Berlin (dpa/tmn) - Wer sein Konto überzieht, muss mit hohen Dispozinsen rechnen. Ein Vergleich lohnt sich, da die Zinsen je nach Bank stark schwanken. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der Rechercheplattform Correctiv.org und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ"):

Bei nur 5 der 391 Sparkassen in der Auswertung lagen die Zinsen unter einer Grenze von 8 Prozent. Die Spanne reichte von 5,71 Prozent bis 12,75 Prozent. Durchschnittlich verlangten die Sparkassen von ihren Kunden 10,75 Prozent.

"Natürlich gibt es Unterschiede unter den 409 Sparkassen", sagt Alexander von Schmettow, Sprecher vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Der Grund: Die Sparkassen entscheiden die Höhe der Dispozinsen eigenständig und orientieren sich dabei am Markt vor Ort. Der Dispo sei ein freiwilliges Angebot. "Keiner muss ihn in Anspruch nehmen."

Das Überziehen wird aber nicht nur für Sparkassen-Kunden schnell teuer. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main liegt derzeit bei deutschen Banken die Zinsspanne für einen Dispo zwischen 4,35 Prozent und 12,59 Prozent (Stand: 02.03.2016). Die Datengrundlage stützt sich die Untersuchung von 80 Banken, darunter Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, Direkt- sowie Großbanken.

Auch eine Erhebung der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Herbst zeigt, wie groß die Bandbreite ist: Die teuereste Bank verlangte sogar bis zu 16 Prozent, die günstigste Bank forderte hingegen nur 4,49 Prozent vom Kunden. Vorausgesetzt, der Kunde war bereit, eine Kontoführungsgebühr von sieben Euro pro Monat zu zahlen. Nach Angaben der Warentester teilten damals nur 424 von 1472 befragten Kreditinstituten die Höhe des Dispozinses freiwillig mit. Die anderen Daten ermittelten die Warentester auf eigene Faust.

Mittlerweile hat auch der Gesetzgeber reagiert: Im Rahmen der Wohnimmobilienkreditrichtlinie sollen die Banken künftig die Dispozinsen transparent für den Kunden darstellen. Das Gesetz tritt zum 21. März in Kraft. Es verpflichtet Banken, Kunden zu beraten, wenn diese dauerhaft das Konto überziehen - über Konsequenzen, Hilfsangebote und Alternativen. Konkret geht es dabei etwa um Verbraucher, die mehr als sechs Monate lang durchschnittlich mehr als 75 Prozent des eingeräumten Dispos nutzen. Das sei sinnvoll, denn: "Einen Dispokredit sollten Kunden nur für kurzfristige Engpässe nutzen", sagt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. Das bestätigt auch Steffen Steudel, Pressereferent Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): "Auf Dauer ist ein Dispo zu teuer."

Wer für eine längere Zeit mehr Geld braucht, als sein Limit erlaubt, sollte dafür günstigere Alternativen nutzen. Da sind sich Verbraucherschützer und Vertreter der Bankenverbände einig. "Der Dispo ist eigentlich immer der teuerste Kredit", sagt Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest. Besser sei ein Ratenkredit oder ein Rahmenkredit. "Bei einem Ratenkredit zahlt der Verbraucher feste Raten und weiß deshalb, bis wann er das Darlehen zurückgezahlt hat", erklärt Sigrid Herbst von FMH. Der Vorteil des Rahmenkredites sei: Verbraucher haben hier meist mehr Flexibilität bei der Rückzahlung.

Laut FMH-Finanzberatung müssen Verbraucher derzeit bei Ratenkredite mit einer Laufzeit von 36 Monaten mit Zinsspannen von 2,93 Prozent bis 10,49 Prozent rechnen (Stand: 02.03.2016). Rahmenkrediten können Verbraucher mit einer Spanne von 2,99 Prozent bis 14,90 Prozent finden (Stand: 02.03.2016). Das zeigt: Auch hier müssen Verbraucher die Zinsen genau vergleichen, bevor sie einen entsprechenden Vertrag unterschreiben.

Wichtig zu wissen: Die Höhe der Dispozinsen sollte nicht das einzige Auswahlkriterium bei der Suche nach einem geeigneten Konto sein. "Der Dispo ist nur ein Bestandteil bei dem Gesamtprodukt Girokonto", erklärt von Schmettow. Auch Verbraucherschützer betonen: Kriterien wie der Service, die Möglichkeit, leicht Bargeld am Automaten zu holen, die Option, kostenlos ins Ausland zu überweisen oder kostenlose eine Kreditkarte zu nutzen, können ebenfalls wichtig sein. "Das hängt von den jeweiligen Bedürfnissen der Kunden ab", sagt Backofen von der Stiftung Warentest. Fast noch wichtiger seien die Kontoführungsgebühren.

Correctiv.org und "FAZ" haben von November 2015 bis Februar 2016 die Dispozinsen von bundesweit 391 Sparkassen ermittelt. Die Daten wurden unter anderem von 477 Lesern eingeschickt sowie teilweise von den Sparkassen übermittelt. "Für jede Zahl in der Datenbank gibt es einen Beleg, den wir einzeln überprüft haben", erklärt Mathias Müller von Blumencron, Online-Chef der "FAZ". So haben beispielsweise Leser Fotos der Zins-Aushänge in den Sparkassen geschickt. "Die so ermittelten Angaben haben uns dann die Sparkassen bestätigt." Eine interaktive Grafik ermöglicht nun Verbrauchern, die Zinsen einzelner Sparkassen zu vergleichen. Wer bei einem anderen Bankenverband Kunde ist, kann entsprechende Daten bei der Stiftung Warentest finden - dort ist der Abruf jedoch kostenpflichtig.© dpa