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06.08.2012, 13:59 Uhr

Freiheit am Himmel

Finn hat seinen Segelflugschein seit knapp zwei Jahren. Der 19-​Jährige ist fasziniert vom Fliegen, wollte sogar Pilot werden, aber jetzt studiert er doch lieber. In die Lüfte zieht es ihn dennoch jedes Wochenende. Auf einem Vereinsflugplatz südlich von Hamburg lässt er sich regelmäßig mit einem Segelflieger in die Lüfte ziehen. "Segelfliegen ist schon was ganz Besonderes", sagt er. Hier könne man ganz und gar abschalten, denn das Fliegen erfordere die gesamte Konzentration. "Da bleibt kein Platz für andere Gedanken", so Finn. "Man lässt die Dinge wirklich unter und hinter sich."

Fragenkatalog wie ein Telefonbuch

Philipp ist im gleichen Verein wie Finn. Er hat im vergangenen Jahr mit dem Luftsport angefangen und gerade seine Anmeldung zur abschließenden praktischen Prüfung abgeschickt. Seit eineinhalb Jahren büffelt er für seinen Segelflugschein. Einen Fragenkatalog so dick wie ein Telefonbuch muss er beherrschen. Dazu werden jede Menge Starts und Landungen, zuerst mit Fluglehrerbegleitung, später ohne, verlangt. Am Ende stehen die letzte theoretische Prüfung bei der zuständigen Luftfahrtbehörde und ein 50 Kilometer weiter Flug allein mit Landung auf einem fremden Flugplatz.

Motorflug baut auf Segelflug auf

Der Segelflugschein ist eine vollwertige Luftfahrerausbildung. Alle anderen Motorflugscheine bauen darauf auf. Julian schreckt das alles nicht. Der 13-​Jährige hat schon 56 Starts mit dem Segelflieger an der Seite eines Fluglehrers hinter sich gebracht. Nun hofft er auf die Prüfung im nächsten Jahr, denn mit 14 Jahren darf geflogen werden.

Führerschein schon mit 14

Dass der Führerschein für den Segelflieger schon mit 14 erlaubt ist, ein Auto aber erst mit frühestens 17 gefahren werden darf, hat historische Gründe. Der Versailler Vertrag verbot nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland den Motorflug. Für die motorlose Segelfliegerei galt das jedoch nicht. Die Wasserkuppe in der Rhön war dann die Geburtsstätte des Segelflugs. Dort versammelten sich Jung und Alt, um ihrem Hobby und ihrer Leidenschaft zu frönen.

Der frühe Wunsch, Pilot zu werden

Julian ist dennoch eine Ausnahme, denn mit der Ausbildung darf eigentlich erst mit 14 Jahren begonnen werden. Ausnahmegenehmigungen werden erteilt, wenn auch schon die Eltern Flugsport betreiben und einen Antrag stellen. Julians Vater, selbst noch Flugschüler für Ultraleichtflugzeuge, will seinen Sohn bei seinem Wunsch, später Pilot zu werden, so früh es geht unterstützen.

Im Verein nicht elitär

Ein häufiges Vorurteil lautet, dass die Fliegerei ein elitärer Sport ist, den sich nur Ärzte, Anwälte und Manager leisten können. Vereine machen das Fliegen aber für jeden erleb-​ und bezahlbar. Besonderes Kinder und Jugendliche profitieren davon.

© Axel Springer AG

Alle News vom: 6. August 2012 Zur Übersicht: Freizeit

1 Meinungen zu "Die Freiheit am Himmel"

  • Hamburguesa
    Dienstag, 07.08.2012, 16:04 Uhr
    Sehr passend so ein Artikel, einen Tag nachdem eine 17-Jährige in Quakenbrück bei ihrem ersten Alleinflug tötlich verunglückt ist. :-|
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