Die gesetzliche Rente wird für die meisten Menschen im Alter nicht mehr reichen. Private Vorsorge ist gefragt. Doch auf Sparbücher oder Tagesgeld gibt es schon lange keine attraktiven Zinsen mehr. Der Garantiezins für Lebensversicherungen sinkt seit Jahren, auch die Riester-Rente lohnt sich nicht für jeden. Doch welche wichtigen Vorsorgeprodukte gibt es? Und für wen lohnt sich welche Altersvorsorge trotz niedriger Zinsen?

Die Menschen werden immer älter, immer weniger Junge zahlen in die Rentenkassen ein. Spätestens seit der Rentenreform 2001 nimmt der Staat die Bürger deswegen in die Verantwortung, sich selbst um einen Teil seiner Altersvorsorge zu kümmern. So entstand damals die Riester-Rente. Es folgte die Rürup-Rente. Hinzu kommen traditionelle Instrumente wie die Kapital-Lebensversicherung oder die Sparprodukte der Banken und Sparkassen. Immobilien stellen ebenfalls eine Absicherung im Alter dar. Auch Aktien und andere Wertpapiere sind eine Option. In diesem Dickicht ist es nicht immer einfach, sich zurecht zu finden.

Kapital-Lebensversicherungen

Vorteil: Wer eine alte Lebensversicherung hat, kann sich glücklich schätzen. Mit Garantiezinsen bis zu 4 Prozent hatten Anbieter zu besten Zeiten die Kunden gelockt. Bei dieser Versicherung wird Kapital für das Alter aufgebaut. Zudem können damit Angehörige für den Fall abgesichert werden, dass der Versicherte vor Erreichen der Auszahlung stirbt.

Lebensversicherung: Was die geplante Reform die Kunden kostet.

Nachteil: Die niedrigen Zinsen belasten die Versicherer. In den vergangenen Jahren ging es mit dem Garantiezins stetig nach unten. Ab dem 1. Januar 2015 sollen Neuverträge nur noch mit 1,25 Prozent vergütet werden müssen. Hinzu kommt, dass ein oft beträchtlicher Teil der Beiträge für Provisionen und Verwaltungsgebühren verwendet wird und die Rendite mindert. Verbraucherschützer raten deswegen, zumindest derzeit keine Lebensversicherung abzuschließen und den Kapitalaufbau von der Absicherung der Angehörigen zu trennen.

Sparprodukte

Vorteil: Egal ob Sparbuch, Termin- oder Tagesgeld - die Produkte der Banken und Sparkassen haben eine lange Tradition beim Vermögensaufbau und sind in Deutschland noch immer weit verbreitet. Die Angebote sind meist einfach, transparent und sicher.

Nachteil: Die Zinssätze sind derzeit erbärmlich. Beim klassischen Sparbuch sind es oft nur noch 0,2 Prozent. Weil die Preise deutlich stärker steigen, verliert das Ersparte zunehmend an Kaufkraft. Der Sparer macht Verluste. Mit guten Tages- und Termingeld-Angeboten kann man derzeit immerhin die Inflationsrate übertreffen. Doch Vermögensaufbau sieht anders aus.

Aktien und Aktienfonds

Vorteil: Die Börsen gehören zu den wenigen Gewinnern der Niedrigzinsphase. Das billige Geld beflügelt die Kurse, der DAX hat Anfang Juni 2014 die 10.000-Punkte-Marke durchbrochen. Aktien und Aktienfonds sind derzeit die einzigen großen Anlageformen, die bemerkenswerte Renditen abwerfen. Wieso also nicht daran teilhaben?

Nachteil: Es wird auch wieder abwärts gehen. Dann gilt: Keine Panik! Nur wer langfristig plant - Experten setzen hier eine Spanne von etwa zehn Jahren an - und wer sein Risiko auf verschiedene Werte streut, wird am Ende einen guten Schnitt machen.

Riester- und Rürup-Rente

Vorteil: Die Riester-Rente ist eine privat finanzierte, aber vom Staat mit Zulagen und Steuervorteilen geförderte Altersvorsorge. Während sich dieses Produkt primär an Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung wendet, ist die Rürup-Rente vor allem für Selbstständige geeignet. Der Staat beteiligt sich bei bei den Angeboten am Aufbau der Vorsorge. Das erhöht die Rendite.

Nachteil: Wer hier einen Vertrag abschließt, hat in der Regel die Wahl zwischen einer Rentenversicherung, einem Banksparplan oder einem Fondssparplan - mit allen Nachteilen dieser Produkte, die hier bereits aufgeführt wurden.

Immobilien

Vorteil: Den Traum vom eigenen Heim verwirklichen und im Alter mietfrei wohnen - das klingt für viele Menschen attraktiv. Und die Zinsen für einen Immobilienkredit sind derzeit enorm günstig. Das heißt, Sie bekommen mehr Kredit bei der gleichen Monatsrate.

Nachteil: Leider haben auch die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren deutlich angezogen. Bauen Sie nur, wenn Sie über genügend Eigenkapital verfügen (Experten raten zu 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten) und wenn Sie absehen können, dass Sie den Kredit auch bedienen können, wenn die Zinsen wieder anziehen.

Betriebliche Altersvorsorge

Vorteil: Bei der betrieblichen Altersversorgung sagt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer Versorgungsleistungen zu. Manchmal schießt er sogar selbst etwas dazu. Das Geld fließt direkt aus dem Bruttogehalt des Arbeitnehmers in die Altersvorsorge. Dadurch sinkt nicht nur das zu versteuernde Einkommen, auch die Beiträge für Renten- und Krankenversicherung schrumpfen.

Nachteil: Das Geld aus der Betriebsrente muss im Alter versteuert werden. Bei einem Jobwechsel ist die Abwicklung zudem oft noch immer kompliziert. Und bei den Anlageformen handelt es sich in der Regel auch um Versicherungsprodukte mit all ihren Schwächen.

Für wen empfiehlt sich was?

Bei der Suche nach der passenden Altersvorsorge gibt es keine pauschalen Lösungen. Das hängt mit der individuellen Lebensplanung zusammen - und mit dem, was ungeplant passiert. Die folgenden Modellfälle zeigen jedoch, worauf Sie in bestimmten Lebensphasen besonders achten sollten.

Der Single unter 30 Jahren: Prioritäten setzen

"In jungen Jahren gilt es zunächst, die essenziellen Risiken abzusichern", sagt Annabel Oelmann, Finanzexpertin von der Verbraucherzentrale NRW. Dazu gehören eine Privathaftpflicht und eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Wichtig sei auch, sich eine Liquiditätsreserve von drei bis fünf Monatsgehältern zu schaffen, damit man bei unvorhergesehenen Ereignissen nicht gleich ans Eingemachte muss.

Vermögenswirksame Leistungen, die viele Arbeitgeber anbieten, sind eine Option, mit geringem Eigenaufwand einen ersten Kapitalstock zu schaffen - selbst in der Niedrigzinsphase. Wer jung ist, kann bei der Anlageform auch mehr Risiko eingehen, also etwa in Aktienfonds investieren, denn die Zeit arbeitet für ihn. "Vor dem Abschluss langfristiger Verträge sollte man sich aber immer klar machen, dass sich Perspektiven und Lebensplanungen ändern können", warnt Oelmann.

Die junge Familie: Sich über Präferenzen klar werden

Einen Königsweg gibt es hier nicht. Das ideale Produkt hängt enorm von den persönlichen Präferenzen ab. "Die einen wollen ein Haus, die anderen mehrere Kinder, manche beides", sagt Oelmann. Die größte Gefahr, die einer jungen Familie droht, ist der Tod eines Partners. Wenn ein Elternteil wegfällt, kann das schlimmstenfalls den finanziellen Ruin bedeuten - auch wenn er nicht der Hauptverdiener ist. "Deswegen raten wir zu einer Risiko-Lebensversicherung, mit der alle Schulden abgedeckt sind und die Hinterbliebenen etwa drei Jahresnetto-Gehälter erhalten", sagt Oelmann.

Der/Die Geschiedene Mitte Vierzig: Stellschrauben drehen

Oft sind in dieser Lebensphase schon Vermögenswerte vorhanden, die bei einer Trennung aufgeteilt werden müssen. "Lebenssituationen änden sich, deswegen muss man sich immer wieder mit seiner Altersvorsorge beschäftigen", sagt Oelmann.

Bei einigen ihrer Kunden beobachtet sie in Beratungsgesprächen große Beunruhigung. "Bei manchen Menschen kommt Panik auf, dass es sich jetzt eh nicht mehr lohnt", sagt sie. Doch das sei nicht richtig. "Viele Menschen wissen sogar, wo der Schuh drückt, welche Versicherungen möglicherweise nicht mehr nötig sind. Oft sind es nur kleine Stellschrauben, an denen gedreht werden muss."

Der/Die Arbeitnehmer/in Ende 50: Risiko senken

Wenn es auf die Rente zugeht, heißt es bei der Anlagestrategie vor allem "Risiko raus", sagt Oelmann. Es empfiehlt sich, schon einige Jahre vorher einen Kassensturz zu machen, zu überprüfen, wie es konkret aussieht. Anlagen mit höherem Risiko wie etwa Fonds sollten in sicherere Formen wie Tages- oder Termingeld überführt werden, das dann zum Renteneintritt zur Verfügung steht.

Fazit

Angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase ist Panik ebenso wenig angebracht wie Fatalismus. Zwar gibt es für die richtige Altersvorsorge nicht den einen richtigen Weg, einige Faustregeln erleichtern jedoch die Orientierung.

- Schieben Sie Ihre Vorhaben nicht auf die lange Bank. Wer früh anfängt, sich Gedanken über seine Zukunft zu machen, ist im Vorteil.

- Selbst wer nur wenig zur Seite legen kann, sollte dies tun.

- Der Mix macht's: Verteilen Sie das Risiko auf sichere und spekulativere Optionen.

- Kontrollieren sie Ihre Strategien einmal im Jahr. Ihre Lebensumstände ändern sich, passen Sie ihre Vorsorge daran an.

- Lassen Sie sich beraten. Wenn Sie zu einer Bank oder einem Versicherungsvertreter gehen, denken Sie daran, dass diese von den Provisionen ihrer Abschlüsse leben. Eine unabhängige Beratung bieten etwa die Verbraucherzentralen.