Format und eine im selbstgemalten CinemaScope-Format, echte Kinositze und Cocktailsessel und Tische im Stil der 1950er Jahre. Meine Frau hat mir einen Vorhang genäht, der jetzt elektrisch aufgeht. Sogar einen Original Kino-Gong der UFA habe ich. Wenn das rote Licht am Seitengang alles anstrahlt, dann sieht das wirklich toll aus.

Finden in Ihrem Kino regelmäßig Filmabende statt?

Zweimal im Jahr veranstalte ich "Buddys Schmalfilmabend" und lade Freunde und Bekannte ein. Das kommt immer sehr gut an. Gerne würde ich einmal einen Open-Air-Kinoabend auf die Beine stellen. Den Platz habe ich ja. Auch eine mobile Leinwand und 30 bis 40 Stühle aus den 50er Jahren hätte ich. Aber das ist dann eine rechtliche Geschichte, weil es eine öffentliche Vorführung wäre.

Ihr anderes großes Hobby ist die Musik. Mit der Band "Buddy and the Cruisers" stehen Sie auch regelmäßig auf der Bühne und spielen im Stil der "Golden Fifties". Woher kommt Ihre Faszination für die 50er und 60er Jahre?

Das ist gewachsen. Mit 13 Jahren habe ich angefangen, Gitarre zu lernen. Mich hat dann in den 1970ern die moderne Musik nicht so interessiert, ich fand eher das Alte toll - vor allem Buddy Holly, Roy Orbison, Chuck Berry oder The Shadows. Die Faszination für die Zeit hat sich bis heute gehalten. Für 19 Jahre habe ich einen 1958 Buick Limited gefahren und damit Pokale auf US-Car-Treffen gewonnen. Auch mein Wohnzimmer ist im 50er-Jahre-Stil. Persönlich habe ich nicht einmal ein Handy. Ich kann mit den neuen Sachen nichts anfangen.

Das heißt, das Motto unserer Mitmachaktion "Mein Hobby ist mein Leben" trifft voll auf Sie zu.

(lacht) Ja, das stimmt. Meine Welt ist und bleiben die 50er und 60er Jahre.

Als Sieger unserer Mitmachaktion gewinnen der Erstplatzierte Manfred Seier und der Zweitplatzierte Jens R. je eine Übernachtung für vier Personen im neuen 4-Sterne Superior Hotel "Bell Rock" im Europapark in Rust. Herzlichen Glückwunsch!

Alle News vom: 27. Juli 2012 Zur Übersicht: Freizeit

3 Meinungen zu "Auf Zeitreise im eigenen Kino"

  • BlueMoonSaxony
    Freitag, 15.03.2013, 15:54 Uhr
    Wow! Ähem, wann kann ich mich mal bei dem Herrn Seier einladen und etwas Kinoluft der anderen Art zu schnuppern? Nostalgie pur, ehrlich! Auf so was stehe ich. 8 MM, uralt Kameras (keine digitalen sondern noch die analogen), dieses Geräusch, welches man hört, spielt man die "alten" Filme ab, am besten noch mit einer uralt Originalkinofilmabspielmaschine... Bei Fotokameras gilt das gleiche. Ich habe noch die ganz alte Technologie bei mir gebunkert. Hat mir alles mein Vati geschenkt. Weil er genau wusste, was sein Töchterlein gerne macht... Fotografieren und damit Kunst produzieren! Klar, mit digitalen Kameras kann man mehr Bilder machen und gleich im PC darstellen und weiter verarbeiten. Dadurch stirbt aber auch schon fast der komplizierte Beruf eines professionellen Fotografen aus, weil jeder sein eigener Fotograf sein kann, finde ich...
  • dingdong35
    Mittwoch, 01.08.2012, 10:38 Uhr
    cool !
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