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25.06.2012, 15:56 Uhr

Intensivmedizin bei Haustieren wirft ethische Fragen auf

Jena (dpa) - Was sich bei der Behandlung von menschlichen Patienten bewährt hat, hält immer öfter Einzug in die Tiermedizin. So bekommen Hund und Katze inzwischen Prothesen und auch Chemotherapie. Tierärzte geraten dabei in neue ethische Konflikte.

Mit immer neuen Behandlungsmöglichkeiten in der Tiermedizin wächst nach Ansicht des Jenaer Philosophen Peter Kunzmann die Vermenschlichung von Hund und Katze. Zudem öffnen sich neue ethische Konflikte für Tierärzte. "Es gibt Tierbesitzer, die ihren Vierbeiner nicht loslassen können und ihn so eisern durchbehandeln lassen wollen, wie es nur geht", sagt Kunzmann. "Mitunter mutet er dann seinem Tier ein schmerzvolles Siechtum zu." Dabei gerieten die Veterinäre in eine Zwickmühle. Denn derjenige, der sie bezahlt, ist nicht ihr Patient.

Aber Hund und Katze haben längst soziale Funktionen übernommen und sind für manchen Tierfreund Partner- oder Kindesersatz. Aus Angst, das Tier zu verlieren, ließen manche ihren treuen Gefährten bis zuletzt intensivmedizinisch behandeln, weiß Kunzmann. Der Experte leitet am Ethikzentrum der Universität Jena das Projekt "Die Gestaltung des tiermedizinischen Fortschritts im tierärztlichen Berufsethos".

Viele für den Menschen entwickelte Behandlungsmethoden halten nach seinen Angaben Einzug in die Tiermedizin. Die Palette reiche von Chemotherapie und Bestrahlung bei Krebs bis hin zu Implantaten und Prothesen. Anders als etwa in den USA seien Organtransplantationen bei Tieren hierzulande nicht möglich. "Das lässt das Tierschutzgesetz nicht zu, weil man dem Spendertier damit Schaden zufügt", erläuterte Kunzmann. In den USA würden unter anderem Tiere in Heimen als Spender verwendet. Im Gegenzug müsse Herrchen oder Frauchen des Tieres, dem auf diese Weise geholfen wird, das Tierheimtier bei sich aufnehmen.

Mit dem verstärkten Einsatz von Intensivmedizin bei Haustieren werde eine neue Stufe ihrer Vermenschlichung erreicht. "Zugleich wächst die Kluft zwischen Heim- und Nutztier." Denn während Hund, Katze und Zwergkaninchen verhätschelt und geliebt werden, ist bei Schweinen, Hühnern und Rindern Massenhaltung gang und gäbe - ihr Wert beschränkt sich auf ihren rein ökonomischen Nutzen. "Früher hatten auch Hund und Katze eine ganz praktische Funktion", betonte Kunzmann. "Katzen wurden zum Mäusefangen gehalten, Hunde als Jagdgehilfe oder als Wachhund." Waren sie dafür zu alt und nicht mehr zu gebrauchen, bekamen sie bestenfalls ihr Gnadenbrot. Ansonsten wurden sie verjagt oder getötet. Kunzmann verwies dabei auf die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten, die dieses Schicksal deutlich vor Augen führe.

Geld für ein Haustier auszugeben, hält er allerdings nicht für unmoralisch - auch wenn damit menschliche Not gelindert werden könnte. "Wir halten es auch niemandem vor, viel Geld für einen Skiurlaub in den Rocky Mountains auszugeben, das sinnvoller für mildtätige Zwecke verwendet werden könnte", erklärte der Philosoph. Doch sieht er durchaus ein Verteilungsproblem: Den medizinischen Fortschritt können sich gar nicht alle Tierhalter leisten.

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10 Meinungen zu "Vermenschlichung von Hunden?"

  • ratterl
    Samstag, 14.07.2012, 17:00 Uhr
    ich denke,daß wir Menschen immer von unseren eigenen Gefühlen ausgehen.Deshalb glauben wir,alle Lebewesen müssen so denken und fühlen wie wir.Man spricht ja auch mit kleinen Kindern oft sehr komisch.Ich denke,daß hat generell mit der menschlichen Sprache zu tun.Wenn jemand nicht verständlich spricht(Tier od.Kleinkind)kommt der Beschützerinstinkt ins Spiel.
  • Geldi
    Mittwoch, 27.06.2012, 17:44 Uhr
    Warum wird hier gleich von "Vermenschlichung" gesprochen, wenn man einem Tier medizinische Hilfe ermöglicht? Der Autor dieses Artikels scheint kein Tierfreund zu sein und hat sich mit der Tierhaltung offenbar auch noch nicht befasst. Vielmehr scheint er einige Artikel zusammengeschrieben zu haben. Außerdem betrachtet nur ein Bruchteil der Hunde- und Katzenhalter ihr Haustier als Kindes- oder Partnerersatz. Ich bin im Katzenschutz aktiv und kenne daher eine Vielzahl von Tierhaltern. Die meisten betrachten ihre Tiere auch als Tiere und nicht als menschlichen Ersatz für irgendwen. Es ist immer wieder schwer, den richtigen Punkt zu finden, ein Tier einschläfern zu lassen. Bei einer unserer Katzen wird nächste Woche eine MRT-Untersuchung gemacht. Sie scheint keine Schmerzen zu haben, aber vermutlich ein Nervenleiden. Das gilt es herauszufinden. Bis auf einige gelegentliche Ausfallerscheinungen macht die Katze einen gesunden Eindruck. Sie ist lediglich aufgrund von mind. 2 Unfällen (mit "menschlicher" Einwirkung) behindert. Wir wollen hier die Ursache finden und dann schauen, ob und wie es weitergeht und ob es für die Katze weiterhin lebenswert ist. Die andere Seite sind unheilbare Erkrankungen. Hier ist es auch Sache des Tierarztes, es nicht bis zum Siechtum eines Tieres kommen zu lassen. Ein Tierarzt ist nicht nur Medizinier, sondern muss auch Psychologe sein, denn oft spiegelt das Tier auch die Probleme seines Besitzers wieder.
  • gathomy
    Dienstag, 26.06.2012, 13:47 Uhr
    Wir standen im letzten Jahr vor der Entscheidung, unserem Hund weiter leiden zu lassen oder ihn zu von den Qualen zu erlösen. Bei Tieren ist zum Glück "aktive Sterbehilfe" möglich. Der Tierarzt meinte, man könnte noch mit CT die Ursache für die Krankheit finden. Den Syntomen nach konnte er aber schon mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Tumor im Kopf als Ursache nennen. Meine Frau hat sich die Augen ausgeweint und mir war auch nicht ganz wohl, als wir dem Einschläfern zugestimmt hatten. Aber heute sind wir sicher, das es für ihn das Beste war. Übrigens bei uns war der Hund kein Kinderersatz sondern Spielkamerad für unseren Sohn. Er fragt heute noch ganz traurig, warum unser Hund nicht wieder zurückkommt. Dem Schreiber sei gesagt, dass es auf der Welt Völker gibt, bei der Tiere als eine Art Götter noch über dem Menschen stehen.
  • Mausepit
    Dienstag, 26.06.2012, 10:35 Uhr
    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass jedes Tier ein Recht auf Leben hat. Wenn aber ein größeres Leiden vorliegt, muss eine Behandlung ethisch vertretbar sein. Ich denke, dass der Tierarzt da immer mehr beratende Hilfe leisten muss, denn das Tier kann nicht sagen: "Meine Schmerzen sind so groß, ich möchte diesen ganzen Stress nicht mehr über mich ergehen lassen." Klar, dass der Besitzer alles tun möchte, um dem Tier zu helfen. Es zeigt ja auch in gewissem Sinne die Bindung und Liebe zum Tier. Aber man muss sich auch vor Augen halten, dass es oftmals nicht viel Sinn macht, einen beispielsweise 12 Jahre alten Hund noch chemotherapeutisch zu behandeln. Dann lieber noch ein halbes Jahr mit Schmerzmitteln so gut es geht leben, als ein Jahr voller stressiger Behandlungen mit schlimmen Nebenwirkungen. Vielleicht ist es für die Halter ja auch eine so große Last, zu wissen, dass die Tiere nunmal nicht so alt werden wie ein Mensch?
  • jeck58
    Dienstag, 26.06.2012, 09:05 Uhr
    ich liebe meine hündin auch,und würde alles tun um ihr ein langes leben zu ermöglichen.aber künstliche hüften u.s.w.kämen nicht in frage--es ist sehr schwer von einem tier abschied zu nehmen,weil es wie bei mir ein familien mitglied ist.aber wenn die zeit gekommen ist,muss man mit würde das tier gehen lassen,und nicht aus falsch verstandener tierliebe den hund oder andere tiere unnötig leiden lassen-ich habe schon so manches haustier einschläfern lassen müssen,jedesmal bricht ein stück herz mit weg,aber wer mich über jahre begleitet hat,den muss man auch loslassen können,und leiden ersparen!!!
  • ghirtz
    Dienstag, 26.06.2012, 08:33 Uhr
    @ felix606 ... wo ist dieses `Recht` den manifestiert ? Ist es in eine Felsplate auf einem Jupitermond eingemeißelt oder gar eine Naturkonstante ? Oder ist es einfach nur Bestandteil unserer menschlichen Wertevorstellung ? Dein Kommentar enthält ebenfalls sehr viele Werteurteile ...
  • shore70
    Dienstag, 26.06.2012, 07:22 Uhr
    Was für ein Müll doch über Medien verbreitet wird um Stimmung gegen oder für bestimmte Dinge zu machen um eigene Interessen durchzusetzen. Am Anfang erlaubt sich der Schreiberling über Ethik zu schreiben und unten deutet er an, das wohl früher alles besser war, als man "nutzlos" gewordene Tiere einfach ausgesetzt oder getötet hat. Einfach nur krank was sich in manchen Köpfen abspielt. Ansonsten stimme ich dem Beitrag von felix606 komplett zu, jedes, absolut jedes Lebewesen hat dasselbe Recht zu leben!
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