Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen: Ein leidiges Thema. Denn immer noch verdient der weibliche Teil der Bevölkerung weniger als der männliche. Und das gilt nicht nur für gering qualifizierte Berufstätige, sondern auch für Hochschulabsolventen. Das stellt eine aktuelle Studie des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fest.

Zwar hat sich laut Statistischem Bundesamt die Frauenquote bei den Hochschulabsolventen von 38,9 Prozent im Jahre 1993 auf 50,7 Prozent im Jahr 2012 gesteigert. Auf die Verdienstaussichten der frischgebackenen Akademikerinnen wirkt sich das aber nicht positiv aus. "Während der Lohn einer Frau durchschnittlich bei 90 Euro pro Bruttotageslohn liegt, verdienen Männer im Schnitt 111 Euro", berichtet Dr. Anne Otto vom IAB Rheinland-Pfalz-Saarland. Das ist ein Lohnunterschied von 23 Prozent.

Otto hat in Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes detailliert untersucht, wie groß die Lohnunterschiede von Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen in ihrer ersten Vollzeitbeschäftigung sind. Dazu nutzte sie anonymisierte Absolventendaten der Hochschule sowie Daten der Bundesagentur für Arbeit. Otto: "Damit ist diese Studie repräsentativ und aussagekräftig."

Die Fachrichtung macht den Unterschied

Es gibt vieleGründe für den erheblichen Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern: "Absolventen von technischen und naturwissenschaftlichen Fachrichtungen haben die höchsten Startgehälter. Doch die Frauenquote ist gerade in diesen Studiengängen besonders niedrig", erklärt Otto.

Demgegenüber sind die Frauenanteile in den Fachrichtungen Erziehungswissenschaften sowie Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften auffallend hoch. Aber die Absolventen dieser Fächer verdienen erheblich weniger. Nur in den Erziehungswissenschaften erhalten die Frauen mehr Gehalt. Eine andere Ausnahme sind die Sportwissenschaften. "In diesem Fall ist die Männerquote zwar sehr hoch, aber das durchschnittliche Einkommen in der ersten Beschäftigung unter allen Fächergruppen am geringsten", so die Studienleiterin vom IAB Rheinland-Pfalz-Saarland.

Lohngefälle in kleinen Betrieben besonders groß

Ein anderer Grund für die Lohnunterschiede sieht Otto darin gegeben: "Frauen arbeiten oft in Kleinbetrieben. Aber dort ist das Gefälle zwischen den Geschlechtern überdurchschnittlich groß. Je kleiner der Betrieb, desto größer die Lohndifferenz", weiß die Forscherin. So verdienen die weiblichen Absolventen in kleineren Betrieben 26 Prozent und in mittleren 22 Prozent weniger als die männlichen. Demgegenüber fällt der Lohnunterschied in Großbetrieben mit 18 Prozent deutlich geringer aus.

Wie tief die Gehaltslücke ist, hängt aber auch von der Branche ab: "Am geringsten ist sie mit vier Prozent im öffentlichen Dienst und mit acht Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen." Am höchsten fallen die Lohnunterschiede mit 29 Prozent in den Branchen "Erziehung und Unterricht" und "Sonstige Dienstleistungen" aus. Auch im Bereich "Kultur, Medien und Unterhaltung" ist das Gehaltsgefälle mit 28 Prozent besonders groß.

"Selbst bei vergleichbaren Gruppen von weiblichen und männlichen Hochschulabsolventen beträgt der Gehaltsunterschied immer noch sieben Prozent", berichtet Otto. In diesem Fall hat die IAB-Studie Jungakademiker beiderlei Geschlechts verglichen, die gleich alt sind, dasselbe Studienfach und den gleichen Abschluss haben. Auch die Abschlussnote und die Dauer des Studiums und der Arbeitsplatzsuche waren identisch.

Gute Studienleistungen zahlen sich aber für beide Geschlechter aus: "Absolventen, die ihr Studium mit der Abschlussnote 'mit Auszeichnung oder sehr gut' beendet haben, verdienen durchschnittlich 113 Euro pro Tag, Frauen mit derselben Abschlussnote 91 Euro", berichtet Otto.

Ihr Tipp an alle Frauen: "Seien Sie sich bei der Studienwahl darüber im Klaren, dass Sie damit in der Regel auch über Ihr zukünftiges Einkommen entscheiden."