Segeln oder fliegen?
Die "l'Hydroptère" ist der schnellste Segler der Welt. © DCNS/Francis Demange
Ist das noch ein Boot?
Man könnte drüber streiten, ob die "l'Hydroptère" noch ein Boot ist. Denn seine Geschwindigkeit erzielt der nur 18,28 Meter lange Trimaran nicht beim Schwimmen, sondern beim Fliegen. Unter den kurzen seitlichen Rümpfen sind 5,70 Meter lange Tragflächen angebracht, die schräg ins Wasser ragen. Sobald die Yacht schneller als 15 Knoten (28 km/h) läuft, erzeugen die Tragflächen, Foils genannt, genug Auftrieb, um das 6,5 Tonnen schwere Boot aus dem Wasser zu heben. Nun gibt es kaum noch Wasserwiderstand, und die Beschleunigung ist mehr als beeindruckend, erzählen alle, die schon einmal an Bord waren.
Drei Meter über dem Meer "fliegen"
"Wir müssen ein bisschen aufpassen wegen der vielen anderen Boote", sagt Thébault. Die magische 50-Knoten-Grenze werde man an diesem Tag nicht überschreiten. Thébault hält mit 50,17 Knoten einen bisher ungeschlagenen Rekord. Das Schiff, unter Segeln nach Kiel gekommen und damit alles andere als ein zerbrechliches Formel-Fahrzeug, sei doch so schnell, dass man genau darauf achten müsse, Kollisionskurse zu vermeiden.
Ungeheure Kräfte wirken
Der Wind bläst vom Land her, mit vier Windstärken, in Böen fünf, zunehmend. Das Wasser der Kieler Förde ist fast wellenfrei, nicht einmal Schaumkronen sind zu sehen. Ideale Bedingungen für einen Probetörn, doch erst einmal liegt "l'Hydroptère" beinahe unbewegt da, und aus dem Zentralrumpf brummt es: Das schnellste Segelschiff der Welt hat einen Motor. Damit hilft die Besatzung nun dem 24 Meter breiten Trimaran beim Umdrehen, und dann geht alles ganz schnell. Vorsegel setzen, alle Mann auf den Ausleger, wo sich ein Sitz samt Lenkrad befindet und die Schoten bedient werden. Diese Leinen zum Justieren der Segel sind weit mehr als daumendick und betonhart gespannt. Man sieht nicht nur, man hört auch, welche Kraft an ihnen zerrt: Immer wieder überträgt sich das Knacken der Umlenkrollen in den Karbonrumpf und wird hundertfach verstärkt.
Geschwindigkeit pur
Kein Problem, sagen die Franzosen und winken den fünf, sechs Laserjollen zu, die sich im Kielwasser der "l'Hydroptère" versammelt haben und tatsächlich versuchen, ihr ein Rennen zu bieten. Dann aber ist das Rekordschiff vorbei an der letzten störenden Landzunge, und der Wind kann seine Kraft entfalten. "l'Hydroptère" hebt sich spürbar hoch, am Ende werden alle rund drei Meter über dem Wasser sitzen, und dann fängt es an zu rauschen. Der Wind rauscht in der Takelage, die Foils rauschen durchs Wasser, und alles ist nur noch Geschwindigkeit. 28 Knoten, meldet ein kleiner Monitor, aber nur kurz. Denn jetzt scheint sich die Tempo-Anzeige gerade erst warmgelaufen zu haben: 33, 35, 39, 41, und am Ende steht da 42,5 (78,7 km/h). Mehr geht heute nicht, aber das ist mehr als genug. Und mehr als alle, die nicht zur Crew gehören, jemals wieder erleben werden. "l'Hydroptère" überholt jede Yacht, jedes Frachtschiff, einfach alles, was sich auf der Förde bewegt. Selbst wenn die Marine ein Schnellboot auslaufen ließe, es käme nicht hinterher.
30 Jahre für eine Idee
Thébault wendet sich seinen Besuchern zu, erklärt, scherzt und streckt immer mal beide Arme aus. Wir fliegen, soll das heißen, und es ist Thébaults bevorzugte Geste. Man findet sie auf vielen Fotos von ihm, und er gibt so dem Prinzip seines Bootes Ausdruck. Etwa 30 Jahre hat sich Thébault mit der Idee vom Fliegen über dem Wasser befasst, und schon 1994 war eine erste Version seines Trimarans fertig. 25 Knoten habe das Boot geschafft, erzählt einer aus der Crew, häufig sei etwas gebrochen, und ja, kentern könne so ein Boot auch, alles schon vorgekommen.
Kein Rumpeln, kein spritzendes Wasser
Daran muss man aber selten denken an Bord, weil "l'Hydroptère" viel komfortabler fährt als erwartet. Wenn der Rumpf nicht durchs Wasser schneiden muss, dann rumpelt, kracht und spritzt auch nichts. Schnell gewöhnt man sich an das Tempo, etwas langsamer fasst man Vertrauen zu den Netzen, die zwischen Rumpf und Auslegern gespannt sind. Man kann darauf stehen und gehen. Anfänger fallen auch mal hin, aber diesen Belastungen hält das Netz stand - ein Hoch auf die Kunstfaserindustrie!
Unterstützung von Airbus
Fast 20 Jahre Forschung stecken in "l'Hydroptère", viel Versuch und Irrtum, dazu kommt das Klinkenputzen bei Sponsoren. Wenn das Schiff heute sinken würde, wären rund vier Millionen Euro dahin, und die Forschungsarbeit dahinter, teils unterstützt vom Flugzeugbauer Airbus, hat mindestens noch einmal so viel gekostet. Reich ist Alain Thébault nicht geworden mit seiner Jagd nach Tempo. Der Skipper lebt in einer anderen Welt und plant die "l'Hydroptère Maxi", einen gut 30 Meter langen Katamaran, der in klassischer Weise wie auch auf Foils segeln kann. Damit will Alain Thébault um die Welt segeln, in weniger als 48 Tagen. Das wäre natürlich wieder neuer Rekord.
© Axel Springer AG
3 Meinungen zu "Der schnellste Segler der Welt"
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Darfichmal
Samstag, 14.07.2012, 12:01 Uhr She Der Tippfehler ist aus Begeisterung entstanden, sry. Aber der Kahn würde noch zum optimieren einladen. Ganze Crew auf der LUV Seite :-( , dort sowas wie Landeklappen an einem Flugzeug wäre das Ding Einhand fähig aus dem Cockpit. Mal mitfahren würde ich gerne. Habe nur einen Monohull Liegegebüren sind sonst ja kaum noch bezahlbar. -
Shesunique
Samstag, 14.07.2012, 11:40 Uhr Gaaiilll!!! Will auch mal! Biete natürlich auch Hand gegen Koje :-)) -
Darfichmal
Samstag, 14.07.2012, 07:53 Uhr Genial, bin selber Segler, Bitte schon mal Hand gegen Koje an.
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