Hannover (dpa/tmn) - Auszubildende werden dringend gesucht. So hören es Jugendliche von vielen Seiten. Aber ganz so einfach ist es nicht. Je nach Beruf und Region kann der Bedarf an Nachwuchs sehr unterschiedlich sein.

Jugendliche sollten sich die Lehrstellensuche 2015 nicht zu leicht vorstellen. Zwar suchen viele Betriebe händeringend Auszubildende. "Der Mangel an Bewerbern gilt jedoch nicht für alle Berufe und Regionen", sagte Andreas Pieper vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) anlässlich der Bildungsmesse Didacta in Hannover (24. bis 28. Februar). So wird es zum Beispiel in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen voraussichtlich auch in diesem Jahr mehr Bewerber als freie Ausbildungsplätze geben. Besser sind die Aussichten in Brandenburg, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg.

"Ich tue mich schwer zu sagen, dass es wegen des Fachkräftemangels für die Jugendlichen generell viel einfacher geworden ist", erklärte Pieper. Es komme sehr auf den Wohnort an. In Stralsund, Suhl, Jena, Gera, Neuruppin, Cottbus, Potsdam, Passau und Regensburg fehlen den Betrieben die Auszubildenden. Dort ist die Suche für Jugendliche tendenziell leichter. Schwierig sei es zum Beispiel in Recklinghausen, Hameln, Marburg und Mönchengladbach.

Ähnlich ist es bei den Berufen: Ausbildungen wie die zum Mediengestalter, Veranstaltungskaufmann, Fotograf oder Gestalter für visuelles Marketing sind überlaufen, erklärte Pieper. Dagegen fehlt Nachwuchs in der Gastronomie, Hotellerie, in der Reinigungsbranche sowie bei Metzgern und Bäckern. Jugendliche sollten sich deshalb vorab genau informieren, wie die Lage am Ausbildungsmarkt bei ihnen vor Ort ist.

Gut ist für die Jugendlichen, dass für 2015 weniger Schulabgänger erwartet werden als 2014. Deshalb ist die Konkurrenz voraussichtlich kleiner, erläutert Pieper. Das gilt zumindest dann, wenn die Zahl der Ausbildungsplätze nicht zurückgeht.

"Wir sehen auf dem Ausbildungsmarkt immer größere Passungsprobleme", sagte Pieper. Das zeigt ein Blick ins vergangene Jahr. 2014 konnten 37 000 Lehrstellen nicht besetzt werden. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig bekamen 81 000 Jugendliche keine Lehrstelle. Von ihnen gingen schließlich 21 000 ganz leer aus. Der Rest fand Alternativen - und ging etwa weiter zur Schule. Trotz des von den Betrieben oft beklagten Fachkräftemangels gibt es derzeit also immer noch mehr suchende Jugendliche als freie Ausbildungsplätze.© dpa